Aktuelles Programm

Die Vorlesungen richten sich an eine breite regionale Öffentlichkeit, die an aktuellen soziologischen Forschungsergebnissen interessiert ist. Die Vortragenden aus Hagen und dem ganzen Bundesgebiet referieren in allgemeinverständlicher Form zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa.

Die Teilnahme an den Vorlesungen und Seminaren der BürgerUniversität Coesfeld ist kostenfrei. Eine Anmeldung für die Vorlesungen ist nicht erforderlich

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld

Flyer BürgerUniversität Coesfeld Wintersemester 2019/2020 (PDF 772 KB)


Veranstaltungen im Wintersemester 2019/20

 

9. Oktober 2019, 19 Uhr

20191009Foto: © fhm/Moment/Getty Images

Prof. Thomas Feltes​

Die „German Angst“: Woher kommt sie, wohin führt sie?
Warum wir Deutsche uns so unsicher fühlen, obwohl wir in einem der sichersten Länder auf der Welt leben

Vorlesung

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Innere Sicherheit wird zunehmend als „gefühlte Sicherheit“ gehandelt. Angst vor Straftaten erscheint wichtiger als das „tatsächliche Opfer zu werden“. Im Ausland wird „German Angst“ als typisch deutscher Charakterzug verstanden, als „Deutsche Krankheit“.

Dabei haben weder die statistische Entwicklung der Kriminalität noch die eigenen Erfahrungen Einfluss auf diese Angst, die eher allgemeine gesellschaftliche Ängste und Verunsicherungen widerspiegelt, die wiederum hervorgerufen werden durch Marginalisierungen, zunehmenden ökonomischen Druck sowie eine generelle Zukunftsangst. Diese Ängste fokussieren sich auf Kriminalität und stellen eine Gefahr für unsere Demokratie dar, müssen aber von der „Verbrechensfurcht“ gelöst werden. Durch Transformationsprozesse und Umbrüche in der modernen Gesellschaft entsteht eine undurchsichtige, negative Gefühlswelt, diffuse Existenz- und Abstiegsängste überlagern sich und entwickeln sich zu einem unbestimmten Bedrohungsgefühl. Diese „wabernde Angst“, dieses „Treibsand-Gefühl“ durchzieht unseren Alltag und legt sich wie ein Nebelschleier über unsere Wahrnehmungen.

Prof. Dr. Thomas Feltes ist Jurist und Sozialwissenschaftler und seit 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1992 bis 2002 war er Rektor der Hochschule der Polizei in Baden-Württemberg. Feltes ist als internationaler Experte seit mehr als 30 Jahren für UN, EU, Europarat, Interpol, FBI, OSZE u.a. tätig. Seit Januar 2018 ist er beim Europarat der deutsche Vertreter im Europäischen Komitee zur Verhütung von Folter. Feltes beschäftigt sich seit 40 Jahren intensiv mit dem Thema objektiver und subjektiver Sicherheit und Gewalt. 2016 hat er das Opferwerden und die Verbrechensfurcht der Bochumer Bürger untersucht.

 

13. November 2019, 19 Uhr

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Dr. Thomas Loer​

Die wunderbare Unzerreißbarkeit der Gesellschaft
Unscheinbare Erscheinungen des Alltags und ihre soziologische Deutung

Vorlesung

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Der Titel zitiert eine Formulierung des bedeutenden Soziologen und Sozialphilosophen Georg Simmel. In dem Zusammenhang heißt es bei ihm:

„Daß die Menschen sich gegenseitig anblicken, und daß sie aufeinander eifersüchtig sind; daß sie sich Briefe schreiben oder miteinander zu Mittag essen; daß sie sich, ganz jenseits aller greifbaren Interessen, sympathisch oder antipathisch berühren; […] daß einer den andern nach dem Wege fragt und daß sie sich füreinander anziehn und schmücken – all die tausend, von Person zu Person spielenden, momentanen oder dauernden, bewußten oder unbewußten, vorüberfliegenden oder folgenreichen Beziehungen, aus denen diese Beispiele ganz zufällig gewählt sind, knüpfen uns unaufhörlich zusammen.“ Diese unscheinbaren Erscheinungen des Alltags verweisen auf mehr als bloße und – wie Simmel zeigt: nützliche – Gewohnheiten, die womöglich psychologisch zu erklären sind. In ihnen kommt vielmehr zum Ausdruck, was uns als Menschen ausmacht. Im Vortrag wird dies aus soziologischer Perspektive anschaulich und verständlich gemacht.“

Dr. Thomas Loer, habilitierter Soziologe, ist Gastdozent an der Privaten Universität Witten/Herdecke, Lehrbeauftragter an der International Psychoanalytic University Berlin und freiberuflich tätig (Praxis für klinische Soziologie – Analyse und Beratung). Seine Forschungsschwerpunkte sind: Reziprozität als Grundbegriff der Kultur- und Sozialwissenschaften, Methodologie und Methode der Objektiven Hermeneutik.

 

11. Dezember 2019, 19 Uhr

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Dr. Michael Jakob

Klimapolitik
Ziele, Konflikte, Lösungen

Vorlesung

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Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute in vielen Teilen der Welt deutlich spürbar. Ein ungebremster Anstieg der globalen Mitteltemperatur würde die Lebensgrundlage vieler Menschen gefährden. Um dies zu vermeiden ist eine rasche Absenkung der globalen Treibhausgasemissionen notwendig.

Dieser Vortrag bietet eine kompakte Übersicht über die Gründe für den Anstieg dieser Emissionen und illustriert, welche Entwicklungen ohne zusätzliche politische Maßnahmen in der Zukunft zu erwarten sind. Ebenso werden Wege diskutiert, um die Ziele der internationalen Staatengemeinschaft erreichen zu können (beispielsweise den Ausbau erneuerbarer Energien oder effizientere Energienutzung). Besondere Aufmerksamkeit erhalten politische Aspekte – von der internationalen Klimadiplomatie über die Klimapolitik der EU bis zu aktuellen Entwicklungen in Deutschland, wie der sogenannten „Kohlekommission“ und dem geplanten Klimaschutzgesetz.

Dr. Michael Jakob hat Physik, Volkswirtschaft und Internationale Beziehungen studiert und in seiner Doktorarbeit die Auswirkungen von Globalisierung und Wirtschaftswachstum auf das Klima untersucht. Seit 2013 forscht er in Berlin zu Fragen der Klimapolitik in Schwellen- und Entwicklungsländern am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), das sich mit der nachhaltigen Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter befasst.

 

22. Januar 2020, 18 Uhr

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Prof. Dr. Metin Tolan

Geschüttelt, nicht gerührt: James Bond im Visier der Physik

Vorlesung

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Wie funktioniert die Röntgenbrille, mit der James Bond sehen kann, ob die Dame am Roulettetisch eine Pistole im Strumpfband trägt? Kann man wirklich einem abstürzenden Flugzeug hinterherspringen und im Weltraum eine gigantische Laserwaffe installieren? Deutschlands „verwegenster“ Physikprofessor Metin Tolan analysiert die Stunts und Gadgets der 007-Filme und beantwortet sogar die Frage aller Fragen: Warum trinkt Bond seinen Wodka-Martini geschüttelt, nicht gerührt?

Prof. Metin Tolan, 1965 geboren, ist nach Stationen in den USA und Kiel seit 2001 Professor für Experimentelle Physik an der Technischen Universität Dortmund. Neben der wissenschaftlichen Arbeit widmet er sich der humoristisch-physikalischen Betrachtung von Fußball, Film und Fernsehen. 2013 erhielt er für seine vielfältige und besonders originelle Vermittlung physikalischer Fragestellungen und Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit und den Medien den „Communicator-Preis“. 2017 verlieh die Deutsche Physikalische Gesellschaft Metin Tolan den Robert-Wichard-Pohl-Preis.

Diese Veranstaltung beginnt ausnahmsweise bereits um 18.00 Uhr.

 

5. Februar 2020, 19 Uhr

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Annemaria Köhler, M.A.

Was hat Theater in der Psychiatrie verloren?

Vorlesung

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Seit der Antike wird dem Theater mit dem Begriff „Katharsis“ eine Wirkung auf das psychische Befinden zugeschrieben: Im Betrachten eines tragischen Stückes können Gefühle ausgelöst und durchlebt werden, sodass sich die Zuschauenden danach geläutert oder gereinigt fühlen. An diese und ähnliche Überlegungen zur Wirkung von Theater wurde seit dem 20. Jahrhundert vermehrt angeknüpft, was dazu führte, dass Theaterspielen in pädagogischen oder therapeutischen Bereichen zum Einsatz kam. Doch obwohl das Theaterspielen einen solch hohen Einfluss auf den Gemütszustand zu haben scheint, gehört es bis heute nicht zu den selbstverständlichen und gängigen Behandlungsmethoden in Psychiatrien.

Im Vortrag von Annemaria Köhler werden Ergebnisse ihres Forschungsprojektes vorgestellt. Es wird insbesondere um die Frage gehen: Wie kam es dazu, dass Theater in psychiatrische Einrichtungen aufgenommen wurde und wie wird Theatertherapie konkret gestaltet? Um diese Frage zu beantworten, werden zwei Einrichtungen vorgestellt, die Theater in ihre Behandlung aufgenommen haben. Die Referentin wird zeigen und erläutern, dass Theatertherapien in beiden Psychiatrien ganz unterschiedlich durchgeführt werden. Und trotz der Unterschiede ist ihnen etwas gemeinsam: Sie verstehen das Theater als eine einzigartige Möglichkeit, soziales Miteinander zu vollziehen.

Annemaria Köhler ist seit 2015 Doktorandin der Ernsting’s family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften der FernUniversität in Hagen. An diesem Arbeitsbereich war sie nach ihrem Studium in Jena als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Klinische Soziologie, Fallrekonstruktive Forschung, Familiensoziologie und Identitätstheorie.

 

21. März 2020, 10 - 14 Uhr

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Julia Gosert, M.A.

Israel und der „Orient“. Eine Hassliebe?
Verschiedene Perspektiven auf das arabisch-jüdische Verhältnis

Seminar

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Der Zionismus strebt nach einem jüdischen Staat, der eine Einheit von Nation, Volk, Kultur, Sprache und Territorium darstellt. Damit folgt er seinem europäischen Vorbild.

Vertreterinnen und Vertreter einer multikulturellen Denkschule in Israel verurteilen diese vereinheitlichenden Bestrebungen und setzen sich für kulturelle Vielfalt ein. Genauso wenden sie sich gegen das gängige Bild des „rückständigen Orients“ und gegen die Diskriminierung der Palästinenserinnen und Palästinenser sowie der arabischstämmigen Israelis. In ihrer Kritik vergleichen sie die zionistische Betrachtungs- und Behandlungsweise mit der einstigen Haltung der Kolonialmacht Europa gegenüber dem sogenannten „Orient“.

Im Rahmen des Seminars wird der „innere Kolonialismus“ Israels beleuchtet. Der Fokus liegt auf Konflikten innerhalb der israelischen Gesellschaft sowie auf zwei Lösungsvorschlägen. Mithilfe praktischer Gruppenarbeiten wollen wir gemeinsam tiefer in die Thematik einsteigen.

Julia Gosert hat an der Ruhr-Universität Bochum Sozialwissenschaft studiert. Sie arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der FernUniversität in Hagen im Arbeitsbereich der Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Kulturanthropologie, Qualitative Methoden der Sozialforschung und Rekonstruktive Sozialforschung.

Hinweis: Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 13. März 2020 im Regionalzentrum Coesfeld der FernUniversität erforderlich.

 

Veranstaltungen im Sommersemester 2020

 

1. April 2020, 19 Uhr

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Dr. Markus Tausendpfund

Politisches Wissen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland

Vorlesung

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Seit der Aufklärung gilt politisches Wissen als Voraussetzung für die Mündigkeit der Bürger. Nicht selten wird das Bild vom demokratischen Bürger als „homo politicus“ gezeichnet, der politisch kenntnisreich und bestens informiert ist und seine geordneten politischen Interessen selbstbewusst vertritt. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel daran, dass die Bürgerinnen und Bürger das normative Idealbild kenntnisreicher, rationaler Demokraten erfüllen.

Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) 2018 bietet die Möglichkeit, die aktuelle Verteilung des politischen Wissens in Deutschland zu beschreiben und seine relevanten Erklärungsfaktoren zu identifizieren. Zudem werden die Konsequenzen des (zu geringen) politischen Wissens für ausgewählte Einstellungen und Verhaltensweisen analysiert.

Dr. Markus Tausendpfund ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen und verantwortet die Arbeitsstelle Quantitative Methoden. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Einstellungs- und Verhaltensforschung auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene.

 

13. Mai 2020, 19 Uhr

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Prof. Dr. Jürgen Straub

Erzähle und erkenne Dich selbst!
Möglichkeiten und Grenzen lebensgeschichtlicher Erinnerung

Vorlesung

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Alle Menschen können erzählen! Es gehört zu den anthropologischen Universalien, dass Menschen sich und ihre Welt in Geschichten zu vergegenwärtigen vermögen. Dabei erfüllt das (autobiographische) Erzählen nicht nur eine ganze Reihe von soziokulturellen und psychosozialen, kommunikativen Funktionen. Im lebensgeschichtlichen Erzählen versuchen wir nicht allein, uns den Anderen mitzuteilen und dabei ein möglichst triftiges – vielleicht allzu schmeichelhaftes – Bild unseres Selbst zu vermitteln. Wir ringen dabei womöglich auch um Selbsterkenntnis. Das ist ein anspruchsvolles, lohnenswertes Projekt!

Ohne aufrichtige Selbst-Erzählungen sind Einsichten ins eigene Leben und Selbst nicht zu haben. Aber keine autobiographische Geschichte kann alles im gelebten Leben erfassen. Selbsterkenntnisse sind obendrein niemals rein und allein, sondern sind verbunden mit Selbsttäuschungen. Wir sind uns immer auch entzogen und bleiben uns ein Stück weit undurchsichtig und undurchschaubar, wie lange und wie ausführlich wir auch erzählen mögen.

Der Vortrag handelt von Selbsterkenntnissen und ihren Grenzen sowie von Selbsttäuschungen. Dabei macht er die Zuhörerschaft mit einem interdisziplinären Gebiet bekannt, in dem sich die Philosophie und verschiedene Wissenschaften ein Stelldichein geben.

Jürgen Straub, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych., Jahrgang 1958, ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Sozialtheorie und Sozialpsychologie der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2015 ist er Kodirektor (mit Pradeep Chakkarath) des Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie (KKC). Er ist Mitglied im Think Tank des Exzellenzclusters TOPOI an der Humboldt Universität Berlin und assoziiertes Mitglied im Freiburger DFG-Graduiertenkolleg „Faktuales und fiktionales Erzählen“.

2015 erhielt er den Ernst-Eduard-Boesch-Preis für Kulturpsychologie der Gesellschaft für Kulturpsychologie in Salzburg, 2017 den Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz der Universität Vechta.

 

3. Juni 2020, 19 Uhr

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Prof. Dr. André Schmidt

Die Folgen der Niedrigzinspolitik – Rettet der Sparer die Währungsunion?

Vorlesung

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Seit 2010 befindet sich die Eurozone im Krisenmodus. Entgegen den allgemeinen Erwartungen hat die gemeinsame Währung nicht zu einer stärkeren Annäherung der Volkswirtschaften geführt, sondern sie hat die makroökonomischen und institutionellen Divergenzen zwischen ihnen massiv erhöht, was sich an der Schulden- und Bankenkrise zeigte. Bis heute hat die Politik auf diese Herausforderung noch keine geeignete Antwort gefunden. Die europäische Währungsunion bleibt eine Dauerbaustelle. Der Europäischen Zentralbank (EZB) verblieb als einzige Institution die undankbare Aufgabe, mittels unkonventioneller Geldpolitik die Währungsunion – die kurz vor dem Zusammenbruch stand – zusammenzuhalten. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Noch immer garantiert die EZB mittels Negativzinsen die Zahlungsfähigkeit einiger Mitgliedstaaten und deren maroder Banken. Allerdings ist fraglich, wie lange diese Politik noch nachhaltig den Fortbestand der Währungsunion sichern kann, da die negativen Folgen dieser Politik nun mehr und mehr offen zu Tage treten. Die Niedrigzinsen gefährden die Geschäftsmodelle der Geschäftsbanken, enteignen Sparer und lassen eine risikofreie Altersvorsorge unmöglich werden. Im Rahmen des Vortrags sollen die Ursachen der Dauerkrise in der Währungsunion genauer untersucht und die Fragen nach den zukünftigen Perspektiven erörtert werden.

Prof. Dr. André Schmidt wurde 1967 in Erfurt geboren. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim und seiner Promotion habilitierte er sich an der Georg-August-Universität in Göttingen. Nach Vertretungsprofessuren an der Ruhr-Universität in Bochum und an der Universität in Kassel wurde er auf den Lehrstuhl für Internationale Wirtschaftspolitik an die EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel berufen. Im Jahr 2008 nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Makroökonomie und Internationale Wirtschaft an die Universität Witten/Herdecke an. Darüber hinaus bekleidet er eine außerordentliche Professur für Economics an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht sowie Gastprofessuren an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und an der Aldo-Moro-Universität in Bari. Seine Forschungsgebiete umfassen vor allem internationale Wirtschaftspolitik und die ökonomischen Aspekte der europäischen Integration.

 

17. Juni 2020, 19 Uhr

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Jun.-Prof. Dr. phil. Dr. med. Orsolya Friedrich

Philosophisch-ethische Herausforderungen neuartiger Mensch-Maschine-Interaktionen

Vorlesung

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Mensch-Maschine-Interaktionen (MMI) gewinnen im Zuge der Digitalisierung und mit der Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz (KI) zunehmend an Bedeutung. In unserem Leben begegnen uns diese Neuro- und Self-Tracking-Technologien z. B. in Fitness-Apps und Schrittzählern oder sozialen Robotern, die mit Menschen interagieren. Diese Veränderungen in unserem Umfeld zu skizzieren, einige damit einhergehende Herausforderungen für uns Menschen sowie für die Gesellschaft zu benennen und philosophisch zu reflektieren, sind die Ziele dieses Vortrags. Dabei werden Technologien aus der Medizin – einem technologisch sich besonders schnell und innovativ entwickelnden Bereich der Gesellschaft – exemplarisch herangezogen.

Jun.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Orsolya Friedrich studierte Philosophie und Medizin. Seit 2019 ist sie als Juniorprofessorin für Medizinethik an der FernUniversität in Hagen tätig und erforscht im Rahmen einer Emmy Noether-Forschungsgruppe das Phänomen der Interaktion in Mensch-Maschine-Interaktionen.

 

5. September 2020, 10 - 14 Uhr

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Franziska Krüger, M.A.

Halb voll oder halb leer?
Wie wir unsere Welt wahrnehmen

Seminar

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Der Mensch steht in einem deutenden Verhältnis zur sozialen Wirklichkeit. Alles was er erlebt, beobachtet und beschreibt, ist Produkt seiner ganz eigenen Wahrnehmung. Wie unsere Wahrnehmung mit unserer Biografie – mit unserem Erleben und unseren Erfahrungen – zusammenhängt, soll Gegenstand des Seminars sein. Gemeinsam wollen wir uns damit auseinandersetzen, was es überhaupt bedeutet, wenn wir das, was wir beobachten oder selbst tun, deuten. Wieso erfüllt etwas für uns einen bestimmten Sinn? Wie kommt es, dass dasselbe von verschiedenen Personen unterschiedlich wahrgenommen wird und wie kann es gelingen, sich trotzdem darüber zu verständigen?

Ziel des Seminars ist es, anhand von Beispielen aus den Medien und empirischem Datenmaterial aus meiner Forschungsarbeit zu untersuchen, welche Rolle die eigene Biografie und gesellschaftliche Diskurse für unsere Wahrnehmung und unser Handeln spielen.

Franziska Krüger hat in Jena und Bielefeld Soziologie studiert. Derzeit promoviert sie am Promotionskolleg „Familie im Wandel. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung“ an der FernUniversität in Hagen, das durch Ernsting’s family finanziert ist. In ihrer Promotion untersucht sie die Bedeutung einer unterschiedlichen Herkunft für die Vereinbarkeitspraxis von ost-westdeutschen Elternpaaren. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen die Paar- und Familiensoziologie, die Biografie- sowie Fallrekonstruktive Forschung.

Hinweis: Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 21. August 2020 im Regionalzentrum Coesfeld der FernUniversität erforderlich.