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Negative Stereotype beeinträchtigen die akademischen Leistungen von türkischstämmigen Jugendlichen

[14.11.2018]

Negative Stereotype über die akademische Leistungsfähigkeit von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind in Deutschland weit verbreitet. Ein aktueller Forschungsartikel aus dem Lehrgebiet Sozialpsychologie zeigt, dass sie sich für türkischstämmige Jugendliche leistungsreduzierend auswirken können.


Foto: FatCamera/E+/Getty Images

Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind weniger erfolgreich im deutschen Bildungssystem als Deutsche und Menschen anderer Herkunft. In einer im European Educational Research Journal erschienenen Publikation untersuchte Laura Froehlich in Kooperation mit Sog Yee Mok (Universität Zürich), Sarah Martiny (UiT The Arctic University of Norway) und Kay Deaux (New York University) negative Stereotype als eine Erklärung für diese Bildungsungleichheiten.

Die Publikation fasst die Ergebnisse von sechs Studien mit türkischstämmigen und deutschen Jugendlichen an weiterführenden Schulen zusammen. Werden türkischstämmige Jugendliche vor einem Leistungstest an ihre mit negativen Stereotypen verbundene Gruppenmitgliedschaft erinnert, so zeigen sie in der Folge schlechtere Leistungen als wenn sie nicht daran erinnert werden („Bedrohung durch Stereotype“). Dieser Effekt zeigte sich besonders stark für türkischstämmige Jugendliche, denen Beziehungen zu Mitgliedern ihrer kulturellen Gruppe besonders wichtig sind, und die ihre Intelligenz eher für angeboren und unveränderbar halten. Ein Teil der Bildungsungleichheiten in Deutschland ist somit auf negative Stereotype zurückzuführen und nicht auf Fähigkeitsunterschiede zwischen ethnischen Gruppen. Basierend auf diesen Ergebnissen sollten in zukünftigen Interventionen Testsituationen so gestaltet werden, dass negative Stereotype keinen Einfluss auf die Leistungen der Jugendlichen ausüben können.

Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.


Dr. Laura Froehlich

Lehrgebiet Sozialpsychologie

E-Mail: laura.froehlich

Telefon: +49 2331 987-2984

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Oliver Baentsch | 06.03.2019