NRW-Wissenschaftsministerium fördert Digitalisierungsprojekt mit 80.000 Euro

Foto: Jakob Studnar

Politik und Gesellschaft werden immer internationaler, die Verwaltung in Staat, Regionen und Kommunen wandelt sich. Fundierte Kenntnisse zum Verständnis der aktuellen Entwicklungen vermittelt der Masterstudiengang „Politikwissenschaft – Regieren und Partizipation“ der FernUniversität in Hagen. Er ging zum Wintersemester 2019/20 aus dem damaligen Studiengang „Governance“ hervor und ist mit fast 900 Studierenden der größte Master-Studiengang der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften.

„Politikwissenschaft – Regieren und Partizipation“

Der Studiengang „Politikwissenschaft – Regieren und Partizipation“ zeichnet sich durch die Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen effektivem Regieren und demokratischer Partizipation auf allen territorialen Ebenen aus. Studierende erwerben und vertiefen dabei Kompetenzen in der forschungsorientierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit und Analyse von Politik im Wirkungszusammenhang mit der Gesellschaft.

Jetzt wird mit Förderung der nordrhein-westfälischen Landesregierung ein Pflichtmodul durch das Projekt „Digital Mainstreaming in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre“ (DigiStream) so weiterentwickelt, dass es den Qualifikationsanforderungen entspricht, die sich aus der digitalen Transformation ergeben. Das NRW-Wissenschaftsministerium unterstützt dieses Projekt mit 80.000 Euro. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller und Dr. Sonja Blum (Lehrgebiet Politikfeldanalyse & Umweltpolitik).

Das konsekutive Master-Fernstudium „Politikwissenschaft – Regieren und Partizipation“ vermittelt den Studierenden Kompetenzen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft. Exemplarisch steht hierfür das vom Lehrgebiet Politikfeldanalyse & Umweltpolitik angebotene Modul MV2, eines von fünf Pflichtmodulen in der Vertiefungsphase. Die Inhalte seiner drei Kurse sind von zentraler Bedeutung im Hinblick auf Potenziale und Auswirkungen der Digitalisierung.

Foto: Hardy Welsch
Prof. Annette Elisabeth Töller

„Digital Mainstreaming in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre“ wird das jetzige Modul „Staat und Wirtschaft in der Globalisierung“ grundlegend reformieren. Weil sich die erforderlichen fachlichen, methodischen sowie sozialen Kompetenzen ändern, soll „Digitalisierung“ mithilfe des Projekts nachhaltig als Querschnittsmaterie im Modul verankert werden.

Damit „DigiStream“ den Qualifikationsanforderungen entspricht, die sich aus der digitalen Transformation ergeben, haben die curricularen Weiterentwicklungen drei Ziele: Eine Reihe aktivierender Video-Vorlesungen soll Formen und Folgen der Digitalisierung vermitteln und deren kritische Reflektion fördern. Zu einem eigenständigen, fundierten Umgang mit wissenschaftlichen Texten soll ein Set von Video-Tutorials befähigen. Ein Pilotprojekt zur „multimedialen Kursarbeit“ als innovativer Prüfungsform soll Studierende selbst zu aktiven Gestaltenden der Digitalisierung machen. Zum Projekt gehört, gewonnene Erkenntnisse in den Studiengang einfließen zu lassen und sie auch darüber hinaus bekannt zu machen.

Foto: Frauke Brenne
Sonja Blum

Bei ihrer Modul-Entwicklung orientieren sich die Hagener Lehrenden auch an den besonderen Bedürfnissen der Studierenden im Studiengang. Im Durchschnitt sind sie 37 Jahre alt, etwa 80 Prozent sind gleichzeitig berufstätig und mehr als 70 Prozent studieren in Teilzeit. Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung des Studiengangs und weil viele Studierende ihr Studium mit Beruf bzw. Familie vereinbaren müssen, sind spezifische Lehr- und Lernarrangements notwendig.

Überzeugendes Konzept

Das Konzept der FernUni-Lehrenden überzeugte auch die Auswahlkommission für die Förderlinie Curriculum 4.0.nrw, die das nordrhein-westfälische Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Kooperation mit dem Stifterverband ausgeschrieben hatte. Darin geht es um die Gestaltung von Hochschulcurricula für die digitale Welt. Ziel ist, die Entwicklung von Digitalkompetenzen der Studierenden noch stärker in den Fokus zu rücken und die Hochschulen bei der Weiterentwicklung der Lehrpläne zu unterstützen. Zudem sollen die Vernetzung und der Informationsaustausch unter den geförderten Projekten an den Hochschulen unterstützt werden.

  • Mit ihrem Fernstudiensystem berücksichtigt die FernUniversität die Heterogenität ihrer Studierenden und unterstützt deren Bedürfnisse und Ansprüche auf vielfältige Weise. So erlaubt das Konzept des Blended Learning ein örtlich und zeitlich flexibles Studium. Um die Lernzeit den individuellen Erfordernissen anzupassen, können die Studierenden sich jedes Semester neu zwischen Vollzeit- und Teilzeitstudium entscheiden.

    Im Zuge der Corona-Krise zeigen sich die Vorteile des Fernlernens in besonderer Weise, z.B. physisch distanziert von Lehrenden und Mit-Studierenden lernen zu können, etwa im Homeoffice. Da die FernUniversität bereits seit 1974 akademische Fernlehre betreibt, konnte sie nicht nur pünktlich am 1. April mit dem Sommersemester 2020 beginnen, sondern auch Präsenzhochschulen – von denen viele verspätet am 20. April starteten – ihre Unterstützung bei der Digitalisierung ihrer Lehre anbieten. Dies ist für die FernUniversität weitaus mehr als ein 1:1-Umwandeln von Präsenz- in Online-Veranstaltungen. Vielmehr verbreitet sie auf der Grundlage ihres eigenen Blended-Learning-Konzeptes alle ihre Studieninhalte in medialer Form. Dabei nehmen digitale Formen bis hin zu Podcasts, Vodcasts, Vorträgen und Vorlesungen als Streams sowie Inhalten auf Lernplattformen wie Moodle etc. ständig zu. Die Unterlagen sind didaktisch so aufbereitet, dass die Studierenden sich ihre Inhalte selbst erarbeiten können. Die Kommunikation erfolgt über die gängigen elektronischen Technologien ebenso wie mit Chatprogrammen und in virtuellen Räumen, die auch für die Lehre genutzt werden. Die ebenfalls zum Konzept gehörende persönliche Präsenz bei einzelnen Lehrveranstaltungen, in Arbeitsgruppen oder bei Prüfungen wurde ebenso wie die wohnortnahe Betreuung wegen der Corona-Krise großenteils durch „digitale Präsenz“ ersetzt.

Gerd Dapprich | 03.07.2020