FernUni-Professor gewinnt VHB-Lehrbuchpreis 2020

Foto: Hardy Welsch
FernUni-Professor Rainer Baule gewinnt den VHB-Lehrbuchpreis 2020.

Seit 2012 ist Rainer Baule Professor an der FernUniversität in Hagen und Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Bank- und Finanzwirtschaft, an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft. Seine Arbeit an der FernUni inspirierte ihn auch zu seinem ersten Lehrbuch „Finanzwirtschaftliches Bankmanagement: Bankkalkulation, Risikomanagement und Regulierung“. Diese Leistung würdigt der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) mit dem Lehrpreis. Der Preis wird jährlich vom Verband vergeben und zeichnet das Engagement der Mitglieder in der betriebswirtschaftlichen Lehre aus.

Mangel an Literatur im Finanzwirtschaftlichen Bankenmanagement

Rainer Baule ist studierter Mathematiker, der sich schon früh in seiner Ausbildung für Wirtschaftszusammenhänge interessierte. „Über meine Ausbildung konnte ich mein Interesse zum Beruf machen.“ Sein aktuelles Werk ist ein allgemeines Lehrbuch zum Bankenmanagement und legt dabei den Fokus auf finanzwirtschaftliche Zusammenhänge eines Bankbetriebs wie die Kalkulation von Bankgeschäften oder das Risikomanagement. „Meine Motivation, das Buch zu schreiben, war auch, dass es gerade in diesem Bereich nur wenige Lehrbücher gibt“, erzählt der FernUni-Professor.

Lehrtätigkeit an der FernUni war Basis für sein Lehrbuch

Seine Arbeit an der FernUniversität hat maßgeblich zum Buch beigetragen, da diese anders als bei Präsenzuniversitäten stärker auf Lehrtexte setze. „Mit der gedanklichen Arbeit habe ich bereits seit meinem Arbeitsantritt hier an der FernUni begonnen. Ich dachte, damals schon, dass ich die Inhalte, die ich lehre, auch gerne zu einem Buch verarbeiten möchte“, sagt Baule. Er hat sich für das Lehrbuch konkrete Fallstudien, Rechnungen und Beispiele überlegt, die auf seiner langjährigen Erfahrung basieren.

Herausforderungen der deutschen Banken

Im Buch „Finanzwirtschaftliches Bankenmanagement“ skizziert der Autor auch die Herausforderungen der Banken. Baule erklärt hierbei, dass die andauernde Niedrigzinsphase eine große Rolle spielt. Durch sie haben gerade Institute wie die Sparkassen und Volksbanken einige Vorteile eingebüßt. Früher hatten die genannten Banken den Vorteil, sich über die große Masse an Kleinanlegern günstig zu refinanzieren. Dieser falle jetzt weg, weil kaum noch Zinsen gezahlt werden und umgekehrt sind auch die Zinsen, die Banken einnehmen konnten, gesunken. Seit etlichen Jahren beobachtet er, wie es bei Banken zum Kostendruck kommt und dieser zu massiven Fusionen führt. „Wenn man sich die deutsche Bankenlandschaft anschaut, gibt es noch halb so viele Bank-Filialen wie vor zehn Jahren, weil diese zusammengelegt worden sind“, so Rainer Baule.

Foto: Westend61/Getty Images
Zwar stehen wir noch am Anfang der Corona-Krise, doch sie wird sich auch auf die Banken auswirken.

Was bedeutet die Corona-Krise für die Banken?

Der FernUni-Professor sagt, dass die Corona-Krise ganz anders strukturiert sei als die damalige Finanzkrise im Jahr 2007. „Wir steuern auf eine globale Rezession zu. Die Corona-Krise wird auch nicht vor den Banken Halt machen“. Allerdings stehen wir noch am Anfang und viele Finanz-Expertinnen und -Experten können noch nicht absehen, wie sich die Lage in Deutschland und in der Welt entwickeln wird. Dennoch meint er, dass es trotz Beteuerungen unserer Regierung nicht vermeidbar sei, dass es verstärkt zu Insolvenzen kommen werde. Gerade kleinere und mittelständische Betriebe leiden sehr unter der Krise. Er befürchtet, dass nicht allen Betrieben schnell geholfen werden könne. Die Krise wird nach Baules Einschätzung nicht ohne eine erhebliche Quote an Insolvenzen und Arbeitslosigkeit an Deutschland vorbeigehen.

Die Banken tragen als Finanzierer der Unternehmen ein Risiko, wenn mögliche Kredite eventuell nicht zurückgezahlt würden. Allerdings sieht Rainer Baule die Bankenlandschaft momentan noch gut aufgestellt. „Aus der Finanzkrise hat man einiges gelernt: Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten wie damals, und auch die Regierung wird mit großen Hilfspaketen dazu beitragen, dass wir hoffentlich von einer großen Wirtschaftskrise verschont bleiben“, so der FernUni-Professor. Er gehe momentan nicht davon aus, dass die Corona-Krise zur einer „Pleite-Welle“ bei den Banken führen werde, unter der Voraussetzung, dass sich die Krise nicht zuspitze.

Banking der Zukunft

Das Banking der Zukunft wird unabhängig von Krisen immer digitaler. „Der Trend der Digitalisierung ist auch bei den Bankgeschäften gegeben“, so Rainer Baule. Der persönliche Kontakt nehme zwar ab, dennoch schätzt er, dass es in den nächsten Jahren gerade bei größeren Finanzierungen immer noch Beratungsgespräche geben werde. Auch bei großen Unternehmen gäbe es immer noch das Hausbankprinzip. Bei internationalen Unternehmen wie BMW erklärt Baule, sieht der Prozess anders aus. Diese Unternehmen wenden sich direkt an den Kapitalmarkt und sammeln das Geld von Investoren ein. Auch FinTechs spielen nach seiner Einschätzung eine große Rolle im Banking der Zukunft. Sie übernehmen mehr und mehr die Geschäfte der klassischen Banken. Einige Banken beteiligen sich bereits an FinTechs, um von ihren Innovationen zu profitieren und dem Prozess entgegenzuwirken. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit eine Kooperation zwischen Banken und FinTechs funktionieren wird, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen.


Foto: Schäffer-Poeschel Verlag

Klappentext Finanzwirtschaftliches Bankmanagement

Buch: Finanzwirtschaftliches Bankmanagement: Bankkalkulation, Risikomanagement und Regulierung

mehr Infos

Banken sehen sich derzeit vielfältigen Herausforderungen gegenüber: Die Auswirkungen der globalen Finanzkrise klingen noch nach, die Phase niedriger bis hin zu negativen Zinsen bringt klassische Geschäftsmodelle ins Wanken, und durch digitale Innovationen von FinTech-Unternehmen entsteht zusätzliche Konkurrenz. In diesem stets komplexer werdenden Umfeld ist es mehr denn je notwendig, Bankgeschäfte hinsichtlich ihrer Ertragschancen und Risiken adäquat analysieren zu können, um betriebswirtschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen. Dieses Ziel wird von dem vorliegenden Lehrbuch verfolgt – Bankkalkulation umfasst die interne Erfolgsrechnung und die Zuordnung von Kosten und Leistungen auf dezentrale Einheiten sowie die Ableitung von Steuerungsimpulsen für die Gesamtbank; Risikomanagement bedeutet Erkennen, Messen und Steuern vielfältiger finanzwirtschaftlicher Risiken; Regulierung bildet einen zentralen Teil des institutionellen Rahmens, innerhalb dessen sich Banken bewegen. Dabei sind entsprechende Kenntnisse nicht nur innerhalb einer Bank von Interesse, sondern auch in vielfältigen anderen Zusammenhängen – sei es bei der Kreditbeantragung in einem Start-up-Unternehmen, bei dem Management von Wechselkursrisiken in einem Industriebetrieb oder bei der Entwicklung eines automatisierten Verfahrens zum Credit Scoring in einem FinTech-Unternehmen.