Regionalzentrum Coesfeld

Veranstaltungen im Sommersemester 2019

BürgerUniversität Coesfeld und FernUniversität in Hagen im Gespräch: Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft

Die Vorlesungen richten sich an eine breite regionale Öffentlichkeit, die an aktuellen soziologischen Forschungsergebnissen interessiert ist. Die Vortragenden aus Hagen und dem ganzen Bundesgebiet referieren in allgemeinverständlicher Form zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa.

Die Teilnahme an den Vorlesungen und Seminaren der BürgerUniversität Coesfeld ist kostenfrei. Eine Anmeldung für die Vorlesungen ist nicht erforderlich.



10. April 2019, 19 Uhr

Jörg Armbruster​

Zweistaatenlösung tot?
Keine Lösung zwischen Israel und Palästina in Sicht

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Als vor nunmehr 50 Jahren die israelische Armee innerhalb von sechs Tagen neben dem ägyptischen Sinai auch den Gazastreifen und das Westjordanland einschließlich des bis dahin geteilten Jerusalems eroberte und besetzte, ahnte kaum jemand, dass dieser handstreichartige Sieg alle Beteiligten vor einen offensichtlich schier unlösbaren Konflikt stellen würde. Völkerrechtlich gilt das Westjordanland als besetzt und darf nicht dem israelischen Staatsgebiet einverleibt werden, auch wenn die massive Siedlungspolitik andere Fakten schafft, Israel den eroberten Ostteil von Jerusalem annektiert und die ganze Stadt zur Hauptstadt erklärt hat. Tatsächlich bestehen die Palästinenser auf einem eigenen Staat, so wie er ihnen in den Oslo-Verträgen der 1990er Jahre versprochen worden war.

In den besetzten Gebieten und dem Gaza-Streifen leben heute rund 4,5 Millionen Palästinenser, zu 70 Prozent Jugendliche unter 15 Jahren, die meisten arbeits- und perspektivlos. Außerdem fast 400.000 israelische Siedler in mehr als 130 Siedlungen, die sich mit der palästinensischen Mehrheit zum Beispiel um das knappe Wasser streiten.

Der Vortrag zeichnet die Entwicklung dieses Konfliktes auf israelischer wie auch auf palästinensischer Seite nach, beschreibt Lösungsversuche und versucht zu erklären, woran bislang die ursprünglich geplante Zwei-Staaten-Lösung gescheitert ist.

Jörg Armbruster war bis zum 31. Dezember 2012 langjähriger Nahostkorrespondent des ARD-Fernsehens für die arabische Welt. Obwohl Israel und Palästina nicht zu seinem Gebiet gehörten, hat er sich intensiv mit diesem Konflikt auseinandergesetzt. Für vier Jahre hat er auch als Moderator des Weltspiegels gearbeitet. Heute ist er als Autor von Büchern und für Zeitschriften tätig.


08. Mai 2019, 19 Uhr

Prof. Dr. Heike Ohlbrecht​

Zum Wandel und Zusammenhang von Arbeit und Gesundheit

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Die Arbeitswelt 4.0 und die Digitalisierung sind in aller Munde – vielfach jedoch mit ganz unterschiedlichem Fokus. Denn Arbeit ist ein janusköpfiges Phänomen und seit jeher mit für die jeweilige Gesellschaftsphase spezifischen Gesundheitsrisiken, Arbeitsbelastungen und -erkrankungen verbunden. Während Erwerbsarbeit einerseits Anerkennung und individuelle Freiheiten schafft und andererseits Abhängigkeiten und Entfremdungspotentiale birgt, verlangen die Tätigkeiten der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts insbesondere nach Eigeninitiative und Eigenverantwortung – bei steigender Komplexität der Arbeits- und Leistungsanforderungen. Hierin können sowohl Zumutungen als auch Versprechungen liegen. Und während sowohl psychische Erkrankungen als auch chronische Krankheitsverläufe zunehmen, fühlen sich die Menschen mit ihrer Arbeit heute so wohl wie selten zuvor.

Der Vortrag geht nach einem kurzen historischen Überblick über die verschiedenen Arbeitswelten der Frage nach, wie die derzeitige Gesundheit von Beschäftigten mit der zunehmenden Entgrenzung von Arbeit, Zeit und Raum zusammenhängt.

Prof. Dr. Heike Ohlbrecht lehrt seit 2013 Soziologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sie hat 2004 an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. 2010 war sie Dorothea-Erxleben-Professorin an der Universität Magdeburg. Seit 2013 leitet sie das DFG-Netzwerk „qualitative Gesundheitsforschung“. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Wandel der Arbeitswelt und die Auswirkungen auf die Gesundheit sowie Identität und Biografie in der Spätmoderne.


05. Juni 2019, 19 Uhr

Dr. Patrick Heiser, Dr. Christian Kurrat​​

Pilgern zwischen Biografie und Religion

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Das Pilgern auf den Jakobswegen hat in beeindruckender Weise an Popularität gewonnen: Im Jahr 2017 wurden erstmals mehr als 300.000 Pilgerinnen und Pilger in Santiago de Compostela registriert – und auch für die kommenden Jahre wird eine Steigerung der Pilgerzahlen von rund acht Prozent p.a. erwartet.

Viele Menschen pilgern in typischen Lebenssituationen, um unter außeralltäglichen Bedingungen sowie im Austausch mit anderen Pilgernden Krisen zu bewältigen, biografische Übergänge zu gestalten oder ihr Leben zu reflektieren oder zu bilanzieren. Von soziologischem Interesse ist insbesondere, dass Pilgernde auch in der späten Moderne auf eine religiöse Praxis zurückgreifen, die jedoch nur noch mittelbar von der katholischen Kirche beeinflusst wird.

In unserem Vortrag diskutieren wir anhand zahlreicher Beispiele zunächst typische biografische Konstellationen, die Menschen zu einer Pilgerschaft veranlassen. Hieraus leiten wir Überlegungen ab, wann religiöse Praktiken auch unter den Bedingungen der späten Moderne erfolgreich sind – und was dies für die gesellschaftliche Bedeutung von Religion insgesamt bedeutet.

Dr. Patrick Heiser ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FernUniversität in Hagen. Er forscht zum spätmodernen Wandel religiöser Sozialformen und Praktiken.

Dr. Christian Kurrat ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität in Hagen. Er forscht zum Pilgern und anderen Formen spätmoderner Biografiearbeit.


14. September 2019, 10 bis 14 Uhr

Max Kaufmann, M.A.

Romantische Liebe in der Gegenwartsgesellschaft

Seminar

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Im Kontext fortschreitender Modernisierungs- und Individualisierungsprozesse hat sich die romantische Liebe zu einem zentralen Bindungsmotiv moderner Partnerschaften entwickelt. Jemanden zu lieben ist weithin sowohl die grundlegende Voraussetzung für das Zustandekommen einer (Liebes-)Beziehung als auch die notwendige Bedingung für ihr weiteres Fortbestehen. Die Frage danach, wen wir lieben, aber auch wie wir lieben, kann als Ausdruck einer selbstbestimmten und individualisierten Lebensführung begriffen werden. Aus diesem romantischen Selbstverständnis erwachsen jedoch nicht ausschließlich neue Freiheiten, sondern auch neue Unsicherheiten.

Im Rahmen des Seminars wird das Phänomen der romantischen Liebe aus einer soziologischen Perspektive betrachtet. In gemeinsamer praktischer Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie romantische Liebe gegenwärtig beschrieben, erfahren und praktiziert wird.

Max Kaufmann hat in Würzburg und Dortmund Soziologie studiert. Er ist Mitarbeiter des Lehrgebiets „Organisationssoziologie und qualitative Methoden“ der FernUniversität in Hagen und im DFG-Projekt „Machen und Jagen? Praktiken der Personalauswahl in Organisationen“. Weitere Forschungsgebiete sind insbesondere die interpretative Organisationsforschung, die hermeneutische Wissenssoziologie und qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung.

Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 7. September 2019 im Regionalzentrum der FernUniversität in Hagen erforderlich: Regionalzentrum Coesfeld, Tel. 02541 7582 oder per Mail: regionalzentrum.coesfeld@fernuni-hagen.de


18. September 2019, 19 Uhr

Prof. Dr. Volker Ladenthin

Bildung – Familie – Schule

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Die gesellschaftlichen Erwartungen an Einrichtungen im Bildungswesen sind groß: Es scheint, als sollten Kindertageseinrichtungen und Schulen alle Probleme und Erziehungsaufgaben lösen, die im Alltag anlaufen. Welche Erwartungen gibt es – und welche können erfüllt werden?

Prof. Dr. Volker Ladenthin wurde 1953 in Münster/Westfalen geboren. Nach dem Studium der Germanistik, der Geschichte, der Philosophie und der Pädagogik legte er 1979 das Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Dem Referendariat von 1979 bis 1981 folgte die Zweite Staatsprüfung. 1986 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 1990 promovierte er zum Thema „Moderne Literatur und Bildung“, vier Jahre später folgte die Habilitation mit einer Arbeit zum Thema „Aspekte sprachkritischer Pädagogik“. Seit 1995 ist Ladenthin Professor für Allgemeine und historische Erziehungswissenschaft an die Universität Bonn.


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Martina Stöppel | 20.09.2019
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