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Behandlung für Pädophile: Doch nicht so effektiv wie gedacht

[27.05.2019]

In einer neuen Studie aus dem Lehrgebiet Persönlichkeitspsychologie, Diagnostik und Beratung wurde das Therapieprogramm "Dunkelfeld" erneut untersucht.


Das "Dunkelfeld"-Projekt ist ein anonymes Therapieprogramm für Menschen, die pädophil sind und sich aus Sorge, womöglich straffällig zu werden, in Behandlung begeben. Im Mai-Heft des Journal of Sexual Medicine stellen Prof. Dr. Andreas Mokros (FernUniversität in Hagen) und Prof. Dr. Rainer Banse (Universität Bonn) Belege für die Effektivität dieser Behandlung infrage. Im Jahr 2015 hatten Verantwortliche des „Dunkelfeld“-Projekts von der Berliner Charité in derselben Zeitschrift die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht (Beier et al., 2015). Danach hätten sich beim Vergleich von behandelten Patienten mit einer Kontrollgruppe Hinweise auf die Effektivität ergeben. Konkret schrieben Beier et al.: „Therapie für Pädophile/Hebephile im Dunkelfeld kann dynamische Risikofaktoren im Hinblick auf sexuellen Kindesmissbrauch verändern und entsprechende Verhaltensweisen reduzieren.“ (S. 529, eigene Übersetzung). Wie Andreas Mokros und Rainer Banse in ihrer aktuellen Veröffentlichung zeigen, wurde in der Originalarbeit jedoch die maßgebliche Wechselwirkung gar nicht betrachtet, nämlich die zwischen Gruppenzugehörigkeit (behandelt/unbehandelt) und Zeitpunkt (vorher/nachher). Berücksichtigt man diese Wechselwirkung, erweisen sich die erwähnten dynamischen Risikofaktoren in der Behandlungsgruppe als allenfalls geringfügig verändert; in keinem Fall wich der beobachtete Effekt signifikant von der Zufallserwartung ab. Damit ist eine mögliche Wirksamkeit der Behandlung zwar nicht widerlegt, vor allem aber auch nicht empirisch belegt. Allerdings, so die Autoren weiter, gebe es aus anderen Studien durchaus Hinweise, dass auch dynamische Risikofaktoren für sexuelle Gewalt grundsätzlich veränderbar seien.


Prof. Dr. Andreas Mokros Foto: Hardy Welsch

Prof. Dr. Andreas Mokros

Lehrgebiet Persönlichkeitspsychologie, Diagnostik und Beratung

E-Mail: andreas.mokros

Telefon: +49 2331 987-1273

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Fakultät Psychologie | 27.05.2019