Beziehungen zwischen Gruppen verbessern

Drei Frauen, lächelnd. Eine mit Urkunde und Sektflasche Foto: Anke Jürgens
Dr. Sarina Schäfer (li.) gratulierten Prof. Dr. Christel Salewski als Vorsitzende des Promotionsausschusses und Dr. Andrea Kettenbach als Geschäftsführerin der Fakultät für Psychologie.

Keine eineinhalb Jahre liegt es zurück, dass sich an der FernUniversität in Hagen eine eigene Fakultät für Psychologie gegründet hat. Jetzt freut sie sich über ihre erste Promovendin: Dr. Sarina Schäfer schrieb ihre Dissertation über das Thema „Understanding the Effects of Positive and Negative Intergroup Contact“. Sie ist als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet „Psychologische Methodenlehre und Evaluation“ tätig. Dessen Leiter Prof. Dr. Oliver Christ war Erstgutachter der Dissertationsschrift; das Zweitgutachten kam von Prof. Dr. Ulrich Wagner (Universität Marburg).

„Wir leben leider in Zeiten, in denen Diskriminierung und Konflikte zwischen Gruppen zum Alltag gehören“, erklärt Sarina Schäfer die Motivation hinter ihrer Arbeit. „Meine Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie man die Beziehungen zwischen Gruppen verbessern kann.“ Ein bereits etablierter Forschungsstrang in diesem Gebiet nimmt den positiven Intergruppenkontakt in den Blick. „Er besteht zum Beispiel, wenn man Freunde findet, die der anderen Gruppe angehören. Das führt dazu, dass sich Vorurteile nicht nur gegenüber dieser einen Person, sondern der ganzen Gruppe gegenüber abbauen.“

Beide Seiten berücksichtigt

Das Neue an Schäfers Ansatz ist, dass sie auch die schlechten Erlebnisse zwischen sozialen Gruppen miteinbezieht. „Ich wollte wissen, wie das Zusammenspiel von positiven und negativen Erfahrungen funktioniert. Macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob man zuerst die einen oder die anderen sammelt?“ Zudem untersuchte die Psychologin, wie sich die Intensität einzelner Erlebnisse auswirkt. Um neue Erkenntnisse zu gewinnen, veranstaltete Schäfer Gruppen-Experimente mit Studierenden verschiedener Hochschulen und analysierte das Verhalten von Testpersonen in strukturierten Interaktionen, wie sie auch in der Spieltheorie genutzt werden.

Erster Eindruck wichtig

Sarina Schäfers Arbeit zeigt eindeutige Linien auf: Wie intensiv die Eindrücke jeweils ausfallen, spielt bei den Effekten von guten Erfahrungen eine größere Rolle als bei denen von schlechten. Weiterhin fand sie heraus, dass der erste Eindruck tatsächlich zählt: Früher negativer Kontakt scheint die Effekte späterer positiver Erfahrungen zu dämpfen – und umgekehrt. Unterm Strich verdeutlichen die Ergebnisse, wie wichtig es für die künftige Forschung ist, beide Arten von Intergruppenkontakten zu bedenken. Aus ihren Studien zieht die Psychologin übrigens auch eine versöhnliche Nachricht: „Klar, es gibt negativen Kontakt zwischen Gruppen, aber er ist viel seltener als der positive.“

Benedikt Reuse | 24.04.2020