Intensive Diskussionen bei Bioethik-Sommerschule in Kroatien

Eine Gruppe von Frauen und Männern sitzt in einem Saal rund um ein Tisch-Oval. Foto: Peter Selhausen
Nicht nur nach den Fachvorträgen,...

Eine einwöchige Sommerschule hat das Lehrgebiet „Praktische Philosophie – Ethik, Recht, Ökonomie“ der FernUniversität in Hagen in Trogir, nahe bei Split in Dalmatien, durchgeführt. Es war bereits die sechste Bioethik-Sommerschule, für die es verantwortlich war. Außer der FernUniversität waren auch diesmal wieder die Universitäten Zagreb, Sofia, Thessaloniki und Kreta sowie die Politische Akademie in Tutzing mit von der Partie. Neu dabei waren die Universität von Split, die kroatische Gesellschaft für Bioethik und das kroatische Exzellenzzentrum für Integrative Bioethik. Darüber hinaus waren Dozentinnen, Dozenten, Studentinnen und Studenten aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Österreich und der Ukraine dabei: „Wir bringen Studenten und Dozenten aus verschiedenen Ländern zusammen, sie können gemeinsam fragen und Antworten erarbeiten, sich philosophisch austauschen und in vielen Fällen auch über die Sommerschulen hinaus miteinander fachlich und freundschaftlich verbunden bleiben“, berichtet Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann. Der Direktor der Veranstaltungsreihe „Bioethics in Context“ kann in diesem Jahr gleichzeitig auf zehn Jahre Integrative Bioethik an der FernUniversität zurückschauen.

Philosophische Grundfragen und aktuelle Herausforderungen

Die Tage in Trogir standen unter dem Thema Human Beings – Nonhuman Beings – Nature“. Hiermit wurden einerseits Grundfragen des Philosophierens überhaupt aufgegriffen, andererseits aktuelle Themen und Fragestellungen, die sich durch die offensichtliche Verletzlichkeit der Natur und die Möglichkeiten moderner Biotechnologien ergeben.

„In Vorträgen, Seminaren und Workshops wurden normative und anwendungsbezogene Fragen erörtert. In verschiedenen Beiträgen wurde hervorgehoben, dass wir seit der Neuzeit Natur von einer Perspektive des Machens her begreifen, was im Laufe der Zeit zu einer wirklichen Bedrohung geworden ist: für nichtmenschliche Wesen, die Natur als Ganze und freilich den Menschen selbst. Wir haben die Philosophiegeschichte auf Alternativen hin befragt und Denker wie Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Whitehead und Jonas mit aktuellen Herausforderungen in ein Gespräch gebracht“, wie Dr. Marcus Knaup vom Lehrgebiet Philosophie II erläutert.

Intensive Diskussionen auch in Pausen und am Strand

„Es war eine wertvolle Erfahrung in akademischer, kultureller und sozialer Hinsicht. Die unter fachübergreifenden Gesichtspunkten diskutierten Themen waren sehr interessant. Die Sommerschule inspirierte mich zu weiterer Forschung auf dem weiten Gebiet der Bioethik. Ich habe Professoren und Studenten getroffen, mit denen ich in Zukunft an vielen Projekten zusammenarbeiten kann", so Joana Hankollari, die am Mutter Teresa-Krankenhaus in Tirana (Albanien) arbeitet und gerne auf die Sommerschule in Kroatien zurückblickt.

Dem stimmt auch ihr Hagener Kommilitone Peter Selhausen zu, der ebenfalls Mediziner ist und an der FernUniversität mit Begeisterung Philosophie studiert: „Wie lassen sich Fragen, die sich mir im Arbeitsalltag stellen, philosophisch begründen? Was macht den Menschen zur Person? Wie überdauert die Person die Zeit? Die Summer School in Trogir beleuchtete diese und viele weitere, mir oft noch ungeahnte Fragen aus ganz verschiedenen Perspektiven.“

Nicht nur nach den Fachvorträgen, sondern auch in den Pausen und abends am Strand oder bei einem Glas Wein konnte man mit den Dozentinnen und Dozenten und den Kommilitoninnen und Kommilitonen intensiv über bio- und medizinethische Fragen diskutieren, wie seine Hagener Kommilitonin Dr. med. Eva-Maria Frittgen begeistert hervorhebt.

Einig waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass die schon sprichwörtliche kroatische Gastfreundschaft sowie die wunderschöne Umgebung ein Grund mit waren, dass sich alle in Trogir wohlfühlen konnten.

Erfolgreiche Sommerschulreihe wird fortgesetzt

Das freut natürlich besonders Prof. Hoffmann. „Auch im kommenden Jahr soll es im Juni wieder eine Sommerschule geben: ‚Medizin zwischen Heilkunst und Wissenschaft‘ wird der Titel sein. Inhaltlich wird es dabei um die Frage nach der Art und Besonderheit medizinischen Wissens, nach dem Arzt-Patient-Verhältnis und dem Arztethos in Zeiten der Verwissenschaftlichung und Technokratisierung gehen“, wie der Philosoph und Medizinethiker verrät.

Eine Gruppe von Frauen und Männern steht auf dem Strand vor einem blauen Himmel Foto: Luca Janes
...sondern auch abends am Strand konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv über bio- und medizinethische Fragen diskutieren.
Pressestelle | 23.09.2019