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Aktuelles - Oktober 2017

Erster Auftritt in schwarzer Robe

Studierende, Richterinnen und Richter im Gerichtssaal
Wo eigentlich die Parteien oder Zeuginnen und Zeugen sitzen müssten, bleibt der Platz im Gerichtsaal leer – kein Wunder: Sie alle wurden für das juristische Rollenspiel frei erfunden. (Foto: FernUniversität)

Gewisse Streitfälle lassen sich wohl nur vor Gericht klären – so wie dieser: Frau Grün war Köchin in einer Kantine, bis sie von einem auf den anderen Tag entlassen wurde. Weil sie die fristlose Kündigung nicht akzeptieren will, klagt sie nun gegen ihre ehemalige Arbeitgeberin, die Blau GmbH. Doch die nennt gleich mehrere Gründe für ihre Entscheidung: Frau Grün wurde nämlich erwischt, wie sie trotz Verbots abgelaufene Waren mit nach Hause genommen hat. Außerdem bereitete sie während der Arbeitszeit in der Großküche ein Chili con Carne für ihren Bruder zu.

Was sich nach einer wahren Begebenheit anhört, ist nicht wirklich passiert, sondern diente als realitätsnahe Grundlage für einen sogenannten „Moot Court“. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der FernUniversität in Hagen hat das juristische Planspiel gemeinsam mit dem Hagener Arbeitsgericht veranstaltet. Vonseiten der Hochschule leitete Nora Wahbé die Organisation. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin ist sie am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Gewerblichen Rechtsschutz, Internationales Privat- und Zivilprozessrecht von Prof. Sebastian Kubis tätig.

Die studentischen Teilnehmenden erprobten durch den Wettbewerb ihre rhetorischen und fachlichen Fähigkeiten in einer möglichst wirklichkeitsnahen Umgebung: In einem echten Gerichtsaal traten sechs Teams in der Rolle eines Parteivertreters an, also als Anwälte aufseiten der beklagten Blau Gmbh oder der Klägerin. Im Vorfeld hatten sie mehrere Wochen Zeit zur Vorbereitung – auch um Schriftsätze anzufertigen, die später bewertet wurden.

Fast alles wie in echt

Für die authentische Atmosphäre im Saal sorgten unter anderem die „echten“ Richterinnen und Richter: Jürgen Schlösser, der Direktor des Hagener Arbeitsgerichts, leitete die Verhandlung. Neben ihm urteilten Anke Bittner und Klaus Böhme, die auch im echten Leben ehrenamtlich auf der Richterbank platznehmen. Zudem fand der „Moot Court“ – so wie reale Verhandlungen – öffentlich, also vor Publikum statt. Aus Sicht von Anke Bittner hatte der professionelle Rahmen großen Einfluss: „An den Kleinigkeiten merkt man, dass Rollenspiel und Realität gar nicht so weit auseinander liegen. Die Reaktionen der Teilnehmenden sind schon nah an der Wirklichkeit.“

Tatsächlich bewiesen die Nachwuchsjuristinnen und -juristen starkes Einfühlungsvermögen. In schwarze Roben gekleidet, lieferten sich die Teams emotionale Wortgefechte, die anschließend gemeinsam besprochen und von einer Jury beurteilt wurden. „Es ist schon eine andere Atmosphäre als sonst – weniger theoretisch. Man ist einerseits aufgeregt, andererseits weiß man: Es kann mir nichts passieren!“, findet Maximilian Melyarki, der das Studium „Erste Juristische Staatsprüfung“ an der FernUniversität absolviert. „Ich versuche, mich so gut wie möglich in die vertretene Partei hineinzuversetzen.“ Der Oberbayer gehörte zu den sieben Teilnehmenden, die an der Hagener Hochschule studieren. Zusätzlich machten noch drei studentische Hilfskräfte der juristischen Fakultät beim Planspiel mit. Wegen ihrer größeren Erfahrung wurden sie allerdings von der Schlussbewertung ausgenommen. Zudem führten zwei Volljuristen in einer speziellen Sitzung ihr professionelles Verhandlungsgeschick vor.

Gute Zusammenarbeit

Für die Gewinner gab es am Ende Preise, die von der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität, dem Arbeitsgericht Hagen und der Nachwuchsförderung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät gestiftet wurden. Den ersten Platz belegte Maximilian Melyarki – doch auch für die anderen lohnte sich der Einsatz. Um wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln, kamen einige sogar aus dem Ausland nach Hagen: „Ich bin extra aus Budapest angereist, um am Moot Court teilzunehmen“, erzählt zum Beispiel die ungarische Bachelorstudentin Márta Tünde Faragó.

Vom „Moot Court“ profitierten nicht nur die Studierenden; auch die Beschäftigten des Arbeitsgerichts freuten sich, ihr Tätigkeitsfeld vor einer breiten Öffentlichkeit transparent machen zu können. Entsprechend reibungslos verliefen Planung und Durchführung der Veranstaltung: „Die FernUni dankt dem Arbeitsgericht Hagen für die freundliche Kommunikation und die angenehme Zusammenarbeit“, bekräftigt Nora Wahbé.


Weitere Informationen

Benedikt Reuse | 12.10.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de