„Ein Macher mit Stil“ im Rektoramt der FernUniversität

Aus Anlass seines 75. Geburtstags am 31. August hatten Mitarbeitende und ein langjähriger Freund das Symposium „Decision Making in Economics“ an der FernUniversität organisiert.


Drei Männer und zwei Frauen stehen nebeneinander. Foto: FernUniversität
Prof. Günter Fandel (Mitte) mit seine Ehefrau (2.v.re.), Rektorin Prof. Ada Pellert (2.v.li.), Prof. Hans-Ulrich Küpper (re.) und Prodekan Prof. Jörn Littkemann (li.).

Ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1994 nahm Prof. Dr. Ada Pellert zum Anlass, sich einige Gedanken zu ihrem Vor-Vorgänger im Rektoramt der FernUniversität in Hagen zu machen: Es zeigt Prof. Dr. Günter Fandel beim ersten Spatenstich für das zukünftige Philipp-Reis-Gebäude der Hochschule. Der Stich mit dem Werkzeug in die Erde ist energisch,, der Anzug sitzt perfekt, die schwarzen Schuhe glänzen. Das ist für Günter Fandel so typisch wie seine weißen Hemden mit Manschettenknöpfen. „Ein Macher mit Stil“, so Prof. Ada Pellert. Aus Anlass seines 75. Geburtstags am 31. August hatten Mitarbeitende und sein langjähriger Freund Prof. Dr. Hans-Ulrich Küpper das Symposium „Decision Making in Economics“ an der FernUniversität organisiert. Viele Weggefährtinnen, Weggefährten und Mitarbeitende nahmen daran teil.

Mit 32 Jahren kam der Horst-Albach-Schüler 1976 als Professor für Betriebswirtschaft, insbes. Produktions- und Investitionstheorie zur FernUniversität. Als „Mann der ersten Stunde“ wirkte Prof. Fandel erfolgreich am Aufbau der Hochschule und des damaligen Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft mit. Am 31. August 2011 wurde er emeritiert.

Ein Mann steht an einem Pult vor einem Publikum. Foto: FernUniversität
In seiner abschließenden Rede dankte Prof. Günter Fandel auch ganz herzlich seinen Mitarbeitenden für den Einsatz bei der Organisation der Veranstaltung.

Rektor war er von 1993 bis 1997, in dieser Zeit wurden auf drei zentralen Feldern wichtige Weichen für die FernUniversität gestellt. Die inneren Strukturen wurden im Sinn größerer Effizienz bei gleichzeitiger Förderung der Forschung und Schärfung des universitären Profils weiterentwickelt. Elektronische Medien und Internet gewannen für die Lehre und die Kommunikation an Bedeutung, ohne die persönliche Betreuung der Studierenden zu vernachlässigen. Und endlich bekam die FernUniversität einen Campus, der diese Bezeichnung verdiente.

Fandel wurde Rektor in einer Zeit des universitären Umbruchs. Nordrhein-Westfalen definierte seine bildungspolitischen Zielvorstellungen neu, es ging um Studienstrukturreform, Eigenverantwortung und Effizienz der Hochschulen sowie die Forschungsförderung zur Erhaltung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig drohte der FernUniversität die Streichung von rund 100 Stellen, obwohl insbesondere ihr wissenschaftlicher Bereich durch die immer noch schnell steigenden Studierendenzahlen bereits hochbelastet war. Fandel und sein Rektorat fanden hierfür in mühsamer Arbeit tragfähige Lösungen.

1994 nahm die FernUniversität ihren eigenen Web-Server in Betrieb. Der Entwicklung des späteren Lernraums Virtuelle Universität, Grundstein für ihr heutiges Blended-Learning-Konzept, wurde während Fandels Rektorat von FernUni-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern in Angriff genommen. Fandel vertrat dabei eine Politik des überlegten Vorgehens: analysieren, welche Innovationen für die Fernlehre geeignet sind und Bewährtes, das zukunftsfähig ist, weiternutzen.

Angesicht der steigenden Nachfrage erkannte er, dass vorhandene Fächer ausgebaut und weitere Studiengänge entwickelt werden mussten, insbesondere in Rechtswissenschaft und Umweltwissenschaft. Ihr eigenes Jurastudium realisierte die FernUniversität 2002 und, zusammen mit dem Fraunhofer-Institut UMSICHT, 2000 ein interdisziplinäres Fernstudium „Umweltwissenschaft“.

Eine Gruppe von Menschen schaut einem Mann zu, der einen Spaten in einen Erdhaufen sticht. Foto: FernUniversität
Rektor Prof. Günter Fandel beim ersten Spatenstich für das zukünftige Philipp-Reis-Gebäude der Hochschule im Jahr 1994.

Bagger und Kräne auf dem Campus

Weithin sichtbares Kennzeichnen von Fandels Rektorat waren Bagger und Kräne auf dem Campus, der zunächst nur das Aufbau- und Verfügungszentrum (AVZ) von 1980 mit seiner Erweiterung (AVZII) beherbergte. 1993 konnte Fandel das FernUni-Logistikzentrum in einem Hagener Industriegebiet seiner Bestimmung übergeben. Wichtig war ihm jedoch ein zentraler Campus, ohne den kein „universitäres Zusammengehörigkeitsgefühl“ entstehen könne. 1997 wurde auf dem Campus das Philipp-Reis-Gebäude und das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) sowie das FernUni-Informatikzentrum eingeweiht. Das TGZ der Stadt Hagen wurde auf dem Campus errichtet, um durch Kontakte zwischen Wissenschaft und in ihm ansässigen Unternehmen den Forschungstransfer zu fördern.

Der Transfer war Fandel auch selbst wichtig. Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter dachten damals schon vieles vorweg, was die FernUniversität aktuell in ähnlicher Weise mit ihrem neuen Forschungsschwerpunkt Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit, mit Unternehmergesprächen und weiteren Aktivitäten strukturiert in Angriff nimmt.

Ein bequemer Rektor war Fandel nicht, er verlangte sich, seiner Umgebung sowie seinen Freunden und Gegnern viel ab: „Günter Fandel macht seine Positionen unmissverständlich deutlich, er kämpft mit offenem Visier“, charakterisierte Ada Pellert ihn.

Gleichzeitig war und ist Fandel ein Wissenschaftler erster Güte, stellte Prof. Dr. Jörn Littkemann als Prodekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaft fest. Fandels Renommee in der Scientific Community beruht auch auf 293 Publikationen, einer Ehrenpromotion der Universität Freiburg und fünf Rufen anderer Universitäten. Keinem ist er gefolgt, denn – so er selbst einmal in einem Interview – „das Konzept der Fernlehre hat mich von Anfang an überzeugt und die FernUni hat mir immer sehr gute Bedingungen für Forschung und Lehre geboten“. Auch 190 Klausuren, 18 Seminararbeiten und 14 Abschlussarbeiten im Jahr 2017 lassen bei ihm keine Langeweile aufkommen.

In einem Bildausschnitts sind zwei Hände zu sehen, die ein wissenschaftliches Journal halten. Foto: FernUniversität
Besonders freute sich Prof. Günter Fandel auch über das Special Issue des Journal of Business Economics (JBE).

Sonderausgabe des Journal of Business Economics

Ein Höhepunkt des Symposiums war die Übergabe des Special Issue des Journal of Business Economics (JBE) zu Ehren Fandels durch den Springer-Verlag. Seit 2013 ist Fandel Editor-in-Chief und Department Editor des JBE. Bei der Vorgänger-Zeitschrift für Betriebswirtschaft war er seit 2000 in führenden Funktionen tätig, unter anderem ab 2001 als Chefherausgeber.

Gerd Dapprich | 11.09.2018