Rubriken

Aktuelles - November 2017

Expertin für Gleichstellungsrecht baut neues Lehrgebiet auf

Im Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Lembke vergehen 60 Minuten wie im Flug. Das liegt an ihrer langen Liste an Forschungsfragen mitten aus dem Leben. Die Suche nach wissenschaftlich fundierten Antworten beginnt im Umfeld der Rechtswissenschaftlerin. Zum Beispiel damit, warum es „nach wie vor so wenige Jura-Professorinnen an deutschen Hochschulen gibt“. Aber auch die immer stärkere Teilung des Arbeitsmarktes in „Frauenberufe“ und „Männerberufe“, rechtspopulistische Anti-Gender-Tiraden und sexistische Werbung befeuern ihr wissenschaftliches Interesse. Nicht zu vergessen ist der „Rosa-versus-Hellblau-Wahnsinn“ bei allem, was Kinder betrifft – „vom Baby-Strampler über Spielzeug und Schulranzen bis zu Trinkflaschen“.

Vom Antidiskriminierungsrecht über Menschenrechte bis zur Arbeitsteilung in Beruf und Familie: Mit den Studien zu Gender im Recht hat Ulrike Lembke ihr ideales Themenspektrum gefunden. Seit April 2017 ist die Wahl-Berlinerin Inhaberin der Professur für Gender im Recht. Diese hat die FernUniversität in Hagen als eine der ersten Hochschulen deutschlandweit neu geschaffen.

Studienbuch zur Feministischen Rechtswissenschaft

Ulrike Lembke füllt den jungen Rechtsbereich mit Leben und schreibt aktuell an der dritten Auflage des gemeinschaftlich verfassten Studienbuchs zur Feministischen Rechtswissenschaft, „das erste deutsche Lehrbuch dieser Art und inzwischen ein Standardwerk zur Einführung in die Legal Gender Studies“, wie sie erklärt.

Als Expertin für Gleichstellungsrecht ist sie bei der Europäischen Kommission in Brüssel regelmäßig gefordert. Ulrike Lembke ist Mitglied im European Equality Law Network und verfasst Gutachten, etwa zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Umsetzung der Entgeltgleichheit, zu Fragen der Benachteiligung von Frauen und gesellschaftlichen Minderheiten in der Sharing Economy (etwa bei Mitfahrzentralen und Buchung von Privatunterkünften) und zur Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten.

Ihr Faible für Gender im Recht hat Ulrike Lembke in ihrer Studienzeit entdeckt. In Greifswald studierte sie neben Jura Politikwissenschaft und Anglistik. „Das hat mir Welten eröffnet“, schwärmt sie. Um für ihre wissenschaftliche Karriere thematisch breiter aufgestellt zu sein, promovierte sie 2008 in der Rechtstheorie. Ein Jahr später wurde sie an die Universität Hamburg auf eine Juniorprofessur für Öffentliches Recht und Legal Gender Studies berufen.

„Die Geschichte der FernUni, ihre Verdienste für die Erwachsenenbildung und ihren weit fokussierten Bildungsbegriff – das finde ich an unserer Hochschule richtig cool.“

Prof. Dr. Ulrike Lembke

Habilitation zur Nutzung des öffentlichen Raums

Eines ihrer großen Forschungsthemen, zu dem sie in Hagen ihre Habilitation fortführt, ist die Nutzung des öffentlichen Raumes durch Personen und Gruppen. Wie ist der öffentliche Raum gerecht zu verteilen? Und welche Leitlinien und Regeln sind denkbar? Als Beispiele nennt sie Flashmobs, Außengastronomie, Stadtfeste, Grillen im Park, Marathons, aber auch die umstrittene Nutzung des Tempelhofer Feldes in Berlin: „Der Senat wollte die Nutzung von oben regulieren und ist nach einer Volksabstimmung vorerst gescheitert.“

Ihre Arbeit ist explizit nicht als Genderprojekt angelegt. Dennoch lassen sich mit Blick auf ihre Habilitation interessante Gender-Aspekte finden. Zum Beispiel hat Ulrike Lembke nach der Silvesternacht 2015/2016 in Köln einen Beitrag zu sexuellen Übergriffen im öffentlichen Raum veröffentlicht. „Unser Sexualstrafrecht musste reformiert werden, weil es sexuelle Selbstbestimmung nicht ernsthaft schützt“, sagt sie.

Ulrike Lembke hat viel zu erzählen. Nur bei der Frage nach ihrem Alter schweigt sie beharrlich. „Altersdiskriminierung ist in Deutschland stark verbreitet“, lautet ihre Begründung. Vor diesem Hintergrund schätzt sie an der Hagener Hochschule insbesondere die Diversität der Studierenden und die Möglichkeit, unabhängig vom Alter und bisherigen Bildungs- und Berufsweg zu studieren. „Die Geschichte der FernUni, ihre Verdienste für die Erwachsenenbildung und ihren weit fokussierten Bildungsbegriff – das finde ich an unserer Hochschule richtig cool“, sagt Ulrike Lembke.

Carolin Annemüller | 10.11.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de