Die Folgen politischer Entscheidungen spielerisch einschätzen lernen

Das Leben ist kompliziert. Viel komplizierter, als es sich viele Menschen vorstellen. Vor allem Jüngere fordern für offensichtliche Probleme schnelle und einfache Lösungen. Das zeigen z.B. die „Fridays for Future“-Demos. Wie komplex die Folgen getroffener Entscheidungen dann sein können, welche neuen Probleme durch sie entstehen können, zeigt das Spiel „Verzwickte Bioökonomie“. Entwickelt wurde es im Lehrgebiet Politikfeldanalyse und Umweltpolitik (Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller) an der FernUniversität in Hagen.

Wissen und Erkenntnisse gewinnen

Es richtet sich in erster Linie an Jugendliche, die sich für Umweltthemen interessieren und die eine gewisse Vorbildung haben. Diese können sie auch auf der MS Wissenschaft erwerben, in deren Gesamtausstellung bei der Tour zum Wissenschaftsjahr 20201/21 das Hagener Exponat didaktisch eingebettet ist. Das Ausstellungsschiff lichtete den Anker am 30. Juli.

Genau genommen handelt es sich bei „Verzwickte Bioökonomie“ um ein Lernspiel, bei dem die Spielerinnen und Spieler eines gewinnen können: neues Wissen und Erkenntnisse. „Es kann frustrierend sein, wenn jede Lösung durch Zielkonflikte neue Probleme aufwirft“, betont Dennis Kurrek, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im FernUni-Lehrgebiet. Dann ist es gut, frühzeitig zu erkennen, dass dies passieren kann und mögliche Folgen mitzudenken. Biokraftstoffe und Nahrungsmittel konkurrieren um Ackerfläche, die politisch Verantwortlichen müssen entscheiden, was wichtiger ist und welche Folgen dies haben kann. Enttäuscht sein können so oder so umweltbewusste Menschen.

Foto: Bernd Müller
Dennis Kurrek

Die Spielerinnen und Spieler können anhand vorgeschlagener Antworten selbst entscheiden, wie reale Probleme gelöst werden sollten. Sie bekommen die Konsequenzen aufgezeigt und erfahren, wie die Politik tatsächlich mit dem Fall umgegangen ist.

Aus der Wissenschaft ins Spiel

Ziel war, so Dennis Kurrek, mit dem Spiel Wissenschaft für junge Menschen verständlich zu machen, ohne den Boden der Wissenschaft zu verlassen. Entstanden ist das Exponat im Rahmen des Forschungsprojektes „Politische Prozesse der Bioökonomie zwischen Ökonomie und Ökologie – BIO-ÖKOPOLI“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis Ende 2020 gefördert wird. Durchgeführt wird es in Kooperation zwischen der FernUniversität in Hagen und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Spielen auf dem Wissenschaftsschiff

Foto: Ilja Hendel / WiD
An Bord der MS Wissenschaft ist auch ein Exponat des Lehrgebiets Politikfeldanalyse und Umweltpolitik der FernUniversität.

Die – wegen der Corona-Krise – verspätete Tour mit dem Thema „Bioökonomie“ der MS Wissenschaft für das Wissenschaftsjahr 2020/21 führt bis Mitte Oktober in zunächst 19 deutsche Städte. Im nächsten Jahr wird sie fortgesetzt. Das Ausstellungsschiff ist mit zahlreichen Exponaten bestückt und fährt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Ausstellung richtet sich vor allem an Jugendliche ab 12 Jahren und Familien. Der Eintritt ist frei.

Mit an Bord ist eine interaktive Ausstellung zur Bioökonomie, die auf nachwachsende Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft und die Verwertung von Reststoffen setzt. Biologie-Interessierte können sich von den Möglichkeiten faszinieren lassen, die Algen, Pilze und viele andere Naturstoffe bieten. Technikfans können beim 3D-Druck aus pflanzenbasiertem Kunststoff dabei sein, Gourmets lernen neue Nahrungsmittel wie Insekten, Algen und Lupinen kennen.

Gerd Dapprich | 15.09.2020