Controlling im Profifußball und E-Sport

ein Mann im  Business-Dress spielt Fußball im Stadion Foto: AmriPhoto/E+/Getty Images
Controlling ist ein fester Bestandteil des Profifußballs geworden. Ein Erfolgsrezept ist es aber nicht.

Der Ball rollt wieder in der Fußball-Bundesliga. Zum Start der neuen Saison spricht Prof. Dr. Jörn Littkemann von der FernUniversität in Hagen über Controlling im Profifußball, die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die noch junge E-Sport-Branche. Der Wirtschaftswissenschaftler leitet den Lehrstuhl für BWL, insb. Unternehmensrechnung und Controlling und forscht seit über 20 Jahren zu Themen des Profifußballs. Ursprünglich war es seine Intention, die Lehre über Beispiele aus dem Fußball praxisnah, greifbar und spannend aufzubereiten.

Frage: Mit der neuen Saison kehren die Fans in die Fußballstadien zurück. Wie beeinflusst die Corona-Pandemie das Controlling im Profifußball mit Blick auf reduzierte Zuschauerzahlen und Einbußen in Millionenhöhe?

Jörn Littkemann: Die Controlling-Tätigkeit als solche wird durch die Corona-Krise nicht berührt, die Einnahmen der Klubs natürlich schon. Mit Blick auf die reduzierten Zuschauerzahlen muss man den Ball flach halten. Der Anteil der Einnahmen aus Zuschauerzahlen bei Fußball-Bundesligisten liegt mittlerweile nur noch zwischen zehn und dreizehn Prozent, wenn die Stadien voll sind. Das ist nur ca. ein Zehntel der Gesamteinnahmen. Die Spielergehälter sind das eigentliche Problem, die im Schnitt 50 bis 60 Prozent bei den Ausgaben ausmachen. Wenn in der Pandemie ein paar Prozent bei den Einnahmen wegbrechen, kann das zu einem großen Minus führen, falls die Spielergehälter nicht angepasst werden können. Dann kriegen die Klubs wirtschaftlich ein Problem.

Frage: Das Controlling hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Bundesliga-Fußball etabliert. Ein Erfolgsrezept ist es aber nicht.

Littkemann: Das ist so! Die Controllingtätigkeit – das gilt nicht nur für Fußball, sondern für jede Branche – bedeutet ja nichts anderes, als Zahlen aufzubereiten, zusammenzustellen, zu analysieren und mit den Führungskräften zu diskutieren. Nehmen wir Schalke 04 als Beispiel, die haben eine gute und funktionierende Controlling-Abteilung. Das mag man nach dem Abstieg in der vergangenen Saison kaum glauben. Nichtsdestotrotz können Management und Führungskräfte die falschen Entscheidungen treffen. Wenn die Zahlen Richtung A zeigen und das Management sich dennoch für Alternative B entscheidet aufgrund einer anderen Risikoeinstellung, kann das Controlling noch so schön gerechnet haben. Zumindest kann man aber nachher über die Dokumentation nachvollziehen, warum man sich geirrt hat.

Portrait eines Mannes Foto: Hardy Welsch

Nehmen wir Schalke 04 als Beispiel, die haben eine gute und funktionierende Controlling-Abteilung. Das mag man nach dem Abstieg in der vergangenen Saison kaum glauben. Nichtsdestotrotz können Management und Führungskräfte die falschen Entscheidungen treffen.

Prof. Dr. Jörn Littkemann

Frage: Inwiefern können Aspekte der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz das Controlling verbessern?

Littkemann: Es wird alles etwas moderner. Dashboards sind im Trend, um Daten aufzubereiten. Da spart man sich ein bisschen Aufwand. In den meisten mittelständischen Unternehmen läuft das Controlling aber immer noch über Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen. Künstliche Intelligenz sehe ich im Controlling nicht wirklich. Automatismen im Reporting kann man darüber machen, aber das betrifft Routinedaten. Wenn Sie in die Zukunft blicken, dann kann Ihnen auch das beste KI-System nur die Daten der Vergangenheit aufrechnen und eine Prognose machen. Ob Sie diese dann für richtig oder falsch erachten, das liegt beim Menschen. Da geht auch in Zukunft kein Weg dran vorbei.

Leitbild und Controllingverständnis

Der Lehrstuhl legt den Controllingbegriff weit aus und fasst darunter die effektive sowie effiziente Planung und Kontrolle von Betriebs- und Geschäftsprozessen zum Zweck der Unternehmenssteuerung. Ziel des Controllings ist es, das Management bei Entscheidungen zu unterstützen, um die gesteckten wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.

Frage: Ihr Lehrstuhl beschäftigt sich auch mit dem Controlling in der noch jungen E-Sport-Branche. Wo liegen die Unterschiede zum Profifußball?

Littkemann: Den E-Sport, also den sportlichen Wettkampf mit Computerspielen, haben wir jetzt neu in unsere Forschung aufgenommen. Wir haben dazu eine wissenschaftliche Veröffentlichung vorbereitet, die Anfang des kommenden Jahres erscheinen wird. Controlling im E-Sport ist noch gar nicht ausgereift. Die Ansatzpunkte, was man machen könnte, haben wir zusammengestellt. Das Prinzip ist ja immer das gleiche. Die Einnahmen sollen langfristig die Ausgaben übersteigen. Junge Branchen sind zunächst primär ausgabengetrieben und demzufolge oft Controlling-fern. Irgendwann wollen die Geldgeber aber Rendite sehen. Dann beginnt die Zeit des Controllings. Ich glaube, dass der E-Sport eine Branche ist, die sich halten wird. Die Pandemie hat ihr nochmal einen Schub gegeben. Spitzenspieler in Deutschland verdienen inzwischen sechsstellig im Jahr. Natürlich hat jede Branche ihre Eigenarten, wie im E-Sport die reine Vermarktung übers Internet. Außerdem gibt es mehrere Verbände und Wettbewerbe. Das macht es intransparent. Daher ist es schwieriger als im Profifußball, wo sie ihre Einnahmen abgesehen von den Transferentschädigungen und Einbußen innerhalb einer Pandemie über die nächsten drei Jahre (gemessen an der Laufzeit der zentral vermarkteten Fernsehrechte) in einem gewachsenen Ligensystem gut planen können.

 

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Carolin Annemüller | 08.09.2021