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Open-Science an der FernUniversität

[21.10.2019]

Um die Durchführung von Replikationsstudien geht es in einem Leitfaden, den das Lehrgebiet Allgemeine Psychologie: Urteilen, Entscheiden, Handeln entwickelt hat.


Foto: Jakob Studnar
Replikationsstudien testen nicht nur die Stabilität von wissenschaftlichen Befunden – von Studierenden durchgeführt, können sie auch ein wertvoller Baustein in der Lehre sein.

Das Lehrgebiet Allgemeine Psychologie: Urteilen, Entscheiden, Handeln (Dr. Susann Fiedler) der FernUniversität in Hagen entwickelte in den vergangenen Semestern einen praktischen Lehrleitfaden zur authentischen Vermittlung von Open-Science-Prinzipien. Er zeigt wie Studierende, die im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten als Replikatorinnen und Replikatoren tätig werden, eine tragende Rolle im wissenschaftlichen Prozess der Zukunft spielen können.

Replikationsstudien – also bewusst wiederholte Studien – sind ein wichtiger Eckpfeiler der wissenschaftlichen Forschung. Sie testen die Stabilität eines Befundes; können mögliche Moderatoren bei heterogenen Ergebnissen aufdecken sowie über verschiedene Studien hinweg eine Schätzung der Reproduzierbarkeit eines Forschungsbereiches liefern. Implementiert in die Lehre ermöglichen sie außerdem, den Studierenden nicht nur die praktische Anwendung der Forschungsmethoden, Studiendesigns, statistischer Analysen etc. näher zu bringen, sondern sie schärfen gleichzeitig die Sensibilität für elementare Werte wie Transparenz und Offenheit in der Wissenschaft. Durch die eigene praktische Erfahrung im Rahmen einer konkreten Studie wird den Studierenden ein tiefgreifendes Verständnis davon vermittelt, was Replizierbarkeit wirklich bedeutet. Auch die Einsicht, dass der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt nicht durch einen einzigen signifikanten Befund erfolgen kann, sondern kumulativer Forschung bedarf, kann durch die selbst durchgeführte Replikation besser verinnerlicht werden.

Infos zur Publikation

Jekel, M., Fiedler, S., Allstadt Torras, R., Mischkowski, D., Dorrough, A. R., & Glöckner, A. (2019). How to Teach Open Science Principles in the Undergraduate Curriculum—The Hagen Cumulative Science Project. Psychology Learning & Teaching, 1475725719868149.

Großangelegtes Vorhaben

Das „Hagen Cumulative Science Project“ ist ein umfangreiches Lehrprojekt zur Implementierung der Replikationsstudien in die universitäre Ausbildung und Methodenlehre, das im Jahre 2015 an der FernUniversität im Lehrgebiet für Allgemeine Psychologie: Urteilen, Entscheiden, Handeln startete und unter Leitung von Dr. Susann Fiedler, Dr. Marc Jekel und Prof. Dr. Andreas Glöckner durchgeführt wird. Im Rahmen dieses Projekts wurde, basierend auf mehr als 80 direkter Replikationen, eine praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Durchführung der Replikationsstudien im Rahmen der Master- und Bachelorarbeiten entwickelt. Im aktuellen Bericht zum Projekt werden die zahlreichen Vorteile dieses Verfahrens für die Studierenden, die Lehrenden und die Scientific Community ausführlich diskutiert. Auch wird umfassend auf die möglichen Probleme und Herausforderungen eingegangen sowie Lösungswege vorgeschlagen.

Vorteile in der Lehre

Die Durchführung der Replikationsstudien im Rahmen der Abschlussarbeiten ist zweifelsohne eine der effektiven Möglichkeiten, die Reproduzierbarkeitskrise zu bewältigen; es ist aber auch ein sehr nützliches Instrument in der Lehre, welches nicht nur die Qualität der Bachelor- bzw. Masterarbeiten und im Rahmen der Abschlussarbeiten erworbenen Fertigkeiten verbessern kann, sondern welches auch den Studierenden ermöglicht, einen sinnvollen Beitrag zur Wissensakkumulation zu leisten.

Fakultät Psychologie | 21.10.2019