Frischer Wind für die Mathematik und Informatik

Portrait Foto: FernUniversität
Fachmediendidaktiker Marc Olschok

Die Rede von „Innovationen“ und „Digitalisierung“ ist nicht neu – in Politik, Gesellschaft und auch im Bildungsbereich sind die Begriffe zu ständigen Begleitern geworden. Damit sie nicht als bloße „Buzzwords“ im Raum stehen, müssen Konzepte tatsächlich umgesetzt werden. Einer, der Hand anlegt, ist Dr. Marc Olschok: An der FernUniversität in Hagen sorgt er dafür, dass die digitale Entwicklung einen möglichst großen Mehrwehrt für Studierende und Lehrende bringt. Seit 2018 arbeitet er als Fachmediendidaktiker an der Fakultät für Mathematik und Informatik, wo er neue didaktische Ansätze im Pilotstudiengang B. Sc. Mathematik erprobt. Neben ihm gibt es noch drei weitere Fachmediendidaktiker auf dem Campus. Sie betreuen jeweils die Bachelor-Studiengänge Kulturwissenschaften, Psychologie und Rechtswissenschaften. Die Experten gehören zum Projekt Lehrbetrieb, das hochschulweit Neuerungsprozesse anstößt. Ziel des Teams ist es, das Lehr- und Lernangebot der FernUniversität sukzessive zu verbessern.

Bei der Arbeit profitiert Marc Olschok von seinem zweifachen Knowhow: Zum einen kennt er sich mit Didaktik aus, zum anderen hat er als promovierter Mathematiker den passenden fachlichen Bezug – in seiner Position ist das eine gute Mischung: „Ich besetze die Schnittstelle zwischen allen, die an den Digitalisierungsprojekten beteiligt sind.“ So vermittelt er zwischen den Lehrenden, der Projektleitung sowie dem Zentrum für Medien und IT der FernUniversität.

Pionierarbeit aus Tradition

Die Ergebnisse der Pilotierung sollen am Ende der gesamten Fakultät zugutekommen. Was das konkret bedeutet, zeigt Olschoks aktueller Arbeitsschwerpunkt: Die vorhandenen didaktischen Angebote der Fakultät sollen sich unter dem Dach der Online-Plattform Moodle vereinen. Angesichts der großen Fülle, nimmt dieser Prozess einige Zeit in Anspruch. Schon seit jeher ist die Fakultät mit Experimentierfreude und starker Technikaffinität an ihre Lehre herangegangen. „Die Digitalisierung ist bei uns bereits seit mindestens 17 Jahren da. Unsere Fakultät war immer eine Pionierin in der Bereitstellung ihrer Materialien in digitaler Form“, unterstreicht Olschok.

Hände bedienen Smartphone Foto: Volker Wiciok
Das Studium an der FernUniversität funktioniert ortsunabhängig und flexibel – digitale Technik hilft dabei.

Die Offenheit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedingte jedoch im Laufe der Zeit eine immense Bandbreite an Vermittlungsformaten: „Entgegen dem Klischee ist die Kommunikation in der Mathematik und Informatik extrem wichtig. Die Lehrenden haben deshalb den Anspruch, keine Kanäle zu den Studierenden zu schließen. Das hat dazu geführt, dass wir an der Fakultät sehr viele verschiedene Systeme benutzen.“

Neues und Altes sinnvoll kombinieren

Die Moodle-Umgebung soll den Lernenden nun erleichtern, sich inmitten der Vielfalt zurechtzufinden. Künftig ermöglicht die Online-Plattform den einheitlichen Zugang zu sämtlichen Lehrveranstaltungen. Die neue Struktur bedeutet jedoch nicht, dass Lehrende und Lernende auf bewährte und notwendige Mittel verzichten müssen: Hinter der nutzungsfreundlichen Präsentationsebene (dem sogenannten Frontend) von Moodle bleiben unverzichtbare Systeme bestehen; je nach Bedarf erfolgt eine Umleitung zu ihnen. „Wichtig ist, dass man die Brücken hinter sich nicht abbricht“, betont Olschok. In diesem Sinne ständen auch weiterhin Textformate, allen voran die klassischen Studienbriefe – gedruckt oder als PDF – im Zentrum der Lehre.

Das Festhalten an etablierten Formaten hat seine Gründe. „Aus meiner Sicht haben wir als FernUniversität drei zentrale Versprechen an die Studierenden“, erklärt Olschok. „Sie können bei uns studieren, ganz egal, wo sie sind; ganz egal, wie ihr individueller Zeitplan aussieht; und ganz egal, über welche technische Infrastruktur sie verfügen. Denn nicht alle sitzen an irgendwelchen Highspeed Internet-Anschlüssen. Da wollen wir keine Türen zuschlagen!“

Weg zu weiteren Innovationen offen

Demnach muss niemand befürchten, durch die Neustrukturierung abgehängt zu werden. Das didaktische Portfolio der Lehrgebiete vergrößert sich aber dennoch Stück für Stück. Dort, wo es sinnvoll ist, ergänzen innovative Zusatzangebote die bestehenden Inhalte. Olschok hilft den Lehrenden bei der Umsetzung ihrer Ideen. Inzwischen kommen bei Moodle verschiedene H5P-Erweiterungen zum Einsatz – zum Beispiel Videos und interaktive Quizformate. Demnächst soll es auch automatische Tests auf Basis des Plug-ins „Stack“ geben. Neben der Moodle-Nutzung, die Marc Olschok vorantreibt, liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem vermehrten Einsatz von Videoschaltungen via Adobe Connect – etwa in speziellen Hybrid-Mentoriaten.

In den einzelnen Lehrgebieten wird sich zeigen, auf welche Weise die neuen digitalen Möglichkeiten am besten anzuwenden sind. In einem Punkt ist sich der Fachmediendidaktiker schon jetzt sicher: „Wir haben hier an unserer Fakultät keine Probleme mit Lehrenden, die mit der Technik nicht klarkommen.“

Benedikt Reuse | 24.09.2019