Damit ein einziges Treffen genügt

Frau an Monitor mit Videokonferenz Foto: pixelfit/E+/Getty Images
Gut für die Umwelt? Virtuelle Treffen machen Flugreisen oft unnötig. Allerdings ist auch bei der Auswahl digitaler Tools wichtig, auf ökologische Aspekte zu achten.

In einer globalisierten Welt ist internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Sie hat aber auch ihren Preis: Jede Flugreise produziert Treibhausgase, jedes Meeting im Ausland verbraucht Ressourcen, jeder Kontakt bedeutet derzeit ein Gesundheitsrisiko. Oft gilt für internationale Beziehungen deshalb: „Weniger ist mehr!“ Diesen Sinnspruch hat sich auch das kooperative „The One Meeting Project“, kurz ONE, auf die Fahne geschrieben. Das neue Vorhaben wird von der FernUniversität in Hagen koordiniert und tritt mit dem Ziel an, internationale Arbeitsprozesse zu optimieren. Dafür sucht ONE nach neuen Wegen, um Teamwork jenseits von Ländergrenzen auf ein gemeinsames Treffen zu verdichten. Im Ausgleich soll die Qualität der virtuellen Kommunikation steigen. Das Projekt möchte internationale Vorhaben damit agiler und ökologischer machen – und zugleich sozialverträglich halten.

Die Corona-Krise stellt die Art, wie Menschen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, auf den Kopf. Laut Prof. Dr. Eva Cendon, FernUni-Forscherin und Konsortiums-Leiterin von ONE, ergeben sich daraus zwei Grundfragen: „Wie gehen internationale Projekte mit nicht planbaren Situationen um?“ Und angesichts der ohnehin notwendigen Neuausrichtung: „Wie lässt sich gute internationale Zusammenarbeit nachhaltiger gestalten?“ Prof. Cendons Lehrgebiet „Wissenschaftliche Weiterbildung und Hochschuldidaktik“ arbeitet zur Projektkoordination eng mit dem International Office der FernUniversität zusammen. Rasch fanden sich Verbündete in ganz Europa – von anderen Fernuniversitäten bis hin zu privaten Partnern aus dem Bildungssektor (s. Infobox). Die Europäische Kommission kofinanziert ONE über das Programm Erasmus+.

Wissen, Werkzeuge und Weichenstellung

ONE möchte internationalen Projekten auf die Sprünge helfen, ist gleichzeitig aber auch selbst ein internationales Projekt. „Damit sind wir im Grunde unserer eigener Testballon“, erklärt Eva Cendon. Aus den Lehren der eigenen experimentellen Zusammenarbeit wollen die Mitglieder eine Reihe von anschlussfähigen Ergebnissen ableiten. „Erstens möchten wir ein Bewusstsein für unser Thema schaffen“, fasst die FernUni-Forscherin zusammen. Zweitens soll ein Werkzeugkoffer mit nachhaltigen und nutzungsfreundlichen Tools entstehen, die den virtuellen Austausch erleichtern. „Drittens wollen wir einen frei zugänglichen Guide entwickeln, der erklärt, wie man mit nur einem Meeting auskommt.“

In seiner Einzigartigkeit müsse dieses Treffen vor Ort dann umso produktiver ausfallen. Keine leichte Aufgabe. Auch hierzu möchte „The One Meeting Project“ Wissen sammeln und bereitstellen. Für Cendon steht fest: „Der interkulturelle Austausch ist sehr zentral in internationalen Projekten. Es ist wichtig, sich persönlich kennenzulernen und ein Gefühl füreinander zu entwickeln. Dem einen Treffen sollte deshalb eine besondere Bedeutung zukommen.“

Foto: FernUniversität
Als Wissenschaftlerin ist Prof. Eva Cendon international unterwegs. Die Corona-Krise hat auch ihren Arbeitsalltag drastisch verändert.

Zielgruppen in Forschung und Bildung

Doch wen genau adressiert ONE? Zurzeit steht vor allem der hochschulische Forschungs- und Bildungsbereich im Fokus. „Wir haben uns hier vier Zielgruppen in den Blick genommen“, sagt Cendon. „Als erstes die International Offices von Universitäten.“ Sie sind zentrale Anlaufstellen für die meisten internationalen Vorhaben und besitzen den Zugang zu wichtigen Förderern, Netzwerken und Infrastrukturen. „Die zweite Zielgruppe sind Menschen wie ich: die Leitenden von internationalen Projekten.“ In deren Händen liegen zum Beispiel Planung, Beantragung, Steuerung und Kommunikation.

Drittens möchte ONE das Management von Hochschulen ansprechen. Bestenfalls kommt es zu einem gesamt-institutionellen Umdenken, zum Beispiel in puncto Reiseaktivität oder digitalem Arbeiten. „Im letzten Schritt geht es uns um größere europäische Stakeholder. Sie interessieren sich zum Beispiel für die Effizienz oder die Finanzierung von Projekten.“ Geldgeberinnen wie die Europäische Kommission könnten freigewordene Mittel, die sie etwa für Reisen einsparen, anderweitig den Förderprojekten zur Verfügung stellen. Auch hier möchte ONE für die Zukunft beraten.

Projektpartnerinnen und -partner

Mitglieder bei „The ONE Meeting Projekt“ sind neben der FernUniversität in Hagen das Europäische Bildungsnetzwerk „eucen“, die italienische Università di Milano-Bicocca, die spanische Universitat Oberta de Catalunya, die finnische University of Jyväskylä sowie die privaten Unternehmen „momentum“ und „canice consulting“.

 
 

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Benedikt Reuse | 25.06.2021