Abschied mit Zugabe von der Hagener Wissenschaftsbühne

Am 31. Juli tritt der Umweltökonom Prof. Alfred Endres von der wissenschaftlichen Bühne der FernUniversität ab. Aber nicht, ohne noch eine Zugabe zu geben.


Abschied nehmen von der wissenschaftlichen Bühne der FernUniversität in Hagen heißt es am 31. Juli für den Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftstheorie. Doch Alfred Endres wäre nicht Alfred Endres, wenn er nicht noch eine „Zugabe“ geben würde. Der international renommierte Umweltökonom, der seit einigen Jahren auch wieder als Rockmusiker auftritt, bleibt der Hochschule mit einer „Zugabe“ seiner Forschungsarbeit erhalten: Er engagiert sich als „Senior Advisor“ in ihrem neuen Forschungsschwerpunkt „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“. Durch die neue Aufgabe als Berater bleibt Prof. Dr. Alfred Endres seinem bisherigen Arbeitsschwerpunkt, in dem es um die ökonomische Sicht auf Umweltprobleme und Umweltpolitik geht, verbunden. Seine zukünftige Hauptaufgabe sieht er darin, den Forschungsschwerpunkt zu moderieren und Kolleginnen und Kollegen aus allen Fakultäten zur Mitarbeit in dem neuen FernUni-Forschungsschwerpunkt zu motivieren.

Zwei Männer, von denen einer eine Urkunde in den Händen hält, und eine Frau Foto: FernUniversität
Prof. Dr. Alfred Endres erhielt seine Urkunde von Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert überreicht, Prof. Dr. Stephan Meyering vertrat die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

„Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“

Der Forschungsschwerpunkt „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“ beforscht politische, ökonomische, gesellschaftliche und technologische Dimensionen des Energie- und Umweltsektors und analysiert Auswirkungen der Energie- und Umweltpolitik. Im interdisziplinären Austausch sollen praxisnahe und prozessorientierte Lösungsmodelle für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entwickelt werden. Im Wintersemester wird der Forschungsschwerpunkt eine gleichnamige Ringvorlesung veranstalten, die am 10. Oktober 2018 startet.

An die FernUniversität berufen wurde Alfred Endres, der 1950 in Frankfurt am Main geboren wurde, zum 1. Januar 1990. 1996 und 1997 war er Dekan des damaligen Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft (heute Fakultät), 1997 bis 2002 Prorektor der FernUniversität für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. 2011 wurde er in ihren Hochschulrat berufen, dessen stellvertretender Vorsitzender er seit 2013 ist. Alfred Endres ist einer der „Gründungsväter“ des Weiterbildungsstudiengangs infernum, den die FernUniversität gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut UMSICHT anbietet.

Studiert hatte Alfred Endres Volkswirtschaftslehre von 1968 bis 1973 in Bonn. 1976 wurde er an der heutigen TU Dortmund promoviert. Nach Tätigkeiten als wissenschaftlicher Assistent in Dortmund und Konstanz sowie als Visiting Assistant Professor an der State University of New York in Buffalo (USA) habilitierte er sich 1981 in Konstanz. 1982 bis 1991 war er Professor an der TU Berlin – ein Bleibeangebot des Berliner Senats lehnte er ebenso ab wie zwei spätere Rufe aus Augsburg und Rostock: „Ich habe mich damals für die FernUniversität entschieden; hier habe ich mich immer zuhause gefühlt. Die Arbeitsbedingungen waren gut und es gab Perspektiven, die man als Lehrstuhlinhaber an einer Präsenzuniversität so nicht kannte. Man kann hier gute Bedingungen für die eigene Forschung haben, wenn man sich kümmert.“

So unterbrach er seine Arbeit in Hagen nur für Aufenthalte als Visiting Scholar der University of California in San Diego und an der La Trobe University im australischen Melbourne. Weiterhin war er 2002 bis 2017 Ständiger Gastprofessor für „Integrative Umweltökonomik“ an der Privaten Universität Witten/Herdecke und während seiner gesamten Karriere Mitglied in renommierten wissenschaftlichen Beratungsgremien.

Die European Association of Environmental and Resource Economists würdigte ihn im Dezember 2015 und im September 2016 als einen der führenden Vertreter der europäischen Umweltökonomie, indem sie ihm Sonderausgaben ihrer Zeitschrift Environmental and Resource Economics widmete.

Drei Männer stehen auf einer Bühne, zwei halten Gitarren in den Händen. Foto: FernUniversität
Alfred Endres' Trio Rockato trat bereits bei der Rektoratsübergabe von Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer an Prof. Dr. Ada Pellert im Februar 2016 auf.

Einen Ausgleich für seine wissenschaftliche Arbeit bietet ihm die Rockmusik mit starkem Soul-Anteil, die er seit einigen Jahren macht. Endres tritt solo und mit seinem „Trio Rockato“ auf: „Mit Blick auf meine Emeritierung habe ich das wieder hochgefahren – das Musikmachen hat inzwischen eine Eigendynamik bekommen. Dabei baue ich auf meiner soliden Erfahrung aus meiner Jugend auf.“ 1967 war er mit seiner damaligen Band „Concentric Movement“ deutscher Beat-Vizemeister. Über die Musik hinaus hat er noch viele Ideen dazu, „wie ich die Felder des Lebens noch bestellen könnte – vielleicht auch, indem ich einen Roman schreibe“.

Gerd Dapprich | 23.07.2018