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Evaluation: Beteiligung allein reicht nicht aus – Fairness ist entscheidender Faktor

[30.05.2019]

Zwei Studien aus dem Lehrgebiet Community Psychology zeigen, dass die Beteiligung von Interessengruppen zuweilen auch negative Folgen haben kann


Evaluationsergebnisse (d. h. die Ergebnisse von systematischen Begutachtungen und Bewertungen von Projekten, Arbeitsabläufen etc.) können dazu genutzt werden, die beurteilten Projekte oder Abläufe zu verbessern. Eine besondere Form der Evaluation ist die sogenannte partizipative Evaluation: Hierbei wirken Mitarbeitende eines Projekts aktiv an der Evaluation mit. Durch die Beteiligung der Mitarbeitenden oder anderer relevanter Gruppen kann die spätere Nutzung der Evaluationsergebnisse in der Praxis gefördert werden. Ob es auch negative Folgen von partizipativen Evaluationen gibt und womit dies zusammenhängen kann, wurde hingegen bislang nicht erforscht. Diese Frage untersuchte Dr. Benjamin Froncek im Rahmen seines Promotionsprojekts am Lehrgebiet Community Psychology.

Die Ergebnisse der durchgeführten Experimente zeigen: Partizipation in Evaluation kann auch als unfair und frustrierend wahrgenommen werden, beispielsweise wenn Mitarbeitende erst mitwirken können, ihre Beiträge dann aber nicht hinreichend berücksichtigt werden. Das hat zur Folge, dass sich die Einstellung gegenüber der Evaluation und ihren Ergebnissen verschlechtert. Außerdem verringert sich dadurch die Absicht der Mitarbeitenden, diese Ergebnisse zu nutzen – sogar deutlicher als bei Personen, die gar nicht erst beteiligt wurden.

Für die Praxis bedeutet das, dass Chancen und Grenzen von partizipativen Evaluationen möglichst transparent sein sollten, damit sie nicht als unfair erlebt werden. Außerdem sollte das Ausmaß an Partizipation zuvor gut begründet und durchdacht sein, damit Partizipation nicht zum Selbstzweck verkommt.


Dr. Benjamin Froncek

Lehrgebiet Community Psychology

E-Mail: benjamin.froncek

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Fakultät Psychologie | 04.06.2019