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Einstellungen und Wohlergehen von Geflüchteten in Deutschland

[17.12.2018]

Eine Studie aus dem Lehrgebiet Community Psychology zeigt die Bedeutung der Umgebungsfaktoren für Einstellungen und Wohlergehen von Geflüchteten.


Die Umgebung beeinflusst das individuelle Erleben. In einer aktuellen Studie wurde entsprechend untersucht, inwiefern Umgebungsfaktoren mit dem Akkulturationsprozess Geflüchteter in Deutschland zusammenhängen. Unter Akkulturation versteht man Veränderungen, die durch das Zusammentreffen zweier Kulturen hervorgerufen werden, zum Beispiel bei Migrationsbewegungen.

In der Studie wurden rund 100 Geflüchtete aus 16 verschiedenen Ländern befragt. Dabei wurden verschiedene kontextuelle Aspekte erfasst: Der wahrgenommene Aufnahmekontext (bestehend aus wahrgenommener Freundlichkeit, wahrgenommenen Möglichkeiten, sich willkommen fühlen), Einstellungen der Deutschen, Kontakterfahrungen, Diskriminierung, Unterbringungssituation, An- bzw. Abwesenheit von Familienmitgliedern.

Die Ergebnisse zeigen, dass Diskriminierungserfahrungen mit mehr psychischen Problemen Geflüchteter einhergingen, ebenso wie auch eine Unterbringung in Sammelunterkünften und die Abwesenheit von Familienmitgliedern. Ein positiverer wahrgenommener Aufnahmekontext hing mit einer erhöhten Bereitschaft zu Kontakt mit bzw. Partizipation an der deutschen Mehrheitsgesellschaft zusammen, positivere Kontakterfahrungen mit Deutschen mit einem geringeren Wunsch, die eigene Kultur aufrecht zu erhalten.

Die Studie illustriert die Bedeutung von Umgebungsfaktoren auch für den Akkulturationsprozess Geflüchteter in Deutschland. Sie liefert verschiedene Ansätze zur Verringerung psychischer Probleme Geflüchteter, sowie zur Verbesserung von Intergruppenbeziehungen zwischen Geflüchteten und Deutschen. Sie ist eine von wenigen Studien, in der Geflüchtete direkt befragt wurden und liefert somit einen seltenen Einblick in deren Lebenssituation und Perspektive.


Anna Haase

Lehrgebiet Community Psychology

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Oliver Baentsch | 18.12.2018