Hybrides Lehren und Lernen

Vier Personen sitzen an einem Seminartisch. Eine Frau hält ein Tablet in den Händen. Foto: Volker Wiciok
Am Hybridseminar nimmt man online oder in Präsenz teil.

Mikrofone in der Decke, vorn steht ein 2 x 1,5 Meter großer Monitor mit Touchscreen, in den ein PC fest eingebaut ist. Die Kamera richtet sich auf Dr. Roland Maeß aus, sein Hybridmentoriat startet. Maeß ist Fachbetreuer im Regionalzentrum Berlin der FernUniversität. Vor allem betreut er Module wie Investition und Finanzen, Internes und externes Rechnungswesen, Mikroökonomik oder Globalisierung und internationale Wirtschaftsbeziehungen.

Das Hybrid-Modell bietet Maeß für alle Wahlpflichtmodule im Bachelor und Master an; für die wirtschaftswissenschaftlichen und mathematischen Grundlagen setzt er auf Präsenz. „Der klare Vorteil von virtuellen Angeboten ist, dass man von zu Hause aus teilnehmen kann – auch vom Ausland aus. Früher sind durchaus Studierende aus Russland und Korea angereist.“ Zum Einsatz kommt eine Konferenzsoftware, die sich an der FernUni bewährt hat.

Auf den persönlichen Austausch setzt Maeß trotz aller Virtualität. „Viele Inhalte sind mündlich leichter zu vermitteln, man kann durchaus umgangssprachlicher formulieren. Das hilft häufig, kompliziertere Inhalte zu verstehen.“

Individuelle Unterstützung

Im Schnitt sitzen 20 Studierende in einem Mentoriat – „und alle haben ähnlich gelagerte Probleme, also struktureller Art.“ Als Mentor unterstützt er die Studierenden individuell und kann sich auf ihre Bedarfe einlassen.

Ein mann steht an einem Whiteboard. Vor ihm sitzen mehrere Personen in Tischreihen. Foto: FernUniversität
„Die Kunst ist, die Studierenden online zu aktivieren und einzubinden“, sagt Mentor Roland Maeß.

Maeß kennt die Probleme, mit denen Fernstudierende insbesondere zu Beginn ihres Studiums kämpfen. Er ist selbst Absolvent der FernUniversität und hat an ihr promoviert. Seine damalige Freundin und heutige Frau hat ihn „mitgezogen“. Als gelernter Bankkaufmann liegt ihm der Umgang mit Zahlen, das Studienfach Wirtschaftswissenschaft war schnell gewählt.

„Insofern weiß ich, welche Hürden das Fernstudium mit sich bringt und wie sehr man an seinen Fähigkeiten zweifelt.“ Gegen Ende seines Studiums zweifelte er selbst nicht mehr. Im Gegenteil, er hängte die Promotion an und blieb der FernUniversität als Mentor verbunden.

Im Laufe seiner Jahre als Fachbetreuer hat er festgestellt: „Neben dem festen Willen zum Lernen hilft eine gute Portion sportlicher Ehrgeiz, um das Fernstudium durchzuhalten. Man muss sich an Herausforderungen messen wollen.“

Über Mentoriate

Die Mentorinnen und Mentoren betreuen Studierende in fachwissenschaftlichen Fragen; sie stehen in engem Kontakt zu den Lehrgebieten. Die Fachberatung erfolgt webbasiert, in einigen Studiengängen modul- oder kursbezogen. Als zusätzliches Angebot gibt es Klausurvorbereitungen. Die Betreuungszeiten liegen in der Regel in den späten Nachmittagsstunden oder an Wochenenden.

„Lernprozess für alle“

Seit die Regionalzentren Hybridveranstaltungen anbieten, schlägt das Pendel weiter zugunsten von virtuellen Angeboten aus: „Die Kunst ist, die Studierenden online zu aktivieren und einzubinden. Manchmal fehlt die Rückkopplung und man bekommt keine Antworten auf seine Fragen. Präsenz heißt schon, bewusster dabei zu sein.“ Deshalb ist er dankbar, wenn sich wenigstens ein paar Studierende vor Ort einfinden.

Munter genutzt wird die Chatfunktion der Konferenzsoftware: Die Studierenden stellen ihre Fragen schriftlich, Maeß greift sie dann in seinen Ausführungen auf. Inzwischen hat Maeß seinen Unterrichtsstil an die hybride Form angepasst. „Power-Point-Folien sind sinnlos geworden, viel zu schnell.“ Auf leeren Folien entwickelt er die Inhalte, Rechnungen und Modelle. Künftig will er mehr mit didaktischen Szenarien experimentieren. „Hybridveranstaltungen sind für alle ein Lernprozess.“

Ihre Erfahrungen im Seminar bei Maeß schildert Studentin Julia Hauptmann: „Ich finde die Hybridvariante großartig – es ist eine hervorragende Möglichkeit, ohne größere Fahrzeiten am Ball zu bleiben. Auch in puncto Barrierefreiheit sind die Hybride eine wunderbare Ergänzung. Ich selbst bin sehbehindert und am heimischen Bildschirm kann ich alles optimal auf meine Bedürfnisse anpassen.“

Pilot Berlin

Bis Ende des Jahres werden alle Regionalzentren der FernUniversität mit der fest eingebauten Technik ausgestattet sein. Berlin war Pilotstandort, hier starteten im Herbst 2017 die ersten Hybridmentoriate. „Der Umgang mit den Geräten und der Software ist reine Gewohnheitssache“, bilanziert Maeß. Die Studierenden können ihrerseits auf Tools zum Testen zurückgreifen, ob und wie stabil alles auf ihren Rechnern läuft. „Bei Problemen geben sie sich untereinander Tipps“, ist Maeß‘ Erfahrung.

Anja Wetter | 01.03.2019