Mobile Learning Day an der FernUniversität

Foto: FernUniversität
Durch die Jubiläumsausgabe führte Prof. Dr. Claudia de Witt, die zusammen mit ihrem Team den Mobile Learning Day seit 2008 organisiert und durchgeführt hat.

Ein Kunde beschwert sich in einer Supermarkt-Filiale, weil das Unternehmen seiner 16-jährigen Tochter ständig Online-Werbung für Umstandsmoden und Babynahrung aufs Smartphone-Display schicke: „Wollen Sie sie dazu ermutigen, minderjährig schwanger zu werden?“ Tags darauf meldet sich der Marketingchef des Unternehmens telefonisch bei der Familie und will sich entschuldigen. Da entgegnet der Kunde kleinlaut: „Nein, ich muss mich entschuldigen. Hier sind offenbar Dinge vorgefallen, die ich nicht wusste. Meine Tochter ist schwanger.“

Der Supermarkt wusste also eher Bescheid als der Vater.

Mit dieser anschaulichen Anekdote zeigte Prof. Andreas Wagener in seiner Keynote auf dem Mobile Learning Day, dass Menschen im Netz Spuren hinterlassen. Für den Wirtschaftswissenschaftler von der Hochschule Hof beeinflusst der Einsatz Künstlicher Intelligenz bereits heute unseren Alltag, „oft ohne dass wir dies bemerken“. Der Trend, so Wagener, werde in naher Zukunft deutlich zunehmen: Daten und Algorithmen und ihre intelligente Anwendung durch autonome Autos, Maschinen und Roboter werden die Bedingungen des wirtschaftlichen Erfolges, aber auch das gesellschaftliche Miteinander maßgeblich bestimmen.

KI im Straßenverkehr: „Woher soll eine Maschine Moral können?“

Ein Vortragener steht auf der Bühne. Foto: FernUniversität
Prof. Wagener: „Daten und Algorithmen werden das gesellschaftliche Miteinander maßgeblich bestimmen.”

Stichwort selbstfahrende Autos: In brenzligen Situationen im Straßenverkehr müsse die KI blitzschnelle Entscheidungen treffen, die möglicherweise auch über Leben und Tod entscheiden. „Woher soll die Maschine Moral können? Wie entscheidet sie, wer sterben soll?“, fragte Wagener.

Die Art und Weise, wie Menschen Wissen und Information aufnehmen und verarbeiten, ist durch KI und Datennutzung im Wandel – mit weitreichenden Auswirkungen auch im Bildungsbereich. Prof. Wagener zeigte Risiken, aber auch Chancen für Hochschulen auf: So konnten Forschende am Karlsruher KIT mithilfe von Algorithmen inzwischen potenzielle Studienabbrecher frühzeitig erkennen. Sie nutzen Leistungsübersichten und biographische Daten der Studierenden und die Software sagte nach einem Semester mit hoher Wahrscheinlichkeit voraus, wer Studienabbrecherin oder Studienabbrecher wird.

Zehnte Ausgabe: Der Mobile Learning Day feierte runden Geburtstag

Die Keynote von Andreas Wagener war der Auftakt des zehnten Mobile Learning Day an der FernUniversität, zu dem die Forschungsgruppe Mobile Learning unter der Leitung von Prof. Claudia de Witt geladen hatte. Innovative technologische Entwicklungen und didaktische Konzepte in den Kontexten Hochschule und Wirtschaft sind kennzeichnend für die Fachtagung. In diesem Jahr standen kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im Fokus, dazu gab es eine Kooperation mit dem Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum eStandards und Wisnet. In kurzen Impulsvorträgen gaben Referentinnen und Referenten am Vormittag Einblicke in die Welt des mobilen Lernens in Unternehmen und Hochschulen:

Den Vormittag schloss ein kleiner Diskurs zur Zukunft von KMUs mit der Referentin und den Referenten unter der Moderation von Prof. de Witt.

Business Intelligence trifft auf Mobile Learning

Im zweiten Teil der Fachtagung übernahm das Team vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum eStandards die Moderation. In einer Art World Café gingen die Teilnehmenden an sechs Ständen der Frage nach, welche digitalen Medien sich für Wissenserhalt und -transfer in Unternehmen nutzen lassen.

Wie man Lehrvideos mit Autorentools erstellt, zeigten die FernUni-Expertinnen und -Experten von e-KOO, der Koordinationsstelle für E-Learning und Bildungstechnologien. Weiteres Beispiel: Sonja Bernecker stellte ihr Projekt „Learning at the Point of Danger“ von Dekra Media vor, das mithilfe so genannter eBeacons funktioniert: Der Beacon – deutsch: Leuchtturm – sieht aus wie ein kleiner Radiergummi und sendet Daten zur richtigen Zeit an den passenden Ort. Im Fall der Dekra-Mitarbeitenden sind das deren Smartphones, die sicherheitsrelevante Inhalte auf einer Baustelle anzeigen.

Abschließend konnten die Gäste des Mobile Learning Day die Offene Werkstatt des Kompetenzzentrums eStandards auf dem FernUni-Campus besichtigen.

Oliver Baentsch | 04.12.2018