„Abkommen zu beiderseitigem Nutzen“

Menschen sitzen ringsum einen großen Arbeitstisch, auf dem viele Computer stehen. Foto: FernUniversität
Fruchtbare Zusammenarbeit auf dem Hagener Campus (v.li.): Die Promovierenden Yonchanok Khaokaew und Supaporn Simcharoen, Jakkaphan Tutanabat, Lehrstuhlinhaber Prof. Herwig Unger, Akademischer Rat Dr.-Ing Mario Kubek, Taveenun Gamolped, Kilit Tantitakoon und Auttapol Siriwaramas

„Diplomaten würden von einer klassischen Win-Win-Situation sprechen“, sagt Prof. Dr.-Ing. habil. Herwig Unger über die wissenschaftliche Kooperation der FernUniversität in Hagen mit der King Mongkut's University of Technology North Bangkok (KMUTNB). Der Inhaber des Lehrstuhls Kommunikationsnetze blickt inzwischen auf mehr als zehn Jahre Zusammenarbeit mit der thailändischen Hochschule zurück. Zusätzlich zur produktiven wissenschaftlichen Kooperation ebnet seit 2016 ein gemeinsames Programm den Weg für binationale Promotionsvorhaben.

Der Austausch hat nicht nur inhaltliche, sondern auch personelle Auswirkungen: Zurzeit arbeitet Supaporn Simcharoen, eine thailändische Regierungsstipendiatin und Doktorandin, bei Prof. Unger. Zudem verstärken vier Bachelorstudierende der Bangkoker Faculty of Applied Science das Team. Während ihres dreimonatigen Praktikums werden sie von Yonchanok Khaokaew betreut, der im Rahmen seiner binationalen Promotion im Lehrgebiet forscht. Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit der Gastforschenden steht die Entwicklung einer Suchmaschine, die im Gegensatz zu herkömmlichen Diensten nicht als sammelwütige „Datenkrake“ operiert, sondern auf einem dezentralen System basiert.

Die Websuche ist nicht das einzige gemeinsame Forschungsfeld: Auch das Beraterprojekt „University 4.0 – Challenges and Opportunities“ wird über Landesgrenzen hinweg betrieben. Es soll die akademische Infrastruktur fit für die digitale Zukunft machen. Zum wiederholten Mal ist Asst. Prof. Dr. Maleerat Sodanil von der Faculty of Information Technology der KMUTNB zu Gast auf dem Hagener Campus. Sie unterstützt den Lehrstuhl von Prof. Unger für zwei Monate. „Ich bin seit 2008 jedes Jahr an der FernUniversität, um vor Ort mit dem deutschen Team zusammenzuarbeiten“, so die thailändische Wissenschaftlerin. Das Hochschulberaterprogramm wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert.

Hohe Kompetenz

„Das Abkommen ist von beiderseitigem Nutzen“, erklärt Prof. Unger. Die ausländischen Forschenden erhalten durch ihren Aufenthalt an der FernUniversität beste Referenzen. Im Gegenzug profitiert die Hochschule von ihren hochqualifizierten Gästen aus Asien. „Selbst die Bachelorstudierenden sind Top-Kräfte“, betont Prof. Unger das immense Know-How seiner neuen Teammitglieder. „Leider nehmen viele Menschen Thailand bloß als ein Schwellenland wahr. Dabei sind die asiatischen Länder in Sachen Mobiltechnik sehr viel weiter als wir. Für uns gibt es dort viel zu lernen.“

An dem gewinnbringenden Dialog zwischen Bangkok und Hagen beteiligen sich inzwischen auch mehrere andere Professoren der Fakultät für Mathematik und Informatik: Dekan Prof. Dr. Jörg Desel (Softwaretechnik und Theorie der Programmierung), Prof. Dr. Jörg Keller (Parallelität und VLSI), Prodekan Apl. Prof. Dr. Zhong Li und Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Halang (ehemals Lehrstuhl für Informationstechnik) bringen sich jeweils in die Kooperation ein.

Benedikt Reuse | 23.05.2018