Weiterbildung als Motor für Lebenslanges Lernen

Foto: Hardy Welsch
Prof. Dr. Eva Cendon

Lebenslanges Lernen an Hochschulen sowie die stärkere Verzahnung von beruflicher und hochschulischer Bildung in hochschulischen Lehr-Lernprozessen – das sind Themen, die Prof. Dr. Eva Cendon umtreiben, konzeptionell und forschend. Ihr Lehrgebiet bildet die Brücke zwischen den beiden Themen: Wissenschaftliche Weiterbildung und Hochschuldidaktik. Seit 1. März leitet die Bildungswissenschaftlerin das neu eingerichtete Lehrgebiet am Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung an der FernUniversität in Hagen.

Erfahrungswissen der Studierenden

„Es geht darum, Konzepte hochschulischen Lehrens und Lernens zu entwickeln und zu beforschen, die auf die Bedarfe und Erwartungen berufstätiger Studierender zugeschnitten sind“, beschreibt Cendon. „Mit der Diversität von Studierenden und ihrem Erfahrungswissen zu arbeiten ist für mich im Lehrgebiet zentral“, sagt Cendon.

Geleitet wird sie dabei von Fragen wie: Wie reflektieren Studierende ihre eigenen Lernprozesse während des Studiums? Insbesondere dann, wenn eine Ausbildung oder ein Erststudium bereits länger zurückliegen. Mit welchen Kompetenzen kommen die Studierenden? Und wie können diese noch besser in das Lehr-Lerngeschehen eingebunden werden? Damit verbunden sind auch Anforderungen an Hochschulen, über adäquate Formen der Anrechnung non-formal und informell erworbener Kompetenzen nachzudenken. „Denn“, so Cendon, „Lernprozesse finden auch außerhalb formaler Bildungseinrichtungen statt“.

Lehrverständnis der Lehrenden

Einfließen werden auch die Erkenntnisse zu Lehrenden – zu ihrem Verständnis von Lehre, zu ihren Lehrstrategien. Denn sie sind jene, die in unterschiedlichen Rollen das Lernen der Studierenden unterstützen sollen. Was stets mitschwingt: die Digitalisierung mit ihren Herausforderungen für Hochschulen. Die neuen Technologien wirken auf die Rollen von Lehrenden und Lernenden, auf die Formen des Lehrens und Lernens und nicht zuletzt auf die unterschiedlichen Zugänge zu Hochschulen.

Mit der Diversität von Studierenden und ihrem Erfahrungswissen zu arbeiten ist für mich zentral.

Prof. Eva Cendon

An der FernUniversität findet Eva Cendon viele Bezüge zu ihrem Lehrgebiet – und eine Universität, die ihr eigenes Studiensystem zum Forschungsgegenstand macht und die bereits über große Expertise beim Einsatz von Online-Formaten fürs Lernen verfügt. Zudem hat die FernUniversität den höchsten Anteil an Studierenden, die ohne Hochschulzugangsberechtigung ein Studium aufnehmen.

Durchlässigkeit zwischen Hochschule und Arbeitswelt

Diese Parameter kennt Wissenschaftlerin Cendon. Mit der FernUniversität ist sie bestens vertraut. Bisher war die Wissenschaftlerin eingebunden in die wissenschaftliche Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). „Hier spielt der Aspekt der Durchlässigkeit eine große Rolle“, beschreibt Cendon. Dem Projekt bleibt sie nach ihrem Positionswechsel in Leitungsfunktion verbunden. Erkenntnisse bringt sie in die Lehrkonzeption der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften ein.

Die Lehrgebietsinhaberin beschränkt sich dabei nicht auf den nationalen Raum. Sie ist gut vernetzt mit Forscherinnen und Forschern weltweit. Auf ihre Initiative hin tagte 2017 das Netzwerk „University of the Future“, dem sie selbst als Gründungsmitglied angehört, auf dem Campus in Hagen.

Auch in der Lehre hat sie viel vor: Die Umsetzung innovativer Lehr-Lernformate für den Bachelor-Studiengang Bildungswissenschaft und den Master-Studiengang Bildung und Medien: eEducation. „Ich freue mich sehr auf die Lehre, nachdem ich in den letzten beiden Jahren Lehre eher beforscht habe“, sagt sie.

Akademische Stationen

Auf ihr Thema ist sie im Laufe ihrer akademischen Jahre zugesteuert: Von der Erwachsenenbildung über das Feld lebenslanges Lernen und die Forschung zu bildungspolitischen Entwicklungen war der Schritt zur wissenschaftlichen Weiterbildung ein kleiner. Konzeptionell forschend war sie ohnehin schon unterwegs. „Tatsächlich rückte das Thema erst Anfang der 2000er-Jahre in Deutschland in den wissenschaftlichen Fokus. Es ist immer noch in der Entwicklung.“

Nach ihrer Ausbildung zur Grundschullehrerin, ihrem Pädagogikstudium und ihrer Promotion arbeitete Eva Cendon an der Donau-Universität Krems in Österreich im Bereich Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement. Von hier nahm sie den Faden auf und spann ihn schnell weiter. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen flossen ab dem Jahr 2008 in die Gründung und den Aufbau der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) in Berlin mit ein (heute: DUW Institut für Weiterbildung).

Sieben Jahre war sie der Institution verbunden, erarbeitete hochschuldidaktische Konzepte, initiierte den Forschungsbereich mit, implementierte ein Blended-Learning-Modell und entwarf Lehr-/Lernformate für ausschließlich berufsbegleitende, weiterbildende Studiengänge und Zertifikatsprogramme. „Das war eine Chance, eine solch‘ spezifische Uni aufzubauen – und ich kann Parallelen zu meiner heutigen Tätigkeit ziehen“, so Cendon.

Mögliche Kooperationen

Fast zeitgleich mit Cendons Start an der FernUni lief das Projekt „Wissenschaftliche Weiterbildung“ an: Die FernUniversität prüft die Gründung einer Service GmbH, die die Aktivitäten im Feld der wissenschaftlichen Weiterbildung bündelt und koordiniert. „Das ist eine zufällige Parallelität. Es gibt bestimmt Ansatzpunkte für Kooperationen – mindestens können wir Erfahrungen austauschen“, so Cendon.

Anja Wetter | 24.05.2018