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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Das Problem der Kontingenz im Lichte des Praxis- und Performativitätsparadigmas

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P3; Modul P5; MA Phil: Modul IV; Modul VI; AP Phil;
Ort: Hagen
Adresse: Universitätsstraße 1/11, Gebäude 3 (TGZ/IZ), Erdgeschoss, Ellipse
Termin: 04.10.2019 bis
06.10.2019
Zeitraum: 4.10.19: 16:00 ‐ 20:30 Uhr,
5.10.19: 10:00 ‐ 18:30 Uhr,
6.10.19: 10:00 ‐ 13:00 Uhr.
Leitung: Selin Gerlek
Anmeldefrist: 20.09.2019
Auskunft erteilt: E-Mail: Selin Gerlek
Telefon: +49 2331 987-4385
E-Mail: Christoph Düchting
Telefon: +49 2331 987-2791

Theorien der Praxis sind und bleiben für die Kultur-, Sozial- wie Geisteswissenschaften vielversprechend. „Praxis“ und „Praktiken“ bilden die zentralen Konzepte, mit deren Hilfe die Körperlichkeit und Materialität von Praktiken stets als in einen Kontext gebettet adressiert werden und in welchem die Regelmäßigkeit beim Vollzug von Gesten und Performances betont wird. Es sind die sogenannten doings und sayings, die beobachtet, beschrieben und problematisiert werden können.

Während tatsächlich zu beobachten ist, dass Praxistheorieforschung interdisziplinär Anwendung findet und lukrativ bleibt, ist zeitgleich eine Tendenz zu beobachten, die gerade ein nicht zu Unrecht sehr früh bemerktes Problem offenbar werden lässt: Praxistheoretische Forschung wird insbesondere in den Sozialwissenschaften betrieben. Nicht nur zeigt sich dabei, dass Praxis vor allem als soziale Praxis etabliert wird. Praxistheorien, die selbst aus dem sogenannten cultural turn hervorgegangen sind, haben es nicht allzu leicht, sich von diesem zentralen Bezug zum Sozialen und Gesellschaftlichen zu lösen. Dies liegt nicht nur an der Schwierigkeit, dass es weit komplizierter scheint, wenn man stattdessen auf kulturelle Praktiken abstellen wollte – denn was „kulturell“ hier genau respektive „alles“ bedeuten würde, wäre nicht leichterdings geklärt. Vor allem scheinen Praxistheorien jedoch augenscheinlich schlicht „der ideale Gegenstand“ für die Sozialwissenschaften zu sein. Denn was zu der Grundbestimmung einer Praktik implizit hinzugehört, ist, dass Praxis als Praxis adressiert werden kann: Damit diese positiv bestimmt wird, muss sie also zuallererst bestimmbar sein. Und was lässt sich bestimmen, das nicht schon in gekannten Termini sagbar wäre? Praktiken werden daher an ihre Reproduzierbarkeit, Wiederholbarkeit, ihren ordnungsstiftenden Charakter zurückgebunden. Und so dienen sie vor allem sozialtheoretischer Forschung zur Befragung von sozialer Ordnung – ihre Destabilisierung gerät jedoch scheinbar nur in Abhängigkeit von derselben in den Blick.

Das Seminar will die Spannung von Wiederholung und Differenz in den Mittelpunkt stellen und danach fragen, welche alternative Zugänge zu dieser Problematik denkbar sind. Eine mögliche Antwort findet sich im Bereich der Theorien des Performativen sowie der Artistic Research, in deren Zentrum das zuvor nicht Planbare, das Kontingente und Überraschende stehen müssen, will etwas „Neuartiges“ überhaupt denkbar sein. Ausgewählte kanonisch Texte aus beiden Bereichen – Theorien der Praxis sowie Theorien des Performativen und der Artistic Research – sollen daher in zwei getrennten Seminarabschnitten kennengelernt und diskutiert werden. Der abschließende letzte Teil soll sich einer kritischen Gegenüberstellung widmen.


Empfohlene Hintergrundlektüre

Reckwitz, Andreas, „Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken“, in: Zeitschrift für Soziologie 32, Nr. 4, 2003, 282-301.

Bourdieu, Pierre (1972), Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft, übers. v. Cordula Pialoux u. Bernd Schwibs, Frankfurt a.M. 1976

Matzke, Annemarie (2013) in: Klein, Gabriele/Brandstetter, Gabriele (2013) (Hg.), Dance [and] Theory, Bielefeld, 69-73.

Christoph Düchting | 30.09.2019
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen