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Warum werden gute Taten von Prominenten häufig negativ bewertet?

[12.02.2019]

Prosoziales Handeln in Form von Hilfeverhalten oder ehrenamtlichem Engagement ist für das zwischenmenschliche Miteinander ebenso wichtig wie für Gesellschaften insgesamt. Dennoch reagieren Menschen nicht immer positiv, wenn sie andere bei guten Taten beobachten. Ein aktueller Forschungsartikel aus dem Lehrgebiet Sozialpsychologie geht der Frage nach, von welchen Faktoren es abhängt, ob gute Taten anderer positiv oder negativ bewertet werden.


Die ForscherInnen konzentrierten sich in ihrer Arbeit vor allem auf zwei mögliche Faktoren, den gesellschaftlichen Status der helfenden Person und die beabsichtigte Öffentlichkeit der guten Tat. Insbesondere interessierten sie sich für die Frage, wie sich diese beiden Faktoren darauf auswirken, ob Menschen anderen Personen, die sie bei einer guten Tat beobachten, eher altruistische (also selbstlose) oder egoistische Gründe für das Helfen unterstellen. Sie nahmen an, dass Menschen HelferInnen mit einem eher hohen gesellschaftlichen Status (z.B. Prominenten oder Angehörigen prestigeträchtiger Berufsgruppen) eher egoistische (und weniger altruistische) Beweggründe für die gute Tat unterstellen als HelferInnen mit einem eher niedrigen gesellschaftlichen Status. Außerdem erwarteten Sie, dass HelferInnen, die ihre gute Tat absichtlich publik machen (z.B. über soziale Medien verbreiteten) eher egoistische (und weniger altruistische) Motive zugeschrieben werden als HelferInnen, die ihre gute Tat nicht selbst öffentlich machen.

Um diese Annahmen zu testen, führten die ForscherInnen zwei Studien durch, in denen die Studienteilnehmenden einen kurzen Bericht über eine Person, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete engagiert, lasen. Die Person wies entweder einen höheren oder einen niedrigeren sozialen Status auf (wurde z.B. als prominent vs. als Durchschnittsperson dargestellt) und hat die gute Tat entweder absichtlich publik gemacht oder nicht.

Wie erwartet vermuteten die Studienteilnehmenden eher egoistische Motive (z.B. „andere beindrucken“) und weniger altruistische Motive (z.B. „Sorge um das Wohlergehen anderer“) für die gute Tat, wenn die helfende Person einen höheren Status aufwies und ihre gute Tat selbst öffentlich machte. Interessanterweise waren die Teilnehmenden dann auch weniger bereit, die helfende Person in ihrem Anliegen zu unterstützen.

Gerade letzter Befund zeigt wichtige praktische Implikationen dieser Forschung für ehrenamtliches Engagement auf. Oftmals sind Personen hohen gesellschaftlichen Status, die ihr ehrenamtliches Engagement publik machen, wichtige Rollenmodelle, die neue Ehrenamtliche für eine gute Sache gewinnen können. Gleichzeitig scheinen ihnen aber auch egoistische Motive zugeschrieben zu werden, die wiederum die Bereitschaft zur Unterstützung der Kampagne senken. InitiatorInnen ehrenamtlicher Kampagnen sollten also Sorge tragen, dass altruistische Beweggründe statushoher, prominenter „Zugpferde“ ausreichend wahrgenommen werden.


Birte Siem Foto: Hardy Welsch

Birte Siem

Lehrgebiet Sozialpsychologie

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Fakultät Psychologie | 06.03.2019