Was macht eigentlich die Fachstudienberatung?

Viktoria Kempf im Interview

Die ReWi-Fachstudienberatung bietet unter anderem Studienverlaufsplanung, juristische Lernberatung, Individuelle Examensvorbereitung, Beratung zur Bachelor- und Masterarbeit und Berufsorientierung. Viktoria Kempf ist Fachstudienberaterin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität in Hagen. Sie steht den Studierenden bei allen fachbezogenen Fragen zur Verfügung.

Foto: FernUniversität

Frau Kempf, wie wird man überhaupt Fachstudienberaterin?

Viktoria Kempf: Das ist kein klassischer Beruf, wie man ihn als Kind in ein Freundebuch schreiben würde. Bei mir hat sich der Berufswunsch erst im Laufe der Zeit entwickelt. Bevor ich zur FernUniversität in Hagen gekommen bin, habe ich an der Universität zu Köln gearbeitet und war dort im Kompetenzzentrum für juristisches Lernen und Lehren tätig, also im didaktischen Bereich. Und auch davor, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster, habe ich festgestellt, dass mir der Kontakt zu den Studierenden sehr viel Freude macht. Als ausgebildete Volljuristin war es unter dieser Voraussetzung dann ein logischer Schritt für mich, in die Fachstudienberatung zu gehen, um bei fachspezifischen Anliegen zu helfen.

Was sind Ihre Aufgaben in der Fachstudienberatung?

Als Fachstudienberaterin bin ich vor allem in Kontakt mit den Studierenden, habe feste Sprechzeiten, in denen man einfach anrufen und Fragen stellen kann. Im letzten Semester hatten wir auch eine offene Online-Sprechstunde, die rege genutzt wurde. In der Online-Sprechstunde steht der Austausch untereinander im Mittelpunkt. Das Besondere daran: Die Studierenden profitieren in einem kleinen Kreis und in einem geschützten Meeting-Raum von den Fragen ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen. Dadurch beantwortet sich vieles von selbst. Aber ich stehe den Studierenden natürlich auch zur Seite, besonders wenn es mal hakt im Studium. Ein ganz klassischer Fall ist die Examensvorbereitung. Der Lernstoff wächst einem dann schon mal über den Kopf. Damit das möglichst gar nicht erst passiert, biete ich auch regelmäßig einen ReWi-CheckUp an. Aber insgesamt kann man sagen, dass bei mir vor allem fachlich individuelle Fragen zu allen Studiengängen auflaufen, die die Rechtswissenschaftliche Fakultät der FernUni anbietet.

Der ReWi-CheckUp ist ein spezielles Angebot innerhalb der Fachstudienberatung. An wen richten Sie sich damit in erster Linie?

Der ReWi-CheckUp ist dazu da, um den eigenen Studienfortschritt zu reflektieren. Man könnte auch sagen: rechts ranfahren, Handbremse ziehen und gucken, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Gerade auf dem Weg zum Bachelor – das sind zehn Semester im Teilzeitstudium –, können sich Prioritäten schon mal verschieben und es passiert auch gelegentlich, die Spur aus den Augen zu verlieren. Das ist ganz normal. Dann erarbeite ich zusammen mit den Studierenden individuelle Lösungen, die ihnen zu einem erfolgreichen Studium verhelfen. Motivationslöcher kann ich natürlich gut nachvollziehen, denn Erfahrungen damit habe ich in meinem eigenen Studium schließlich auch gemacht.

Foto: FernUniversität
Viktoria Kempf mit Studentin in der offenen Online-Sprechstunde

Wie sehen denn die Lösungen aus, die Sie mit den Studierenden erarbeiten?

Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Wenn ich eines in meinem Job gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis, dass die wenigsten Lösungen für alle gleichermaßen passen. An der FernUni verstärkt sich dieser Effekt, weil unsere Studierendenschaft so vielfältig ist. Aber was für fast alle Studierenden gilt: Die wenigsten kommen sehr frühzeitig in die Beratung, einige erst nach zwei gescheiterten Prüfungsversuchen. Dann ist der Druck natürlich besonders hoch, weil es beim nächsten Mal klappen muss. Wer sich schon nach der ersten nicht bestandenen Prüfung meldet, kann genau analysieren, woran es gelegen hat. Und dabei gilt, lieber einmal früher oder einmal mehr zur Beratung zu gehen als zu spät.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen als Fachstudienberaterin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät?

Für mich ist es immer eine Herausforderung, herauszuarbeiten, worum es bei einem Anliegen genau geht. Es ist nicht immer so offensichtlich wie eine nicht bestandene Prüfung. Manche Studierende wollen auch nur mal mit jemandem über ihr Fernstudium reden oder benötigen einen Motivationsschub. Und manchmal ist viel Einfühlungsvermögen erforderlich, um eine tieferliegende Problematik herauszuarbeiten, die hinter der eigentlichen Frage liegt, mit der die Studierenden in die Beratung gekommen sind.

Was mögen Sie an Ihrem Job besonders gern?

Wenn ich merke, dass jemand nach unserem Gespräch eine gute Erkenntnis für sich gewonnen hat, dann freut mich das sehr. Es ist ein richtig schöner Effekt, wenn ich merke, dass meine Beratung etwas gebracht hat, oder jemand ein Anliegen hatte, das sich durch unser Gespräch geklärt hat. Aber ehrlicherweise genieße ist es auch, in meiner Funktion keine schlechten Nachrichten verkünden zu müssen, über Fristen, die nicht eingehalten wurden oder über Prüfungen, die nicht bestanden sind. Im besten Fall habe ich frühzeitig geholfen, damit es erst gar nicht zu schlechten Nachrichten kommt.