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Aktuelles - September 2017

Band und Publikum werden eins

Thorsten Eisenmenger im Porträt
Der ehrenamtliche Festival-Organisator Thorsten Eisenmenger (Foto: Bernd Paulitschke)

Für gewöhnlich arbeitet Ass. iur. Thorsten Eisenmenger, MBA in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität in Hagen; hinzu kommt sein Engagement im Personalrat der wissenschaftlich und künstlerisch Beschäftigten. Doch einmal im Jahr wird der Assessor zum Eventmanager: Er organisiert ehrenamtlich das „InSound-Festival“ – ein integratives Konzert, das gleichermaßen Menschen mit und ohne Behinderung ansprechen soll. Am 3. November 2017 findet es bereits zum siebten Mal statt, veranstaltet von der Initiative „dabei“, die sich in Schwerte und Umgebung für Inklusion und Barrierefreiheit einsetzt. Im Interview gewährt Eisenmenger einen Blick in den Backstage-Bereich der Veranstaltung.

Welche Idee steckt hinter dem Musikfestival?

Damals stellten wir in unserer Initiative „dabei“ fest, dass die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu wünschen übrig lässt. Das betrifft nicht nur solche, die wie ich auf den Rollstuhl angewiesen sind. Die Lebensbereiche von Personen mit und ohne Handicap überschneiden sich einfach zu selten. Wir fragten uns, wie wir die Leute zusammenbringen können und hielten das Thema „Musik“ für besonders geeignet: Alle lieben Musik, auf Konzerten ist die Atmosphäre gut, und ganz unterschiedliche Menschen können ganz ungezwungen ins Gespräch kommen. Das gelingt auch: Die 500 bis 700 Besucherinnen und Besucher sind ein buntes Publikum, von jung bis alt, arm und reich, mit und ohne Handicap.

Welchen Prinzipien folgt die Veranstaltung?

Grundsätzlich ist uns wichtig, dass unser alljährlicher Veranstaltungsort, die Rohrmeisterei in Schwerte, behindertengerecht ist. Es gibt barrierefreie Zugänge und Toiletten. Wir richten extra Parkplätze direkt am Gebäude ein. Darüber hinaus halten wir die Preise möglichst niedrig, weil Menschen mit Handicap oft weniger Geld zur Verfügung steht. Bestimmten Behinderteneinrichtungen im Kreis Unna ermöglichen wir sogar eine kostenlose Teilnahme. Ganz entscheidend ist auch: Jeder kann sich angenommen fühlen, unabhängig von individuellen Einschränkungen.

Gilt der inklusive Ansatz auch für die Bands?

Bei uns findet Inklusion nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne statt. Es ist uns wichtig, dass immer inklusive Bands dabei sind. Allerdings ist deren Anzahl natürlich nicht besonders groß. Bisher hat es jedoch immer geklappt, tolle Musiker zu engagieren. Dieses Jahr freuen wir uns auf das „Tanzorchester Paschulke“ mit seinem witzigen Stilmix „Ruhrpott-Balkan“.

Welche Musikrichtung gibt den Ton an?

Grob gesagt kommen die Bands aus den Bereichen Pop und Rock. Wir haben zwar von harten Klängen bis zur Chorgruppe schon alles dabeigehabt, zielen aber eher auf ein breites Publikum ab. [Eisenmenger lacht.] Fans der Inklusion zu finden, die zusätzlich noch Speedmetal mögen, ist etwas schwierig. Um viele Gäste anzulocken, ist es schon besser, sich Richtung Mainstream zu orientieren – zum Beispiel mit dem Coverrock, den die Band „Nightlife“ dieses Jahr spielt.

Woher kommen die Bands?

Die Bands kommen aus ganz Deutschland nach Schwerte. 2015 reiste zum Beispiel die „Miro-Nemec-Band“ aus Bayern an. Ihr Frontmann Miroslav Nemec ist den meisten ja eigentlich als Münchner Tatort-Kommissar Ivo Batić bekannt. Auch aus Hamburg oder Frankfurt kamen schon Gruppen. Natürlich freuen wir uns auch sehr über die Unterstützung von lokalen Größen wie der Schwerter Kultband „K.R.A.S.S.“ oder den „Soulfingers“ – da gibt es eigentlich immer eine volle Halle.

Gab es ein persönliches Highlight?

Die Stimmung war bisher immer großartig. Als 2014 aber die „Undercover Crew“ auftrat, enterte das Publikum die Bühne und feierte zusammen mit der Band. Das war ein toller Moment, auf den ich auch noch im Nachhinein oft angesprochen wurde. Die Menschen vor und auf der Bühne waren quasi eins. So funktioniert Inklusion!

In unregelmäßigen Abständen interviewen wir Beschäftigte der FernUniversität mit besonderen ehrenamtlichen Engagements. Im vorherigen Beitrag berichteten zwei Sprachlehrerinnen von den Deutschkursen für Flüchtlinge, die auf dem Hagener Campus stattfinden.


Weitere Informationen

Benedikt Reuse | 13.09.2017
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