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Aktuelles - April 2014

Ein Leben für die Mathematik

In Hagen das System der Fernlehre geradezu „gelebt“

„Ein Leben ohne Mathematik ist für mich nicht vorstellbar“: Für Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer ist es nahezu eine Selbstverständlichkeit, dass dieses Zitat nur von einem „bedeutenden Mathematiker“ stammen kann. Als solchen sieht der Rektor der FernUniversität in Hagen Prof. Dr. Andrei Duma an. Aus Anlass des 70. Geburtstages veranstaltete die Fakultät für Mathematik und Informatik ein Kolloquium zu Ehren des emeritierten Mathematikers: „Wer sich ein Leben ohne Mathematik nicht vorstellen kann, für den lässt sich kaum ein passenderes Geschenk machen“, betonte Rektor Hoyer.

Illustration Prof. Andrei Duma

Schon früh und konsequent hatte sich Andrei Duma der Mathematik verschrieben. Nach dem Abschluss des Mathematik- und Physikstudium 1966 in Bukarest trat er eine Stelle am Mathematischen Institut der rumänischen Akademie an. 1969 kam er nach Deutschland, um bei Prof. Dr. Dr. h. c. Karl Stein in München zu promovieren. Sechs Jahre später hatte er nicht nur seine Promotion abgeschlossen, sondern sich auch schon habilitiert. 1981 wurde er an die FernUniversität in Hagen berufen, als der Leiter des Lehrgebietes Komplexe Analysis.

Hier „lebte“ er geradezu das System der Fernlehre. Besonders lag ihm die Erwachsenenbildung am Herzen, sie „umfasst andere Komponenten als die Ausbildung junger Menschen – das interessiert mich“ zitierte der Rektor den Emeritus. Mit großem persönlichem Einsatz half Duma manchen Studierenden über eine Klippe im Studium hinweg, engagierte sich nicht zuletzt in persönlichen Beratungen für ihr Weiterkommen.

Als Andrei Duma zur FernUniversität kam, wusste man: „Hier kommt ein junger Mann, der es als Mathematiker zu großen Taten bringen wird!“ Nach dem Worten des Dekans der Fakultät, Prof. Dr.-Ing. Detlev Hackstein, waren mehrere Preise Dumas bei mathematischen Olympiaden dafür Beweis genug. Sein Doktorvater in München war Prof. Dr. Karl Stein, der in der Fachwelt große Reputation genießt: „Andrei Duma hat dort in einem wirklich renommierten Umfeld gearbeitet. So jemand ist zur FernUniversität gekommen – dafür sind wir dankbar.“ Dies umso mehr, als der neue Kollege sich schnell als angenehmer und aufgeschlossener Gesprächspartner erwies.

Illustration Prof. Holger Petersson

So war es auch kein Wunder, dass zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Weggefährten zu dieser Veranstaltung in der früheren Wirkungsstätte von Prof. Andrei Duma gekommen waren. Dies resultierte für Prof. Dr. Holger Petersson letztendlich aus der Begeisterung Dumas für sein Fach, aus der er nie ein Hehl machte – und das „in einer Zeit, in der viel mehr ihr Licht der Beziehung zur Mathematik unter den Scheffel stellten, als nötig gewesen wäre“.

Der emeritierte Mathematik-Professor der FernUniversität zeichnete in seiner Laudatio den Lebens- und Berufsweg Dumas nach. Geboren 1944 in Siebenbürgen studierte er in Bukarest Mathematik und Physik und publizierte bereits vor dem Diplomabschluss eine erste wissenschaftliche Arbeit. Nach einer „lebensprägenden Begegnung“ mit Karl Stein kam er 1969 als Alexander-von-Humboldt-Stipendiat nach München, wo er und Petersson sich des Öfteren begegneten. Dem Laudator blieb er zunächst vor allem als „eindrucksvoller Fußballspieler“ in Erinnerung. Doch bald erkannte Petersson auch die „typischen Tugenden“ Dumas, vor allem Enthusiasmus, unbändigen Kampfgeist und ein „feines Gespür für Fairness“.

Nach seiner Habilitation 1975 war Duma Professor in Regensburg und Bochum, 1981 bewarb er sich erfolgreich auf die frei gewordene Professur für Komplexe Analysis in Hagen. Hier trafen sich die beiden wieder. Auch Petersson wies in seiner Rede auf die besonderen Verdienste Dumas bei der Mathematiker-Ausbildung und seine engagierte Betreuung der Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hin.

Illustration Prof. Alexandru Aleman

Zu diesen gehörte auch Prof. Dr. Alexandru Aleman, Department of Mathematics, Lund University, Schweden. Bevor er mit seinem Vortrag „Harmonische Abbildungen und ideale Fluide“ begann, versicherte er dem Auditorium, wie schön es sei, wieder einmal in Hagen zu sein. Zwölf Jahre lang war er im Lehrgebiet Komplexe Analysis tätig, an deren „hochprofessionelle Atmosphäre“ er sich ebenso gerne zurückerinnert wie an den gleichzeitigen „lockeren Umgang“ miteinander: „Ich bin dankbar für die schöne Zeit!“

Dankbar für mein Leben

Wie das gewesen sein dürfte, merkte man bei Dumas Dankesworten nach dem Vortrag von Alexandru Aleman schnell: „Ich habe versucht, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Sie in Ruhe forschen können.“ Mit 70 Jahren zeigte er sich dankbar „für mein Leben“, nannte hier insbesondere seine Familie, seine Schulen und seine Hochschulen. Als er mit seiner Ehefrau Dorothee 1981 nach Hagen kam, fand er hier ausgezeichnete Kurse vor, sein Lehrgebiet war mit Personal bestens versorgt und zwischen den Kollegen gab es keine Differenzen: „Viele klassische Universität hätten sich so gute Verhältnisse gewünscht.“ Und so gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Sie haben mir geholfen und mich vor Fehler bewahrt.“ Sein ganz besonderer Dank galt seiner langjährigen Sekretärin.

Unter diesen Umstanden war er auch gerne dreimal Dekan. Jedesmal mit einem anderen Rektor.

Das Kolloquium der Fakultät für Mathematik und Informatik zu Ehren von Andrei Duma fand im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

Gerd Dapprich | 23.04.2014
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