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(Doppelte) Staatsbürgerschaft und wahrgenommene Loyalität: Das Visum zu Vertrauen, Akzeptanz und Unterstützung?

[11.11.2019]

Eine experimentelle Fragebogenstudie in drei Ländern untersucht die Reaktionen auf eine doppelte Staatsbürgerschaft im Vergleich zu einer Staatsangehörigkeit zu einem einzelnen Land: Welchen Einfluss hat die Staatsbürgerschaft auf die wahrgenommene Loyalität, das Vertrauen, die Akzeptanz und die Unterstützung von Personen mit Migrationshintergrund?


Jolanda van der Noll und Anette Rohmann aus dem Lehrgebiet Community Psychology haben im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit Inga Jasinskaja-Lahti und ihrem Team von der Universität Helsinki sowie Maykel Verkuyten von der Universität Utrecht folgende Fragen untersucht: Wie wirkt sich die Staatsbürgerschaft von Personen mit Migrationshintergrund auf die wahrgenommene Loyalität aus? Wie hängt die wahrgenommene Loyalität mit dem entgegengebrachten Vertrauen, der Akzeptanz in strategischen Positionen sowie der Unterstützung für sozialen Einfluss in der Gesellschaft zusammen? Angesichts der vielfachen Debatten um doppelte Staatsbürgerschaften ist eine psychologische Perspektive auf diese Frage von hoher Relevanz.

Die Ergebnisse einer experimentellen Fragebogenstudie aus drei Ländern (Finnland, den Niederlanden und Deutschland; insgesamt 779 Teilnehmende) zeigen, dass Personen mit Migrationshintergrund, die nur die jeweilige nationale Staatsangehörigkeit des Aufnahmelandes haben, als loyaler zum Aufnahmeland und weniger loyal zu ihrem Herkunftsland wahrgenommen werden als Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Im Vergleich zu Personen mit nur ausländischer Staatsangehörigkeit werden doppelte Staatsbürger jedoch als loyaler zum Aufnahmeland wahrgenommen und gleichzeitig als ebenso loyal zu ihrem Herkunftsland wie Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Wie bedeutsam diese Wahrnehmungen sind, wird in ihren Zusammenhängen mit dem Vertrauen gegenüber Personen mit Migrationshintergrund, deren Akzeptanz und der ihnen entgegenbrachten Unterstützung deutlich: Eine hohe Wahrnehmung von nationaler Loyalität ist mit höherem Vertrauen, stärkerer Akzeptanz und größerer Unterstützung verbunden, während eine hohe wahrgenommene Loyalität zum Herkunftsland mit niedrigerem Vertrauen, geringerer Akzeptanz und geringerer Unterstützung zusammenhängt. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Group Processes & Intergroup Relations veröffentlicht.


Dr. Jolanda van der Noll Foto: Hardy Welsch

Dr. Jolanda van der Noll

Lehrgebiet Community Psychology

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Prof. Dr. Anette Rohmann Foto: Hardy Welsch

Prof. Dr. Anette Rohmann

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Fakultät Psychologie | 11.10.2019