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Aktuelles - März 2015

Der Mensch als Messgröße

DFG-Projekt: Soziologinnen und Soziologen der FernUniversität untersucht Praktiken der Selbstvermessung

Mann mit Brille lacht in die Kamera. Prof. Uwe Vormbusch leitet das DFG-Projekt. Mit seinem Forschungseam will er herausfinden, welchen Einfluss Praktiken der Selbstvermessung auf Einzelne und Gesellschaft haben.
Prof. Uwe Vormbusch leitet das DFG-Projekt.

Wenn Ende April die Apple Watch auf den Markt kommt, rücken auch sie wieder in den Fokus: Apps zur Messung von Körperfunktionen wie Temperatur, Puls oder sogar Blutzucker. Inzwischen gibt es kaum noch eine Körperfunktion, die sich nicht mittels mobiler Anwendungen und Geräte messen lässt. „Quantified Self“ (QS) heißt die Bewegung, die sich seit 2007 der Vermessung des Menschen verschrieben hat. Mitglieder der Bewegung wollen Krankheiten schneller erkennen, besser behandeln, die körperliche wie geistige Leistungsfähigkeit steigern oder einfach nur glücklicher sein.

Doch welche Folgen hat diese Selbstvermessung für den Einzelnen und die Gesellschaft? Das wollen Prof. Dr. Uwe Vormbusch und sein Forschungsteam vom Lehrgebiet Soziologie II – Soziologische Gegenwartsdiagnosen an der FernUniversität in Hagen herausfinden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt „Taxonomien des Selbst – Zur Genese und Verbreitung kalkulativer Praktiken der Selbstinspektion“ für eine Laufzeit von drei Jahren. Der Projektstart ist im Juni.

Drei Teilprojekte

„Wir wollen ein soziologisches Verständnis für die Praktiken der Selbstvermessung entwickeln“, sagt Prof. Vormbusch, der das Projekt leitet. Ihm zur Seite steht Projektkoordinatorin Dr. Karolin Kappler. Sie forscht und lehrt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Soziologie II: „Wir werden die Praktiken der Selbstvermessung in drei Teilprojekten untersuchen. Mit Blick auf die kulturelle Bedeutung, die ökonomische Bedeutung und hinsichtlich des sogenannten Arbeitnehmer-Benchmarking. Das heißt, welchen Einfluss QS auf den Arbeitsalltag hat“, sagt Karolin Kappler.

Das erste Teilprojekt untersucht die Auswirkungen von QS auf den unmittelbaren Alltag der Selbstvermessenden: Welche technischen Hilfsmittel zur Körper-Überwachung werden genutzt? Wie oft und in welchen Situationen? Werden Daten veröffentlicht, zum Beispiel über soziale Medien? „Das sind Fragen, die wir qualitativ untersuchen wollen. Wir werden also Interviews mit Nutzenden führen und einige von ihnen in ihrem Alltag mit QS-Apps begleiten“, erläutert Kappler.

Im zweiten Teilprojekt untersucht das Team, welche Marktstrategien Startup-Unternehmen verfolgen, die Apps zur Selbstvermessung entwickeln. „Wir gehen der Frage nach, ob Quantified Self den Massenmarkt erreicht oder eine Nische bleibt. Und wie sich Startups auf dem Markt positionieren werden, um erfolgreich zu sein. Dafür werden wir auch mit Entwicklerinnen und Entwicklern Interviews führen und die Marktentwicklung beobachten“, erklärt Koordinatorin Kappler.

Das dritte Teilprojekt zielt auf den Arbeitsalltag. Da QS explizit Aussagen zur körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit treffen will, geht es auch um die Frage, ob und wie Selbstvermessungspraktiken die Arbeit und das Verhältnis zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden verändern werden.

Grundlagen legen

Da das Forschungsfeld „Praktiken der Selbstvermessung“ noch weitgehend unerschlossen ist, legen Prof. Vormbusch und sein Team mit der durch die DFG geförderten Studie die Grundlagen für weitere Untersuchungen. Auch neue Erkenntnisse zum Verhältnis zwischen Mensch, Körper und Gesellschaft im digitalen Zeitalter könnte die Studie bringen.

Matthias Fejes | 27.03.2015
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