Veranstaltung

Feindbild, Vorbild, Schlüssel – Zur Wahrnehmung des Christentums und seiner Funktion in geschichts- und soziopolitischen Diskursen im heutigen China

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Termin(e) Leitung
Ort/Raum
Mi, 15.09.2021
18:00 - 20:00
Dr. Dirk Kuhlmann
Seminarraum BASEL im
Regionalzentrum Karlsruhe der FernUniversität
Kriegsstr. 100 (2. OG)
76133 Karlsruhe

Vortrag von Dr. Dirk Kuhlmann

Bis heute wird das Christentum in der Volksrepublik China, auch in seinen offiziell anerkannten Formen, also der protestantischen und der katholischen Kirche, insbesondere unter den Aspekten „Identität“, „Zugehörigkeit“ sowie „Sinisierung“ und „Fremdheit“ betrachtet. Dies gilt sowohl für die Konstruktion historischer Narrative wie auch den allgemeinen politischen Diskurs. Mit seiner spezifischen Geschichte in China bietet sich das Christentum hierfür als „Fallbeispiel“ an: Als ursprünglich „ausländische Religion“ konnte es in China dennoch erfolgreich Wurzeln schlagen und einheimische Strukturen sowie Glaubensformen entwickeln.

Der Vortrag wird verschiedene Perspektiven zur Wahrnehmung des Christentums im China von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart vorstellen. Innerhalb dieses Zeitraums vollzog sich eine Differenzierung in der Deutung des Christentums von einem Feindbild anti-imperialistischer und anti-religiöser Bewegungen über einen positiven Faktor im westlichen Modernisierungsprozess hin zu einem Kristallisationspunkt für Reflexionen über kulturelle Identitäten und kulturellen Austausch. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt dabei auf geschichtswissenschaftlichen Debatten, die zudem im breiteren Kontext religionspolitischer Entwicklungen in der VR China betrachtet werden. In Erwartung der nach 2022 verschobenen 11. Vollversammlung des Weltkirchenrats in Karlsruhe möchte die Veranstaltung damit thematisch auf die globalen Aspekte von Kirche und Religion einstimmen.

Dirk Kuhlmann, geb. 1972, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lektor in der Redaktion des Instituts Monumenta Serica in Sankt Augustin bei Bonn. Er studierte Gegenwartsbezogene Sinologie, Klassisches Chinesisch und Geschichte an der Universität Trier und promovierte dort im Jahr 2011. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte Chinas in der späten Qing- und frühen Republikzeit, akademische Diskurse zur Geschichte des Christentums in China sowie Fragestellungen zu Identität und Alterität. Darüber hinaus beschäftigt er sich in jüngerer Zeit mit der Funktion von Mythen in der sinophonen Literatur indigener Autoren Taiwans. Er ist u.a. Autor des Buches: „Das Fremde im eigenen Lande“. Zur Historiographie des Christentums in China von Liang Qichao (1873–1929) bis Zhang Kaiyuan (geb. 1926), Sankt Augustin 2014 (= Monumenta Serica Monograph Series 65).

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Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Werner Daum | 09.10.2020