„Vorgestellt“: Prof. Andreas Mokros

Ein Mann steht in einer Bibliothek: Prof. Andreas Mokros beschäftigt sich mit Psychopathie. Foto: FernUniversität
Prof. Andreas Mokros beschäftigt sich mit Psychopathie.

Prof. Mokros ist Psychologe und beschäftigt sich mit den besonders dunklen Seiten der menschlichen Persönlichkeit. Er hat als Gerichtsgutachter gearbeitet und Patienten mit schweren Störungen behandelt. Seit Mai 2017 leitet er an der FernUniversität in Hagen das Lehrgebiet Persönlichkeitspsychologie, Diagnostik und Beratung.

  • Liebe Hörerinnen und Hörer,

    für unsere Podcast-Reihe „Vorgestellt“ haben wir heute Prof. Dr. Andreas Mokros zu Gast im Studio. Ich bin Anja Wetter.

    Prof. Mokros ist Psychologe und beschäftigt sich mit den besonders dunklen Seiten der menschlichen Persönlichkeit. Er hat als Gerichtsgutachter gearbeitet und Patienten mit schweren Störungen behandelt. Seit Mai 2017 leitet er an der FernUni das Lehrgebiet Persönlichkeitspsychologie, Diagnostik und Beratung.

    FernUniversität: Herr Mokros, Sie gucken so viel in die Untiefen der menschlichen Psyche… Wie verhindert man da eigentlich, dass man besonders schlecht über seine Mitmenschen denkt?

    Andreas Mokros: Oh nein, ich will gar nicht den Eindruck erwecken, dass ich mich vorwiegend nur mit Untiefen beschäftige. Ich hoffe, dass es gelingt, ein zufriedener und optimistischer Mensch zu bleiben. Es ist vielleicht so, dass man an einigen Stellen seinen Mitmenschen mehr zutraut als andere, so dass man mehr Variationsbreite in die eine wie in die andere Richtung zutraut.

    Zutraut im Sinne von sozusagen Untaten?

    Ja, das die Bereitschaft da ist, nicht nur gut und richtig und sozial zu handeln, sondern wenn die Vorzeichen richtig gestellt sind, auch ungut, falsch, dissozial oder auch bösartig zu handeln. Damit beschäftigen wir uns unter anderem am Lehrgebiet. Weil die Bereitschaft dazu, die Disposition dazu ist zwischen verschiedenen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt.

    Und wie kommt es dazu, dass es unterschiedlich ausgeprägt ist? Sind das Anlagen, die ich schon aus der Kindheit mitschleppe, durch Erfahrungen oder…

    Um sich wissenschaftlich rauszureden, verwendet man dann die Bezeichnung des biopsychosozialen Modells, da ist dann alles mit drin und keiner weiß was Genaues. Nein, es ist natürlich eine Mischung aus allen Faktoren: anlagebedingt, also Genetik, und Umwelterfahrungen.

    Widerspricht das dem, das …Sie haben mir im Vorgespräch erzählt, dass Menschen nach fünf Persönlichkeitsmerkmalen eingeordnet werden können. Die klingen jetzt alle erstmal positiv: Offenheit, Außenorientierung, emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit. Wie komme ich dann da zu dissozialen…

    Das ist natürlich ein sehr nützliches, aber auch grobes Raster, um menschliche Persönlichkeiten einzuordnen. Das ist vielleicht ähnlich wie bei Geschmacksrichtungen. Mit Hilfe von süß, sauer, salzig und bitter kann man viele Geschmäcker gut beschreiben. Aber es wird schwierig, den qualitativen Unterscheid zwischen gutbürgerlicher Küche und einem asiatischen Gericht damit präsent machen zu können. Das heißt also, je spezifischer man wird, umso mehr muss man einzelne Nuancen beachten und bei uns sind das dann insbesondere die sogenannten Dark-Triade-Eigenschaften. Oder zu Deutsch: Eigenschaften der dunklen Triade, die von Paulus und Kollegen beschrieben worden sind. Solche Dinge wie Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie.

    Wenn Sie neue Leute kennenlernen, ordnen Sie sie dann immer gleich unter diesen fünf Persönlichkeitsmerkmalen ein, oder…?

    Nein, auf keinen Fall (lacht). Ich glaube, ich habe da sogar oft eine große Naivität, dass ich es gar nicht so mitkriege oder merke. Das ist ja immer das große Vorurteil gegenüber Psychologinnen oder Psychologen auf Partys: Dass man gar nicht anders könne, als Leute sofort einzusortieren. Das sicherlich nicht.

    Jetzt sind Sie ja schon seit einem Dreivierteljahr an der FernUni. Sie kommen ursprünglich aus Hagens Nachbarstadt Schwerte, also nicht weit weg. Sie wohnen jetzt wieder in der alten Heimat. Wie ist das so, knüpft man da an Bekanntes an? Ist ja auch ganz menschlich, wieder so zurückzuschlüpfen.

    Ja, das ist aus meiner Sicht eine sehr schöne Erfahrung. Allerdings ist es nicht so, dass da alles beim Alten geblieben sei. Viele Freunde, Bekannte, die ich sehr mag, sind weiterhin dort, darunter auch Familie. Meine Eltern sind dort, meine Schwester lebt dort. Von daher fällt es leicht, dort wieder anzuknüpfen.

    Sie kommen ja von einer Präsenzuni. Wie erleben Sie den Unterschied?

    Sehr deutlich. Es ist natürlich etwas ganz anderes. Die Interaktion mit den Studierenden ist ganz anders, was etwa das Betreuungsverhältnis im Rahmen von Bachelor- oder Masterarbeiten betrifft. Gerade jetzt, vorletzte Woche, haben ein Mitarbeiter und ich die erste Präsentveranstaltung gemacht. Das war tatsächlich sehr interessant zu sehen, dass wir eine wesentlich größere Bandbreite feststellen, in Hintergründen und Erfahrungsschätzen, die die Studierenden mitbringen.

    Und die sie auch einbringen?

    Natürlich. Wenn man berücksichtigt, dass der Altersschnitt sonst deutlich unter 25 liegt, hat man jetzt hier eine sehr große Altersstreuung und dementsprechend dann auch sehr nützliche und wichtige Hinweise. Es ging beispielsweise um einen Intelligenztest. Da stellte sich die Frage, ob das denn überhaupt möglich sei, den als Gruppentestung gerade bei Kindern durchzuführen. Da meldete sich eine Teilnehmerin und sagte, ich habe das seit zehn Jahren gemacht und die Kinder sind viel stiller als wir es vorhin waren und viel disziplinierter. Das sind Erfahrungen, die man so an der Präsenzuni eher seltener macht.

    Da müssen wir die fünf Persönlichkeitsmerkmale vielleicht noch um ,Fernstudierende‘ erweitern. Vielen Dank für dieses Gespräch. Wenn das Mikro hier gleich zugeht, dann frage ich Herrn Mokros, in welche Persönlichkeitsmerkmale er mich denn einsortieren würde…

    Sehr gerne, ich bedanke mich, Frau Wetter.

Anja Wetter | 24.05.2018