Veranstaltung

NS-Justizverbrechen zwischen Aufarbeitung und Kaltem Krieg – Beispiele „ungesühnter Nazijustiz“ in Karlsruhe und anderswo im Musterländle

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Online-Veranstaltung !!!

Termin(e) Leitung
Ort/Raum
Mi, 17.06.2020
18:00 - 20:00
Dr. Stephan A. Glienke
Online, Zugang ab 10 Minuten vor Veranstaltungsbeginn:
https://e.feu.de/gat

Vortrag von Dr. Stephan A. Glienke

Das „Dritte Reich“ hinterließ unsägliches menschliches Leid, eine zerstörte politische Kultur, Trümmerlandschaften und eine von jeglichen rechtsstaatlichen Grundsätzen entkleidete Justiz. 35.000 Todesurteile trugen maßgeblich zur Stabilisierung des Regimes bei. Nach dem Ende des NS-Staates finden sich die ehemaligen NS-Juristen bald wieder in den Justizverwaltungen und an den Gerichten von Bund und Ländern. Fast unbemerkt waren sie in den Justizdienst zurückgekehrt. Mit Fokus auf der südwestdeutschen Region geht der Vortrag den Spuren der Nazijustiz in der Nachkriegszeit nach. 1957 entdeckt die DDR-Propaganda „Hitlers Blutrichter“ für sich. In schöner Regelmäßigkeit erscheinen Propagandabroschüren, die in der Hochphase des Kalten Krieges noch leichthin als substanzlose Ostpropaganda abgetan werden. Doch bald interessiert sich die Nachkriegsgeneration für das Thema. Die Zahl der NS-Verfahren nimmt zu und die Frage kommt auf: Wer spricht hier eigentlich Recht? Studenten im gesamten Bundesgebiet richten Petitionen an den Deutschen Bundestag und an die Länderparlamente und fordern Aufklärung. Strafanzeigen gegen ehemalige NS-Richter wegen des Verdachts auf Rechtsbeugung zwingen Staatsanwaltschaften zum Handeln und in einer Wanderausstellung präsentieren Studenten Fotokopien der Protokolle von Sondergerichtsverfahren. Die Ausstellung beginnt im November 1959 in Karlsruhe und macht u.a. Station in Stuttgart, Tübingen, Freiburg und in vielen anderen Städten. Die Bundesrepublik hat eine ihrer ersten großen politischen Auseinandersetzungen um die Spätfolgen des Nationalsozialismus.

Stephan A. Glienke, geb. 1974, Zeithistoriker und Politikwissenschaftler, Studium an den Universitäten Hannover und Roskilde, Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Universität Hannover, Forschungstätigkeit am Centre for the Study of War, State and Society der Universität Exeter, Forschungstätigkeit für die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen im Auftrag des Präsidenten des Niedersächsischen Landtags, derzeit Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg, Arbeits- und Forschungsschwerpunkte in den Bereichen der Justizgeschichte, der rechtsstaatlichen Entwicklung in der Bundesrepublik, der Geschichte des Parlamentarismus und der Gruppenbiografien sowie zu Luftkrieg, zur Gesellschaft und Verwaltung im Krieg und zu Geschichtsbildern.

Für die Online-Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich. Der Zugang erfolgt ab 10 Minuten vor Veranstaltungsbeginn über o.g. Zugangslink. Leider können wir aus Lizenzgründen nur eine begrenzte Teilnehmerzahl online zulassen, eine ausschnittweise Aufzeichnung wird aber zeitnah – auch mit Möglichkeit zur nachträglichen Kommentierung oder Rückmeldung an den Referenten – auf der Veranstaltungsseite der „Gespräche am Tor“ ( https://e.feu.de/gespraeche ) veröffentlicht.

Technischer Hinweis:
Zur Teilnahme an der Online-Veranstaltung benötigen Sie mind. ein internetfähiges Endgerät mit Audio-Ausgang. Wir empfehlen die Verwendung eines Headset mit Mikrofon sowie einer Webcam (etwa für die Beteiligung am Austausch im Anschluss an den Vortrag). Vor dem Veranstaltungstermin führen Sie bitte die beiden folgenden Tests durch:
1. Kurzinstallation von Adobe Connect und Diagnosetest: https://connect.fernuni-hagen.de/common/help/de/support/meeting_test.htm .
2. Test der Audio- und Videoeinstellungen: https://connect.fernuni-hagen.de/technikcheck (die dortige Präsentation führt Schritt für Schritt durch die Einstellungsmöglichkeiten).

Weitere Informationen

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Werner Daum | 22.05.2020