„Integration kann gelingen“

Podium mit sieben Personen Foto: FernUniversität
Das Podium diskutierte...

Die Fragen nach Identität, Integration oder Inklusion lassen sich nicht an einem Abend klären. Die erste Veranstaltung in der neuen Reihe „ImPuls: Politischer Salon Hagen“ von FernUniversität, Theater Hagen und Emil-Schumacher-Museum erreichte dennoch ihr Ziel: Auch nach dem offiziellen Teil diskutierten Gäste und Podiumsteilnehmende vor der Saaltür rege weiter darüber, was Integration bedeutet und wie sie – auch in Hagen – gelingen kann. Das Thema war auf breite Resonanz gestoßen und hatte viele auf den Campus gelockt.

„Wenn alle ein wenig nachdenklicher nach Hause gehen und sagen, den einen oder anderen Aspekt habe ich so noch nicht gesehen, dann hat der Salon sein Ziel erreicht“, hatte Prof. Dr. Ada Pellert als Rektorin der FernUniversität in Hagen den Abend vor vollbesetzten Stuhlreihen eröffnet. Das Thema „Integration: Chancen – Konflikte – Paradoxien“ hatte viele gelockt: Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte der Stadtverwaltung, einzelne Parteienvertreterinnen und -vertreter.

Zusammenwachsen führt zu Streit

Den roten Faden für den „Politischen Salon“ hatte zu Anfang Andreas Meyer-Lauber gesponnen, ehemaliger Landesvorsitzender des DGB und Hochschulratsmitglied an der FernUniversität. Er stellte als Grundlage für die Gespräche das 2018 erschienene Buch des Soziologen Aladin El-Mafaalani vor: „Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“. Der Autor vertritt darin die These: Je stärker die Gesellschaft zusammenwächst, desto heftiger fallen die Auseinandersetzungen aus.

Streit gab es beim „Politischen Salon“ keinen, da sich schnell ein Grundkonsens herausstellte: „Integration kann gelingen“. Unterschiedliche Meinungen zeigten sich allerdings in Begrifflichkeiten, Leitbildern und Zielvorstellungen: Spricht man von Integration oder Inklusion? Ist es einer pluralen Gesellschaft noch angemessen, Menschen über ihre Herkunft zu „definieren“? Unterscheiden sich die Wertvorstellungen der Menschen unterschiedlicher Herkunft?

Verändert Migration die Identität aller Menschen? Müssen wir ein neues Verständnis von Zugehörigkeit aushandeln? Ist die Akzeptanz „Anderer“ vom Bildungsgrad abhängig?

Auf dem Podium setzten sich damit Sükrü Budak (Integrationsrat Hagen), Güler Kahraman (Kommunales Integrationszentrum Hagen), Prof. Dr. Ada Pellert und Prof. Dr. Katharina Walgenbach (FernUniversität) sowie Andreas Meyer-Lauber auseinander.

Ein einzelner Mann steht in vollbesetzten Stuhlreihen und spricht in ein Mikrofon. Foto: FernUniversität
...mit dem Publikum.

Integration in Hagen

Hagen ist eine der Städte in NRW mit dem höchsten Anteil an Menschen, die eine Zuwanderungsgeschichte haben – fast 40 Prozent von 190.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Somit stand auch die Frage danach im Raum, wie Integration in der Stadt gelingt.

Es kommt offensichtlich darauf an. Denn: „Wen wollen wir integrieren: Die neu Hinzugezogenen oder die, die vor 40 oder 50 Jahren nach Deutschland gekommen sind?“, antwortete Sükrü Budak mit einer Gegenfrage. Die größte Gruppe „neu Hinzugezogener“ nach Hagen stellen aktuell Sinti und Roma.

„Wir müssen Angebote schaffen, den Menschen Zugang zu Sprache und zum Arbeitsmarkt ermöglichen. Die Angebote müssen aber auch angenommen werden“, sagte Güler Kahraman – und ergänzte: „Für die Integrationsdienste benötigen wir Fachkräfte.“ Die Diskussion um Integration in Hagen geht auf politischer Ebene weiter: mit einem Integrationskonzept, das das Kommunale Integrationszentrum gemeinsam mit anderen Institutionen entwickelt hat.

Anja Wetter | 21.05.2019