Regionalzentrum Bonn

Veranstaltung

Präsenzveranstaltung: "Jungtürken, Mustafa Kemal Atatürk und der Übergang vom Osmanischen Reich zur Türkischen Republik"

Für BA KuWi: Modul G4; MA EuMo: Modul 6G; MA GeEu: Modul II; Modul IV; offen für alle Geschichtsstudierenden

Termin(e) Uhrzeit Leitung Ort/Raum
Fr, 08.02.2019 09:00 - 18:00 Prof. Dr. Jürgen G. Nagel, Stefan Omlor Regionalzentrum Bonn
Sa, 09.02.2019 09:00 - 18:00 Prof. Dr. Jürgen G. Nagel, Stefan Omlor Regionalzentrum Bonn

Ausführliche Informationen und Anmeldung zur Veranstaltung direkt beim Lehrgebiet/Lehrstuhl Geschichte Europas in der Welt

Das Seminar beleuchtet die Periode des Endes des Osmanischen Reiches und der Gründung der Türkei in einem weiteren Kontext. Hierzu setzt es bei den durch die Reformen des Tanzimat eingeleiteten Transformationsprozess an und nimmt davon ausgehend die Entstehung neuer Eliten in den städtischen Zentren in den Blick, darunter den Jungtürken, die zu Trägern der Ideen einer weiteren Umgestaltung wurden. 1908 übernahmen die Jungtürken in einer Rebellion die Macht und zwangen Sultan Abdülhamid II. zur Wiedereinsetzung der konstitutionellen Verfassung von 1876. Der offene Nationalismus der Jungtürken führte dazu, dass sich in anderen Teilen des osmanischen Vielvölkerstaates nationale Bewegungen etablierten, die zu nachhaltigen Ressentiments gegenüber der osmanische Zentrale in Istanbul führten und Unabhängigkeitsbewegungen förderten. Parallel dazu versuchten die Jungtürken, sich an der europäischen Kultur zu orientieren; es entstand eine Presselandschaft, es kam zu Neuerungen im Bereich der Literatur und der bildenden Künste.

Die nach 1908 folgenden außenpolitischen Krisen, ausgelöst durch die nationalistischen Strömungen auf dem Balkan und die Balkankriege, machten die Hoffnungen auf Liberalisierung und innerer Friede zunichte und führte zu einer verstärkten Migration der Türken aus den vormaligen Balkanprovinzen nach Anatolien. Das Osmanische Reich, das als Verbündeter der Achsenmächte in den ersten Weltkrieg eintrat, kapitulierte am 30. Oktober 1918. Während des Krieges, in der Schlacht von Gallipoli, stellte Mustafa Kemal (später erhielt er den Beinamen Atatürk) seine Führungsqualitäten unter Beweis. Als das Osmanische Reich nach dem Kriegsende zerfiel und die Siegermächte weite Teile Anatoliens besetzen, formierte Mustafa Kemal den nationalen Widerstand gegen die Besatzer; die Jungtürken schlossen sich ihm, der in Ankara ein neues Parlament einberief, an. Am 24. Juli 1923 unterzeichneten die Siegermächte des ersten Weltkrieges und die neue türkische Nationalregierung unter Mustafa Kemal von Vertrag Lausanne und erkannten damit die neugegründete türkische Republik an.

Neben den staatspolitisch relevanten (Verfassungs-)Änderungen kommen dabei die Machtpositionen und Einflussnahmen der europäischen Großmächte, die unterschiedliche Elitenbildung und Annäherung an die europäische Kultur bis hin zur Ausrichtung der türkischen Republik am Schweizer Zivilrecht zur Sprache. Dabei sind auch die gesellschaftlichen Gegebenheiten der „Muslime und Nicht-Muslime“ einzubeziehen, der im Kemalismus einen Abschluss findet.

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