Training im echten Gerichtssaal

Frauen und Männer in schwarzen Roben lächelnd Foto: FernUniversität
Übungsverhandlung im Schwurgerichtssaal (v.li.): Gina Watzel, Prof. Sebastian Kubis, Susanne Lassak, Richter Christian Potthast, Sandra Weddewer und Richterin Inga Schulz

Bieten, Ersteigern, Kaufen: Online-Auktionsplattformen sind beliebt. Doch bisweilen kommt es bei den Transaktionen zu dubiosen Vorkommnissen und Betrügereien – mit entsprechenden juristischen Folgen. Ein Betrugsfall bildete jetzt die inhaltliche Grundlage eines Moot Courts im Schwurgerichtsaal des Hagener Landgerichts. Vier Jurastudentinnen der FernUniversität in Hagen nahmen daran teil. Die juristische Simulation wurde von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät gemeinsam mit dem Landgericht veranstaltet. In Teams aus Klägerinnen und Beklagten spielten die Fernstudentinnen den an einen tatsächlichen Prozess angelehnten Fall durch. Im Vorfeld hatten die Teilnehmerinnen mehrere Wochen Zeit zur Vorbereitung. So fertigten sie zum Beispiel professionelle Schriftsätze an, die am Verhandlungstag vom Gericht bewertet wurden.

Der Moot Court war Teil eines bundesweiten Wettbewerbs, der jährlich von der Jurastudierendenvereinigung ELSA-Deutschland e.V. (European Law Students' Association) ausgerichtet wird. Er gliedert sich in einen Bundesentscheid, Regionalentscheide und Lokalentscheide – zu denen auch die Simulation im Hagener Schwurgerichtsaal zählte. Julian Scheele leitete die Organisation vonseiten der Hochschule. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am von Prof. Dr. Sebastian Kubis geleiteten Wilhelm Peter Radt Stiftungslehrstuhl für bürgerliches Recht, gewerblichen Rechtsschutz, internationales Privat- und Zivilprozessrecht.

Echte Richterinnen und Richter

Nicht nur der wirklichkeitsnahe Fall, bei dem es um einen zweifelhaften Kontotransfer nach einem Online-Kauf ging, schuf Authentizität. Für Realismus sorgten auch echte Juristinnen und Juristen auf der Richterbank: Christian Potthast, Richter am Amtsgericht Wetter, leitete die Verhandlung. Erste Beisitzerin war Inga Schulz, Richterin vom Landgericht Hagen. Als zweiter Beisitzer wirkte Prof. Dr. Sebastian Kubis. Der FernUni-Professor betont: „Die Ausrichtung des ELSA Moot Courts bereichert die juristische Ausbildung an der FernUniversität um ein wichtiges Element. Die Verbindung von Theorie und Praxis ist gerade in der Rechtswissenschaft von besonderer Bedeutung.“

Erfolgreich verteidigt

Die Klägerinnen Susanne Lassak und Sandra Weddewer machten es dem gegnerischen Team nicht leicht. Dennoch verließen am Ende die Verteidigerinnen Gesa Bälz und Gina Watzel den Saal als Siegerinnen. Auf die beiden wartet nun die nächste Runde des ELSA Moot Courts: der Regionalentscheid im Kammergericht Berlin. Hier haben die Fernstudentinnen die Chance, sich für das große Finale vor dem Bundesgerichtshof zu qualifizieren.

Benedikt Reuse | 24.05.2018