Was ist die Zukunft der Arbeit im digitalen Wandel?

Wie sich Berufswelt und Qualifizierung verändern, nahm die FernUniversität bei einem Symposium in Düsseldorf mit Gästen aus Wirtschaft, Politik und Bildung in den Blick.


Frau mit Mikrofon Foto: FernUniversität
Menschen mehr denn je im Mittelpunkt: Prof. Ulrike Baumöl sprach mit Blick auf zeitgemäße Stellenprofile nicht nur über Veränderungen, sondern auch über wichtige Kontinuitäten.

Die eine Branche trifft er mit hoher Geschwindigkeit, die andere eher Schritt für Schritt – klar ist jedoch: Die deutsche Wirtschaft steckt mitten im digitalen Wandel. Dieser hat nicht nur Auswirkungen auf Strukturen, Abläufe und Stellenprofile, sondern auch auf die Art und Weise, wie in Zukunft gelehrt und gelernt werden muss. Um darüber mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Geschäftswelt und dem Bildungsbereich zu diskutieren, richtete die FernUniversität in Hagen nun ein Symposium aus. Der Titel der Veranstaltung in Düsseldorf lautete: „Zukunft der Arbeit im digitalen Wandel: Kompetenzen – Qualifizierung – Weiterbildung”.

Das Publikum begrüßte der Moderator und Fachjournalist für Bildungsthemen Jan-Martin Wiarda gemeinsam mit Prof. Dr. Ada Pellert. Die Rektorin der FernUniversität unterstrich die Errungenschaften der Hochschule hinsichtlich Digitalisierung und Lebenslangem Lernen. Gleichzeitig betonte sie aber auch das große Interesse an Weiterentwicklung und stellte initial die Frage in den Raum: „Viele reden über ‚Arbeiten 4.0‘, aber was ist eigentlich mit ‚Lernen 4.0‘?“

Zwischen Prinzessinnen und Drachen

Erste Antworten lieferte Prof. Dr. Ulrike Baumöl: Die ehemalige FernUni-Wissenschaftlerin stellte Ergebnisse einer Studie vor, die sie noch als Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Informationsmanagement, in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie durchgeführt hatte. Im Fokus der Untersuchung stehen neue Anforderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Prof. Baumöl engagierte sich an der FernUniversität unter anderem in leitender Position im Forschungsschwerpunkt „Digitalisierung, Diversität und Lebenslanges Lernen. Konsequenzen für die Hochschulbildung (D²L²)“. Seit kurzem ist sie Rektorin der Universität Lichtenstein.

Das zugrundeliegende Spannungsverhältnis verdeutlichte die Ökonomin mit einem Bild: „Wenn wir heute über Digitalisierung reden und über die Arbeit der Zukunft, müssten wir eigentlich von Drachen und Prinzessinnen sprechen.“ Der Drache stehe für die Ängste, die mit dem digitalen Wandel einhergehen – etwa vor Arbeitsplatzverlusten. Die Prinzessin hingegen symbolisiere die Chancen.

Zwischen diese beiden Pole brachten Ulrike Baumöl und ihr Team nun mehr Licht: Sichtbar wurde, dass sich Stellenprofile durch die Digitalisierung durchaus verschieben – wenn auch „nicht total fundamental“. Empathie, soziale Fähigkeiten und Vernetzung seien wesentliche Vorrausetzungen, um gewinnbringend in einer robotisierten Welt zusammenzuarbeiten. Folglich schloss die Wissenschaftlerin ihre Präsentation mit einem Appell: „Fördern wir Menschen und bewahren nicht Stellen!“

Frau und Mann diskutieren vor Publikum, beide mit Mikrofonen Foto: FernUniversität
Einblick in die Welt der Wirtschaft gab Sabine Lange von Innogy: Die E.ON Tochtergesellschaft will in ihrer Personalpolitik zu neuen Ufern ausbrechen.

Impulse aus der Wirtschaft

Im Anschluss erhielten die Gäste „Insides“ aus der Geschäftswelt: Sabine Laute ist Personalentwicklerin bei der E.ON-Tochtergesellschaft Innogy SE in Dortmund. Sie stellte die mit ihrer Beteiligung vorangetriebene „Innovation und Transformation der HR-Funktion“ vor. Unter anderem benannte sie drei Kernziele, die den innerbetrieblichen Prozess prägen: Erstens müsse die Selbstverantwortung fürs Lernen gestärkt werden, zweitens seien neue Lernlösungen zu schaffen und drittens arbeite man daran Berührungsängste zu überwinden.

Was tragen die Hochschulen bei?

Der zweite Teil des Symposiums wandte sich direkt dem Bildungssektor zu. Dr. Mathias Winde vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft präsentierte eine Analyse zu „Future Skills“. Daraus leitete er wichtige Handlungsfelder für Hochschulen ab: Allen voran die Konzipierung neuer Studiengänge, die Weiterentwicklung von Curricula, die Förderung von „Data Literacy“, die Schaffung neuer Lernumgebungen sowie die Nutzung von Plattformmodellen für das Lebenslange Lernen.

Prof. Pellert schloss daran an und schilderte ihre Sicht als Rektorin. Keine Sorgen mache sie sich um die Hochschulen, was die wissenschaftliche Verarbeitung der Digitalisierung angeht. Oft seien die Bildungseinrichtungen auf inhaltlicher Ebene sogar gerade diejenigen, die wichtige Themen prägen. Nicht aus den Augen geraten sollten hingegen die sogenannten „good old values“ der akademischen Lehre – wie Kreativität, Analyse- und Problemlösungsfähigkeit – sowie soziale Kompetenzen. Im „Bildungs-Ökosystem“ brauche es auch hierfür „richtige Spezialisten“. Zudem betonte Ada Pellert, dass sich die Art des Lernens an sich weiter verändern und noch flexibler werden müsse.

Sechs Personen auf dem Podium Foto: FernUniversität
In gemeinsamer Runde diskutierten (v. li.) Moderator Jan-Martin Wiarda, Mathias Winde vom Stifterverband, Barbara Dorn von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, FernUni-Prorektor Prof. Uwe Elsholz, MdL Dietmar Bell und FernUni-Rektorin Prof. Ada Pellert.

Aus Vergangenheit für Zukunft lernen

In eine ähnliche Richtung ging Prof. Dr. Elsholz, an der FernUniversität Prorektor für Weiterbildung, Transfer und Internationalisierung. Unter anderem plädierte er dafür, die Lehre nicht nur auf den einseitigen Wissenserwerb anhand festgelegter Qualifikationsziele auszurichten. Wichtig sei die Ausbildung von Kompetenzen, die dabei helfen, sich in mehrdeutigen, unsicheren und komplexen Situationen zurechtzufinden. Auch er hob die tragende Rolle der Weiterbildung für die Zukunft der Arbeit hervor.

PD Dr. Markus, der an der FernUniversität das Lehrgebiet Mediendidaktik vertritt, blickte zunächst auf das humboldtsche Bildungsideal zurück und zog dann Parallelen zu aktuellen Forderungen. „Humboldt hat versucht, zwei Dinge zusammenzubringen, die heute noch sehr aktuell sind. Nämlich die Philosophie, die Aufklärung, und die Technologie, den Buchdruck“, erinnerte der Bildungswissenschaftler.

Keep on Running

Den Abschluss bildete eine Diskussion zwischen Prof. Elsholz, Prof. Pellert, Mathias Winde, Barbara Dorn von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und dem NRW-Landtagsabgeordneten Dietmar Bell, Vorsitzender der Enquete-Kommission „Digitale Transformation der Arbeitswelt in NRW“. Ein wichtiger Konsens zwischen Gesprächsgästen und Publikum wurde dabei bekräftigt. Er ist so einfach wie wirkmächtig: Angesichts der Digitalisierung müssen alle Akteurinnen und Akteure – egal ob in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Bildung – in Bewegung bleiben.

Benedikt Reuse | 15.10.2019