Präsenzveranstaltung

Thema:
Ordinary Language Philosophy und ihre Kritik
Adressatenkreis:
MA Phil: Modul I; Modul III; Modul VII; AT Phil;
Ort:
Leipzig
Adresse:
Campus Leipzig
Termin:
17.06.2022 bis
19.06.2022
Zeitraum:
Freitag, 18.00-20.00 Uhr; Samstag 9.00-18.00 Uhr; Sonntag, 9.00-12.00 Uhr
Leitung:
PD Dr. Gunnar Schumann
Anmeldefrist:
14.06.2022
Anmeldung:
über unten stehendes online-Formular
Auskunft erteilt:
Gunnar Schumann , E-Mail: gunnar.schumann

Seminarbeschreibung

Die Philosophie der normalen Sprache (engl. „ordinary language philosophy“ (OLP)) ist eine philosophische Methode, die davon ausgeht, dass traditionelle philosophische Probleme auf Missverständnissen beruhen, die Philosophen dadurch entstehen, dass sie die Bedeutung von Wörtern im alltäglichen Gebrauch verdrehen oder vergessen. Es kommt ihr darauf an, die Bedeutung der Wörter von ihrer philosophischen auf ihre normale Bedeutung zurückzuführen, in dem sie an den tatsächlichen Gebrauch der Wörter in unserer Alltagssprache erinnert, um damit das Zustandekommen von philosophischen Problemen (z.B. Leib-Seele-Problem, Problem des Fremdpsychischen, Skeptizismus-Problem, Problem der personalen Identität, Problem des freien Willens) vollständig aufzulösen. Sie geht auf Überlegungen des späten Ludwig Wittgenstein (1889-1951) zurück und erlebte ihre Blütezeit in Oxford der der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Heutzutage wird sie nur von einer Minderheit von analytischen Philosophen explizit vertreten, obwohl viele Philosophen sie durchaus implizit anerkennen.

Im Seminar wollen wir uns zunächst die von Wittgenstein entwickelte Methode der normalen Sprache charakterisieren und veranschaulichen, wie sie zur Auflösung philosophischer Probleme führt. Sodann wollen wir uns mit Einwänden gegen die Ordinary-Language-Methode beschäftigen, wie sie bspw. von Russell, Grice, Quine und den szientifischen Realisten vorgebracht wurden. 1) Russells Hauptvorwurf gegen die OLP war, dass sie die Alltagssprache als unantastbar behandelt, obwohl diese doch tatsächlich vage ist und durch logische Analyse disambiguiert werden muss. 2) Ein weiterer Einwand gegen die OLP ist, dass Wittgensteins „Bedeutung ist Gebrauch“-These nichts anderes ist als eine Verwechslung von Semantik und Pragmatik: Wie wir Wörter verwenden, könne keinen Einfluss auf ihre Bedeutung haben, denn die Bedeutung eines Wortes sei unabhängig davon gegeben (Grice). 3) Ein weiterer Einwand gegen OLP ist, dass man nicht sinnvoll zwischen analytischen und synthetischen Aussagen unterscheiden kann (Quine). 4) Schließlich wird manchmal behauptet, dass die Bedeutung von Wörtern von so genannten „natürlichen Arten“ (bspw. „Wasser“, „Gold“, „Fisch“) durch wissenschaftlich-empirische Untersuchungen entdeckt werde (Putnam). Dazu kommen weitere Einwände.

Wir werden uns anhand von Referaten, Lektüre einiger Textpassagen und gemeinsamer Diskussion einen Überblick über diese Debatte verschaffen, ihre jeweiligen Argumente kennen lernen und diese kritisch bewerten. Die Teilnehmer werden gebeten, die Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. (Literatur können Sie prinzipiell über die Fernleihe jeder Universitäts- oder Landesbibliothek beziehen, auch über die UB Hagen. Kopieren Sie sich Texte, wenn sie ihnen zur Anschaffung zu teuer sind.) Die Teilnehmer werden gebeten, die Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. Für diejenigen, die eine Hausarbeit verfassen möchten, bietet es sich an, ein Referat von ca. 20min Länge zu übernehmen. Themen für Referate können nach Absprache vergeben werden. Referate haben jeweils einen der angegebenen Texte zum Gegenstand und sollten aus einer Wiedergabe der wichtigsten Thesen und Argumente in eigenen Worten bestehen. Verzichten Sie bitte auf Angaben zu Leben und Werk der Autoren. Es geht darum, mit dem Referat die Kommilitonen darüber in Kenntnis zu setzen, was in dem jeweiligen Text steht. Es ist empfehlenswert, dafür eine Powerpoint-Prä­sen­ta­tion vorzubereiten. Für allgemeine Informationen zu HA nehmen Sie auch das Dokument „Hinweise zur HA“ auf der Homepage des Moduls M VII zur Kenntnis. Der Seminarplan ist im Wesentlichen mit der Reihenfolge der unten angeführten Literatur identisch. Das Seminar soll vorbehaltlich der Pandemieentwicklung in Leipzig stattfinden (alternativ online über Zoom, den Link erhalten Sie dann kurz vor Sitzungsbeginn per email. Genaueres wird auf dieser Homepage noch angegeben.)

Literatur:

    • Überblick:
      • Hacker, Peter M. S.: Wittgenstein im Kontext der analytischen Philosophie, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1997, Kap. 5, 6, 8.1-8.2.
      • Hacker, Peter M. S.: “Appendix: Philosophical Analysis and the Way of Words”, in: The Intellectual Powers: A Study of Human Nature, Oxford 2013.
      • Hanfling, Oswald: Philosophy and Ordinary Language. The Bent and Genius of our Tongue, 2000 (2003), Introduction, ch. 1-4.
      • T. P. Uschanov: “The Strange Death of Ordinary Language Philosophy”
        • https://www.mv.helsinki.fi/home/tuschano/writings/strange/
    • Primärliteratur (Referatsthemen):
      • Mates, Benson. “On the Verification of Statements About Ordinary Language”, in: Inquiry 2, 1958: 161–171.
      • zu 2) Grice, Paul H.: “Logic and Conversation”, in: Grice, Paul H.: Studies in the Ways of Words, Harvard University Press; 1989 (1991): 22-40.
        • Kritik bei:
          • Glock, Hans-Johann: „Abusing Use“, in: dialectica 50 / 3 (1996), 205-223, § 5.
          • Hanfling, Oswald: Philosophy and Ordinary Language. The Bent and Genius of our Tongue, 2000 (2003), Introduction, ch. 10.
          • Hare, Richard M. 1971a: “Austin’s Distinction between Locutionary and Illocutionary Acts”, in: Hare (1971b), S. 100-116.
      • zu 3) Quine, W. v. O.: “Two Dogmas of Empiricism”, in: ders.: From a logical Point of View, 2nd edition (Harper and Row, New York, 1963). (auch auf Deutsch verfügbar)
        • Kritik bei:
          • Strawson, Peter/ Grice, H.P.: In Defense of a Dogma, in: The Philosophical Review, Vol. 65/2 (Apr 1956), pp. 141-158.
      • zu 4) Hilary Putnam: Die Bedeutung von „Bedeutung“, Vittorio Klostermann 2004.
        • Kritik bei:
          • Hanfling, Oswald: Philosophy and Ordinary Language, London 2000, Ch. 12.
      • Coleman, Anthony & Welty, Ivan (eds.): Ordinary Language Philosophy: A Reappraisal, in: Essays in Philosophy, Volume 11 Issue 2, 2010.
      • Baz, Avner: When Words Are Called For. A Defense of Ordinary Language Philosophy, Cambridge, MA: Harvard University Press, 2012.

Online-Anmeldung

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus. (Wenn Sie eine verschlüsselte Übertragung der Daten wünschen, wählen Sie in der Adresszeile Ihres Browsers „https://“ statt „http://“ und laden Sie diese Seite neu.) Eine Bestätigung über Ihre Teilnahme senden wir in den nächsten Tagen an Ihre E-Mail-Adresse.

Ich melde mich für: Präsenzveranstaltung Ordinary Language Philosophy und ihre Kritik (17.06.2022 bis 19.06.2022 in Leipzig) verbindlich an.

Ich studiere im Studienabschnitt
Kontaktinformationen
Frau Herr
/
Tanja Moll | 01.08.2022