Regionalzentrum Karlsruhe

Veranstaltung

Die erste deutsche Studentenbewegung – Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft vor 200 Jahren

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Termin(e) Uhrzeit Leitung Ort/Raum
Mi, 17.10.2018 18:00 Prof. Dr. Peter Brandt Seminarraum BASEL

Ein Vortrag von Prof. Dr. Peter Brandt

Die studentischen Burschenschaften, die sich 1814/15 an den Universitäten der deutschen Staaten konstituierten und im Oktober 1818 zu einem Dachverband zusammenschlossen, waren Ausdruck einer Reformbewegung: Das landsmannschaftliche, von rüden Fecht- und Trinkritualen geprägte Gemeinschaftsleben sollte nach den bürgerlich-sittlichen Maßstäben der Zeit erneuert werden. Zugleich war diese erste deutsche Studentenbewegung von den sich seit der Französischen Revolution auch rechtsrheinisch ausbreitenden Gedanken persönlicher und politischer Freiheit, staatsbürgerlicher Gleichheit und Verfassungsstaatlichkeit ergriffen; diese verbanden sich im antinapoleonischen Befreiungskrieg 1813/14 engstens mit dem Ziel der nationalen Einheit. Die Burschenschaft verstand ihre lokalen Vereine und deren Dachverband als Modell des künftigen einheitlichen deutschen „Volksstaats“, und sie artikulierte – bis zu ihrem Verbot 1819 – zunehmend eine politische Opposition gegen die bestehende Ordnung. Die Allgemeine Burschenschaft, der vor dem Verbot über ein Drittel der deutschen Studenten angehörten, wurde eine wichtige Sozialisationsagentur des deutschen Bildungsbürgertums und spielte Anfang der 1830er Jahre sowie um 1848 nochmals eine unmittelbar politische Rolle, verlor aber danach weitgehend ihren politisch-oppositionellen und sittenreformerischen Charakter. Auf dem Weg großer Teile des deutschen Bürgertums in die Anpassung an den Obrigkeitsstaat und dann den völkischen Nationalismus bildete die Burschenschaft in den Jahrzehnten um 1900 eine regelrecht avantgardistische Gruppe.

Peter Brandt, geb. 1948 in Berlin, 1988 Habilitation mit einer Untersuchung über die Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Burschenschaft im frühen 19. Jahrhundert, 1989 – 2014 Professor für Neuere deutsche und europäische Geschichte an der FernUniversität in Hagen, dort 2003 – 2017 auch Direktor des interdisziplinären Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften; Publikationsschwerpunkt in den Bereichen Vergleichende europäische Verfassungsgeschichte, Geschichte Nordeuropas, der Staat Preußen, Nationsbildung und Nationalbewegung, die „deutsche Frage“, Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus; Herausgeber des Online-Magazins GlobKult; Mitglied u.a. im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Für die Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist frei.

Gespräche am Tor: Gesamtprogramm

Wichtige Infos
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