Veranstaltung

Zum Schutz natürlicher Ressourcen und unserer Lebenswelt – Vier Jahrzehnte grüner Kämpfe in Karlsruhe und in der Region

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Termin(e) Leitung
Ort/Raum
Mi, 15.01.2020
18:00 - 20:00
Harry Block
Regionalzentrum Karlsruhe, Seminarraum BASEL

Ein Vortrag von Harry Block

Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach der Gründung der Bundespartei „Die Grünen“ im Januar 1980 in Karlsruhe zieht der Referent eine persönliche Bilanz der grünen Kämpfe in Stadt und Region, an denen er maßgeblich beteiligt war und immer noch beteiligt ist. Über ein Vierteljahrhundert gestaltete Harry Block die Kommunalpolitik Karlsruhes mit, in der im grünen Lager auch die Verwandlung manchen Straßenkämpfers auf den Barrikaden (Kampf gegen den Abriss von Häusern) zum Bürgermeister mit Krawatte zu beobachten war. Die Karlsruher Grünen profilierten sich zeitweise sogar als Anti-Staat-Partei, wenn man etwa an den Karlsruher Auftritt der Bundestagskandidatin Jutta Ditfurth nach Tschernobyl 1986 denkt. Im Fokus der alternativen und grünen Bewegung stand aber für Jahrzehnte der Kampf gegen die Atomkraft, der sich hier in der Region vor allem gegen die Wiederaufarbeitungsanlage und den Schnellen Brüter im Kernforschungszentrum Karlsruhe sowie den Bau des zweiten Blocks im Atomkraftwerk Philippsburg richtete. Der kleinteilige Umweltschutz war der Partei und der Fraktion der Grünen genauso wichtig wie der radikale Umbau der Energiewirtschaft (Badenwerk/EnBW, Ausgründung der Stadtwerke zur GmbH). Daneben waren die Karlsruher Grünen in der örtlichen Friedens- und Frauenbewegung aktiv eingebunden. Auch die Vision einer Grünen Stadt entwarfen einige Architekten in der Fraktion der Grünen schon Mitte der 1980er Jahre. Demnach forderte man die Herbeiführung von Mobilität vor allem durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, was in der Ablehnung des als Milliardengrab geltenden Bauprojekts der „Kombilösung“ gipfelte. Hier gab es auch eine intensive Zusammenarbeit mit Leuten aus anderen Gruppierungen. Angesichts der Bandbreite der Umweltbewegung hatte und hat sie, ob in- oder außerhalb der Partei der Grünen, immer wieder Kontroversen und Konflikte auszufechten. So brachte der Kampf gegen die örtliche Thermoselect-Anlage die Karlsruher Grünen in Gegnerschaft zur Landtagsfraktion um den heutigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Die Debatte um Müllverbrennungsanlagen, der Umgang mit unserem Müll, war ein umstrittenes Thema bei den Grünen Baden-Württembergs, das anlässlich eines außerordentlichen Parteitags zugunsten der Karlsruher Position entschieden wurde.


Harry Block, geb. 1949 in Karlsruhe, nach dem Abitur als Wehrpflichtiger bei einer Luftwaffensanitätseinheit, ab 1968 Lehramtsstudium (Hauptfach Mathematik) und im Rahmen der evangelischen Studentengemeinde aktiv im Kampf gegen den Vietnamkrieg, daraus resultierend Kriegsdienstverweigerung, 1972 Mitbegründer der Initiative „Reservisten Verweigern“ und der Grünen Liste Karlsruhe, in der Folge intensive Beschäftigung mit den Atomkraftwerken des damaligen Badenwerks (heute EnBW) sowie den Atomreaktoren und der Wiederaufarbeitungsanlage im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe, Wahl zum Gemeinderat der Stadt Karlsruhe für die Grüne Liste/Die Grünen mit dem Schwerpunkt Umweltschutz, heute Vorstandsmitglied von BUND Karlsruhe und BUND Mittlerer Oberrhein mit dem Schwerpunkt technischer Umweltschutz.

Für die Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist frei.

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Werner Daum | 27.09.2019