Straßennamen, Zeitungsartikel, 1991

Gotha hat neue Straßennamen

Die Stadtverordnetenversammlung legte sich endgültig fest

Auf der 11. Tagung der Gothaer Stadtverordnetenversammlung beschlossen die Volksvertreter nun endgültig die Umbenennung verschiedener Straßen unserer Stadt:

Die Alfred-Kühr-Straße wird zur Franckestraße. Francke war der Begründer der Stiftungen in Halle und wohnt in der Querstraße. Die Arthur-Becker-Straße wird Benda-Straße heißen. Benda war Komponist und Hofkapellmeister in Gotha. Die Dr.-Hans-Loch-Straße behält zwischen Waltershäuser Straße und Brunnenstraße ihren Namen, wird aber zwischen Reinhardsbrunner Straße und Waltershäuser Straße ihren Namen Ernststraße tragen. Die bisherige Erich-Weinert-Straße erhält den Namen Böhnerstraße. Ludwig Böhner war Komponist und wohnte zuletzt in Gotha. Die Friedrich-Engels-Straße bekommt ihren alten Namen Helenenstraße zurück. Die Fritz-Heilmann-Straße wird wieder den alten Namen Liebetraustraße führen, benannt nach dem ehemaligen Oberbürgermeister Gothas, Otto Liebetrau. Von der Kreuzung Otto-Grotewohl-Straße/Jugendklub „Zelle“ erhält die Gagarinstraße den Namen des Gothaer Pfarrers Werner Sylten, der in der Zeit des Faschismus einer der Mitbegründer der Bekennenden Kirche Thüringens war. Die Hans-Beimler-Straße erhält den Namen Stölzelstraße. Stölzel war Komponist und Hofkapellmeister in Gotha. Aus der Hermann- Duncker-Straße wird die Salzgitterstraße zu Ehren der Partnerstadt Gothas. Die Humboldtstraße 57 bis 103 (die Straße am sogenannten „Grünen Ungeheuer“) heißt künftig von-Hoff-Straße, nach dem berühmten Gothaer Geologen. Die Josef-Ries-Straße heißt wieder Hünersdorfstraße nach dem früheren Oberbürgermeister Gothas, Carl Heinrich Hünersdorf. Die Karl-Marx-Straße wird wieder zur Friedrichstraße benannt (nach dem Gothaer Herzog Friedrich III). Der Leninplatz zählt mit zum Ekhofplatz. Die Otto-Grotewohl-Straße heißt von-Zach-Straße nach dem Erbauer der Seebergsternwarte. Die Otto-Heller-Straße wird zur Galettistraße, die Philipp-Müller-Straße zum Hohen Sand und die Straße der Jugend soll Kohlstockstraße heißen. Damit erhält der Gothaer Schuldirektor und Heimatforscher Karl Kohlstock eine längst verdiente Ehrung. Die Straße der Pariser Kommune erhält auch ihren alten Namen Cosmarstraße zurück. Julius Cosmar war ein Wohltäter der Stadt Gotha, er hinterließ der Stadt ein bedeutendes Legat. Die Thälmannstraße wird wieder zur Dorotheenstraße, benannt nach der Herzogin Luise Dorothee, einer Freundin Voltairs, Rousseaus und des Preußischen Königs Friedrich des Großen. Die Komarowstraße bekommt den Namen des Gothaer Schuldirektors Rohrbach. Carl Rohrbach war auch der Erbauer der Sternwarte am Galberg. Der Wilhelm-Pieck-Platz in Gothas Neubaugebiet wird Coburger Platz heißen, um die langjährigen Beziehungen zwischen beiden Städten zu würdigen. Die verlängerte Lenaustraße erhält den Namen An der Synagoge, da sich dort bis zur sogenannten Reichskristallnacht der jüdische Tempel Gothas befand. Der Thomas-Müntzer-Platz, der Platz am Denkmal Ernsts des Frommen, soll ohne Namen geführt werden, da er sich auf keine Adresse bezieht.

Alle Eintragungen in die Personalausweise der betreffenden Anwohner sind kostenlos, beschloß die Stadtverordnetenversammlung.

Quelle: Thüringer Landeszeitung vom 23.03.1991