Audio-Podcast: Fünf Fragen an Prof. Dr. Oliver Christ

Wie er nach einem harten Arbeitstag entspannt und wie er sich als Papa von Zwillingen schlägt, verrät Prof. Dr. Oliver Christ in unserer Reihe „Fünf Fragen an".


Von Elternzeit, Online-Vorlesungen und dem Start an der FernUniversität

Prof. Dr. Oliver Christ leitet seit dem Sommersemester das Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre und Evaluation" am Institut für Psychologie. Im Interview spricht er über Familie, Life-Work-Balance, Online-Vorlesungen und seine Forschung zu Intergruppenkontakten.


Transkript des Audio-Podcasts

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Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von „Fünf Fragen an…“. Mein Gast ist heute Prof. Dr. Oliver Christ. Er leitet seit dem Sommersemester das Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre und Evaluation am Institut für Psychologie.

Frage 1: Herr Christ, Sie sind Vater von zweijährigen Zwillingen und waren ein Jahr in Elternzeit. Wie haben Sie sich denn geschlagen als Vollzeit-Papa?

Oliver Christ: Das ist eine Frage, die wahrscheinlich Väter, die in Elternzeit gehen, eher gestellt bekommen als Frauen, die das tun. Ich hoffe natürlich, dass ich mich gut geschlagen habe. Ich hoffe, dass ich mich auch genauso gut geschlagen habe, wie das Mütter tun. Aber das können natürlich die Betroffenen viel besser beurteilen als ich. Nur da die sich noch nicht so richtig verständigen können, wird das wahrscheinlich schwierig sein. Und natürlich kann das familiäre Umfeld das auch besser beurteilen als ich. Aber, wenn ich zurückblicke auf die Zeit, dann muss ich ehrlich sagen, war das ein schönes Jahr, weil man sehr viel Zeit hatte, sich um die Beiden zu kümmern. Wir waren auch privilegiert, weil in den ersten vier Monaten meine Partnerin auch zu Hause war. Und es war auf jeden Fall entspannter als es heute ist.

Frage 2: Als Familienvater und als Lehrstuhlinhaber haben Sie einen vollen Terminkalender. Wie schalten Sie da am besten ab?

Oliver Christ: Das ist tatsächlich eine Herausforderung, Freiräume für einen selbst oder auch zu zweit zu bekommen. Wir versuchen, also ich und meine Partnerin, dass wir zumindest zwei-, dreimal im Monat an einem Abend etwas gemeinsam machen. Dann haben wir eine Babysitterin und können dann abends zumindest weggehen. Ansonsten versuchen wir auch, dass jeder von uns ein-, zweimal in der Woche für sich etwas alleine machen kann. Das kann zum Beispiel Sport sein oder auch sich mit jemandem alleine treffen. Das versuchen wir hinzubekommen. Und ansonsten kann man sich abends mal entspannen, wenn die Beiden im Bett sind und man nichts mehr zu tun hat, was Arbeit angeht, dann lese ich auch gerne mal ein Buch. Oder wir schauen auch ab und zu Serien, momentan kann ich sehr empfehlen die Serie Fargo.

Frage 3: Sie pendeln zwischen Ihrer Familie in Osnabrück und der FernUni in Hagen. Was hat Ihnen den Start hier erleichtert? Was schätzen Sie an der FernUni?

Oliver Christ: Vielleicht kann ich dazu sagen: Ich hab ja auch schon das Lehrgebiet vorher vertreten, bevor ich das jetzt übernommen habe. Ich muss sagen, dass ich eigentlich bei allen Kontakten – egal an welcher Stelle – immer auf sehr freundliche und kompetente Personen gestoßen bin, sei es die Universitätsleitung, sei es die Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften und natürlich auch die Leute im Institut, die Kolleginnen und Kollegen, aber zum Beispiel auch meine Sekretärin – alles Personen, die sich unheimlich gut auskennen, die mich mit offenen Armen empfangen haben und die immer auch hilfsbereit sind. Wie gesagt: Es ist ein hoher Grad an Professionalität, der einen den Start in neue Strukturen und Abläufe – es ist ja schon etwas anders als an einer Präsenzuniversität – unheimlich erleichtert. Von daher war der Anfang gar nicht so schwierig wie man sich das manchmal vorstellt.

Frage 4: Dann bleibt vielleicht bald auch wieder mehr Zeit für Ihre Forschung. Sie befassen sich intensiv mit Intergruppenkontakten. Es geht um Kontakte zu Minderheiten, um ethnische Vorurteile und um Toleranz. Was reizt Sie persönlich an diesem Thema?

Oliver Christ: Das ist eine gute Fragen und die ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vielleicht kann ich da auch ein bisschen ausholen. Also ich habe Psychologie angefangen wie wahrscheinlich fast über 90 Prozent der Studierenden, die mit Psychologie beginnen: Ich wollte Therapeut werden, habe aber eigentlich schon früh im Studium davon Abstand genommen. Ich habe schon früh die Sozialpsychologie kennenlernen und schätzen dürfen. In Marburg war ich dann relativ schnell studentische Hilfskraft. Ein Schwerpunkt in Marburg von der Sozialpsychologie von Ulrich Wagner, der auch meine Dissertation angeleitet hat, waren Intergruppenbeziehungen. Ich finde, das ist ein sehr spannendes und ein sehr wichtiges Thema gerade auch hier in Deutschland, weil wir – auch wenn einige das nicht ganz so sehen – ein Einwanderungsland sind, in dem viele verschiedene Ethnien zu uns kommen. Das finde ich einfach ein sehr spannendes Thema zu untersuchen, unter welchen Bedingungen dieser Mix funktionieren kann und unter welchen Bedingungen das eben nicht so gut funktioniert.

Frage 5: Zum Abschluss noch eine Frage, die uns über Facebook erreicht hat. Sie zeichnen momentan Online-Vorlesungen auf. Was erwartet die Studierenden?

Oliver Christ: Online-Vorlesungen halte ich auch an der FernUni für einen wichtigen Weg, Wissen zu vermitteln. Und das ist eben auch ein Schwerpunkt bei mir in der Lehre. Und bei den Online-Vorlesungen, die ich bereits aufgezeichnet habe oder momentan aufzeichne, ist es mir immer wichtig, dass es eine Mischung aus Grundlagen gibt und gleichzeitig aber auch immer der Anwendungsbezug dargestellt wird. Bei Forschungsmethoden in der Statistik muss man eben auch die Grundlagen lehren und eben auch lernen, wenn man auf der Studierendenseite ist. Das gehört einfach dazu, um dann eben auch die Anwendung dieser Methoden kritisch zu hinterfragen und eben auch die Anwendung erfolgreich umzusetzen. Das heißt, es sind eben grundlegende Kompetenzen, die man in der Psychologie lernen muss. Und das versuche ich auch in den Online-Vorlesungen zu vermitteln, dass man eben auch ausgehend von den Grundlagen sieht, zu was diese Methoden fähig sind und wo die Grenzen sind.

Carolin Annemüller | 28.05.2015