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Lernkurven: Erwartungen besser erfassen

[06.11.2018]

Eine neue Studie aus dem Lehrgebiet Allgemeine Psychologie: Lernen, Motivation, Emotion nutzt Vignettentechnik zur Erfassung von erwarteten Lernkurven


Jeden Tag x Stunden lernen = jeden Tag x Einheiten im Kopf behalten?

Während Neulinge in einer Disziplin meist rasche, gut sichtbare Fortschritte verzeichnen können, wird es mit wachsender Expertise zunehmend aufwändiger, die eigene Leistung weiter zu steigern. Dieser Zusammenhang steckt in sogenannten Lernkurvendiagrammen, dem Gegenstand einer Forschungsarbeit von Dr. Christine Blech und Prof. Robert Gaschler aus dem Lehrgebiet Allgemeine Psychologie, Lernen, Emotion und Motivation. Im Rahmen zweier Präsenzveranstaltungen in Berlin und Hagen, die u.a. genau das Thema Lernpsychologie behandelten, bekamen insgesamt 83 Fernstudierende im B.Sc. Psychologie in leeres Koordinatensystem vorgelegt, das sie zeichnend um eine plausibel scheinende Lernkurve ergänzen sollen. Die gezeichneten Kurven wurden ausgemessen, in Zahlenwerte übersetzt und statistisch auswertet. Dabei zeigte sich, dass nur gut ein Drittel der Kurven eine im Sinne der lernpsychologischen Modelle passende Form aufwies. Etwa 60% der Kurven hingegen ähnelten einer ansteigenden Gerade. Warum die Gerade kein typischer Lernverlauf ist und wie eine echte Lernkurve aussieht, konnten die Teilnehmenden im Anschluss noch während der Präsenzveranstaltung diskutieren. Eine ganz simple Faustregel, um die Güte der gezeichneten Lernkurve zu bestimmen, ist den mittleren Abstand zur Diagonallinie zu berechnen. Eine plausible Lernkurve mit schnellem Lernzuwachs am Anfang liegt möglichst weit oberhalb der Diagonalen. Mit der Vignettentechnik ist es möglich, dass Personen die Lernkurve frei und unbeeinflusst zeichnen (anders als z.B. bei einem Multiple-Choice-Test); gleichzeitig kann man den Kurvenverlauf dank Koordinatensystem in Zahlen messbar machen. Was die Studierenden im Seminar mit Papier und Stift gezeichnet haben, läuft bald auch als Online-App und kann das Lernen über Lernkurven unterstützen. Das Computerprogramm berechnet anhand einiger einfacher Regeln, ob eine Lernkurve stimmig ist, und meldet den Studierenden das Ergebnis zurück. So kann man eigene Wissenslücken aufspüren und unmittelbar daraus lernen.

Blech, C., & Gaschler, R. (2018). Assessing students’ knowledge about learning and forgetting curves with a free production technique: Measures and implications for the development of learning aids. Psychology Learning & Teaching, 17(3), 308–322. doi: 10.1177/1475725718779684

Dr. Christine Blech Foto: Hardy Welsch

Dr. Christine Blech

Lehrgebiet Allgemeine Psychologie: Lernen, Motivation, Emotion

E-Mail: christine.blech

Telefon: +49 2331 987 - 4751

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Fakultät für Psychologie | 06.11.2018