Regionalzentrum Coesfeld

Veranstaltung

BürgerUniversität Coesfeld: Reformation als Konfliktgeschichte

Beobachtungen zum Reformationsjubiläum 2017

Termin(e) Uhrzeit Leitung Ort/Raum
Mi, 13.12.2017 19:00 - 20:30 Dr. Ulrike Jureit Regionalzentrum Coesfeld

Während sich in den kirchlichen wie staatlichen Deutungsangeboten zum Reformationsjubiläum 2017 die Tendenz erkennen lässt, die Reformation als Beginn oder doch zumindest als Vorläuferin der europäischen Moderne zu identifizieren – um sie aufgrund der damit aufgerufenen Entwicklungs- und Fortschrittslogiken sinnhaft zu unseren heutigen Lebensverhältnissen in Beziehung setzen zu können – kann eine solche Inanspruchnahme historiographisch nicht überzeugen. Die Reformation war im Kern zunächst ein theologischer und alsbald ein ekklesiologischer Konflikt. Er brachte vor allem deswegen so gravierende politische, gesellschaftliche und soziale Erschütterungen mit sich, weil das spätmittelalterliche Europa eben keine Trennung von geistlicher und weltlicher Macht kannte. Es handelte sich somit um Gesellschaften, die nicht in unserem heutigen Sinne funktional differenziert waren. Luthers vehemente Kritik am Ablasshandel, sein Kampf gegen klerikale und päpstliche Bevormundung, sein theologisches Freiheitsverständnis wie auch seine später so bezeichnete „Zwei-Reiche-Lehre“ stellte das mittelalterliche „Corpus Christianum“ zwar nicht intentional, in der Konsequenz jedoch radikal in Frage.

Dr. Ulrike Jureit: Historikerin, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, Forschungsschwerpunkt: Kultur und Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, u. a. Erinnerungskultur und Gedächtnistheorie, Historische Gewaltforschung, Staat und Territorium in der Moderne, Generationenforschung, Visual History

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