Die FernUniversität in Hagen feiert Wissenschaft und Demokratie

1918, 1938, 1989 – diese drei Jahreszahlen markieren historische Wendepunkte, die sich jeweils am 9. November ereigneten: Den Fall der Berliner Mauer vor 29 Jahren, die Reichspogromnacht vor 80 Jahren und die Ausrufung der Republik vor 100 Jahren. Für die FernUniversität in Hagen war dieses Datum Anlass, bei ihrem Dies Academicus am 9. November 2018 nicht nur auf das ausklingende akademische Jahr zurückzuschauen, sondern an den Beginn der parlamentarischen Demokratie zu erinnern.

Die Aktualität der Weimarer Republik

Dazu hatte die FernUniversität einen der renommiertesten Zeitgeschichtler Deutschlands eingeladen: Prof. Dr. Ulrich Herbert vom Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Leibniz-Preisträger des Jahres 1999 hat seine akademische Karriere unter anderem an der FernUniversität begonnen, wo er von 1984 bis 1992 als wissenschaftlicher Assistent tätig war und sich 1992 habilitierte. In seinem Vortrag „Weimarer Verhältnisse“ spannte er den Bogen von der Gründung der ersten Republik in Deutschland im Jahr 1918 bis in die Gegenwart.

Herbert sieht trotz mancher Parallelen aktuell keinen Grund für Alarmismus, wenn die Bundesrepublik die heute oftmals verkannten Errungenschaften der ersten Republik bewahrt: „Die Welt geht nicht unter, wenn sechs statt drei Parteien im Bundestag sitzen, wenn die Volksparteien keine mehr sind, wenn eine deutschnationale Gruppierung mit nach rechts offenen Rändern in den Parlamenten sitzt. Sie ginge aber unter, wenn wir das beste Erbe Weimars verrieten, das 1933 zerstört wurde: die offene, pluralistische, vielfarbige, streiterprobte Gesellschaft, die sich holistischen, aufs Ganze zielenden, Minderheiten verachtenden, totalitären Konzepten kompromisslos entgegenstellt.“

Die Rolle der Wissenschaft für die Demokratie

Die Rektorin der FernUniversität Prof. Dr. Ada Pellert betonte den hohen Stellenwert, den die Demokratieforschung in Hagen einnimmt. Fakultätsübergreifend beschäftigen sich Forschende der Geschichtswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, aber auch aus der Psychologie und sogar der Mathematik mit den Grundlagen und Herausforderungen unseres Gemeinwesens. „Unsere Universität ist aber nicht nur ein Ort, an dem Demokratie erforscht wird, sie ist auch eine Einrichtung, die wichtige Grundlagen für die Demokratie legt“, so die Rektorin. „Denn moderne Demokratien brauchen die Wissenschaft. Wissenschaftliche Erkenntnisse fundieren Entscheidungsprozesse, die sich ansonsten nur an Meinungen oder – schlimmstenfalls – Stimmungen orientieren.“ In ihrem Rückblick auf das akademische Jahr ließ die Rektorin die vielfältigen Leistungen in Forschung und Lehre und hochschulpolitischen Entwicklungen Revue passieren, die die FernUniversität im Jahr 2018 bewegt haben.

  • Die Preise für die hervorragenden Examensarbeiten stiftete die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität. Der Vorstandsvorsitzende Frank Walter überreichte sie an:

    • Christiane Marx (Grafing), Bachelorarbeit „Die Haftung des Plattformbetreibers für marken- und wettbewerbsrechtliche Verletzungen“, Prof. Dr. Barbara Völzmann-Stickelbrock (Rechtswissenschaftliche Fakultät);
    • Arndt Regorz (Bochum), Bachelorarbeit „Vergangene und drohende Arbeitslosigkeit als Prädiktoren von Ageism“, Prof. Dr. Oliver Christ (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften);
    • Tim Gemkow (Berlin), Bachelorarbeit „Datenstrukturen für höherdimensionale k-Nearest-Neighbor-Anfragen“, apl. Prof. Dr. Christian Icking (Fakultät für Mathematik und Informatik);
    • Alexander Auf dem Keller (Frankfurt am Main), Masterarbeit „Die Finalität der Europäischen Union – rechtliche Rahmenbedingungen einer Weiterentwicklung der EU“, Prof. Dr. Andreas Haratsch (Rechtswissenschaftliche Fakultät);
    • Lara Hannekum (Weyhe), Masterarbeit „Folgen emotionalen Missbrauchs in der Kindheit: Die mediierende Rolle dysfunktionaler Emotionsregulationsstrategien“, Prof. Dr. Christel Salewski (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften);
    • Benjamin Hilprecht (Staßfurt), Masterarbeit „Gitteralgorithmen zum SVP und CVP und deren Anwendungen“, Prof. Dr. Luise Unger (Fakultät für Mathematik und Informatik);
    • Adrian Sauer (Tuttlingen), Bachelorarbeit „Ein zeitorientiertes Dekompositionsverfahren zur Lösung des dynamischen mehrstufigen Mehrprodukt-Losgrößenplanungsmodells MLCLSP“, Prof. Dr. Andreas Kleine (Fakultät für Wirtschaftswissenschaft);
    • Petros Karantonis (Mönchengladbach), Masterarbeit „Multivariate Modellierung der kurz- und langfristigen Volatilitätstransmissionen und Korrelationen von Rohstoff- und Aktienmärkten - Theoretische und empirische Analyse am Beispiel Deutschlands und der Russischen Föderation“, Prof. Dr. Hermann Singer (Fakultät für Wirtschaftswissenschaft).
  • Die Auszeichnung für die besten Promotionsarbeiten stiftete die FernUniversität in Hagen. Die Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert überreichte die Preise an:

    • Dr. med. Dr. phil. Florian Sturm (Berlin), „Handlungsverantwortung und psychische Störung“, Prof. Dr. phil. Dr. med. h.c. Jan P. Beckmann (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften);
    • Dr. Katharina Kühne (Hagen), „Die Entwicklung des Internetstrafrechts unter besonderer Berücksichtigung der §§ 202a-202c sowie §303a und 303b StGB“, Prof. Dr. jur. Dr. phil. Thomas Vormbaum und Prof. Dr. Stephan Stübinger (Rechtswissenschaftliche Fakultät);
    • Dr. Robert Philipowski (Koblenz), „Tax Competition – Theoretical Analysis beyond Nash Equilibrium“, Prof. Dr. Thomas Eichner und Prof. Dr. Joachim Grosser (Fakultät für Wirtschaftswissenschaft);
    • Dr. Daniel Spiekermann (Arnsberg), „Netzwerkforensik in virtuellen Umgebungen“, Prof. Dr. Jörg Keller (Fakultät für Mathematik und Informatik) und Prof. Dr. Tobias Eggendorfer (Isny).

Auszeichnungen

Beim Dies Academicus blickte die FernUniversität nicht nur auf das vergangene Jahr zurück, sondern feierte auch besondere Leistungen ihrer Lehrenden und Studierenden. Der Prorektor für Studium und Lehre Prof. Dr. Sebastian Kubis zeichnete gemeinsam mit der Rektorin drei Professorinnen und Professoren mit ihren wissenschaftlich Mitarbeitenden mit dem Lehrpreis aus, deren Lehrveranstaltungen von den Studierenden im vergangenen Jahr am besten bewertet wurden.

Die Enervie Südwestfalen Energie und Wasser AG stiftete in diesem Jahr erstmals den Enervie Preis für herausragende Abschlussarbeiten, die sich mit energiewirtschaftlichen Fragestellungen beschäftigen. Der Enervie-Preis wurde vom Vorstandssprecher des Unternehmens, Erik Höhne, überreicht. Preise für hervorragende Examensarbeiten förderte in diesem Jahr erneut die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität. Ihr Vorsitzender Frank Walter zeichnete vier Bachelor- und drei Masterabsolventinnen und -absolventen aus. FernUni-Rektorin Ada Pellert verlieh zum Abschluss des Dies die von der FernUniversität gestifteten Preise für die vier besten Promotionsarbeiten der vergangenen zwölf Monate.

Stephan Düppe | 06.12.2018