Durch Ernennung in Aufbruchsstimmung

„Jetzt kann ich das machen, was ich immer schon wollte. Ich bin frei und kann als Wissenschaftler endlich selbstständig meinen Job machen“, erklärt Dr. Peter Risthaus, was die Berufung zum Universitätsprofessor für ihn bedeutet. Im August ist er an der FernUniversität in Hagen von Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert zum Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Mediengeschichte ernannt worden. „Seinen Job machen“ bedeutet für ihn, seine eigenen Ideen umsetzen zu können. Und davon hat er viele – sowohl für die Forschung als auch für die Lehre.

Portrait von Peter Risthaus Foto: FernUniversität
Prof. Peter Risthaus

Ideen für die Lehre

Da der 49-Jährige in den vergangenen zwei Jahren bereits als Vertretungsprofessor in Hagen war, kennt er das besondere Lehrkonzept an der FernUniversität: „Die Betreuungsmöglichkeiten sind hier deutlich besser als an einer großen Präsenzuni. Hier kann ich viel individueller auf die jeweiligen Situationen der Studierenden eingehen.“

Für seine Lehrveranstaltungen plant er einen Mix: „Ich möchte zum einen grundständige, eher konservativ anmutende Themen anbieten, beispielsweise zur Metrik von Gedichten, möchte aber auch die Ressourcen nutzen, die die FernUniversität bietet.“ Diese Ressourcen sind unter anderem die Bibliothek, das Ton- und auch das Videostudio. In Projektseminaren könnten Studierende über ein Semester eine Literaturausstellung oder eine Hörspielproduktion erarbeiten.

Zudem hält Risthaus Webinare und Hybridveranstaltungen für sehr wichtig. „Als Medienwissenschaftler bin ich grundsätzlich medienaffin und möchte gerne meinen Teil leisten, dass die FernUniversität in diesem Bereich noch besser wird.“ Hybridveranstaltungen und Webinare werden bei ihm außerdem in der Doktorandenbetreuung eine wichtige Rolle spielen. Denn so könnten auch externe Promovierende regelmäßig am Doktorandenkolloquium teilnehmen.

„Als Medienwissenschaftler bin ich grundsätzlich medienaffin und möchte gerne meinen Teil leisten, dass die FernUniversität in diesem Bereich noch besser wird.“

Prof. Peter Risthaus

Forschung an der FernUniversität

Hinsichtlich seiner Forschung hatte Peter Risthaus vor zwei Jahren einen perfekten Einstand an der FernUniversität. Denn bevor er wusste, dass er nach Hagen gehen würde, hatte er mit Prof. Dr. Michael Niehaus aus dem Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik das DFG-Forschungsprojekt: „Das Beispiel im Wissen der Ästhetik“ beantragt. „Die räumliche Nähe ermöglichte uns dann eine sehr schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit.“ Herausgekommen ist u.a. die Zeitschrift „z.B. – Zeitschrift zum Beispiel“. Sie befasst sich mit dem Gebrauch von Beispielen in allen akademischen Disziplinen.

Großes Interesse hat Prof. Risthaus an den Forschungsschwerpunkten der FernUniversität. „In den zwei Jahren, in denen ich hier bin, ist dort ziemlich viel passiert. Ich freue mich darauf, mich zu beteiligen und habe auch schon konkrete Ideen.“ Er möchte sich in den Schwerpunkt „digitale_kultur“ und die Forschungsgruppe „Figurationen von Unsicherheit“ einbringen. Bei ersterem schwankt er noch zwischen einem medienwissenschaftlichen und einem literaturwissenschaftlichen Ansatz: Die Mediengeschichte des Packings, also des Komprimierens von Informationen, oder eine Metrik-App, die dabei helfen soll, das Versmaß richtig zu erkennen, wären mögliche Projekte. Für die Forschungsgruppe „Figurationen von Unsicherheit“ hat er im Auge, sich mit der Technik und den Narrativen von Frühwarnsystemen zu beschäftigen. „Das sind alles Themen, die ich auf jeden Fall bearbeiten möchte.“

Werdegang

Peter Risthaus hat Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Essen und Konstanz studiert. Promoviert und sich habilitiert hat er an der Ruhr-Universität Bochum, wo er vor seinem Wechsel nach Hagen als Akademischer Rat beschäftigt war. Während seiner Zeit in Bochum hat er unter anderem im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 eine interdisziplinäre Sommerakademie zur Frage „Wo kommen unsere Energien her?“ organisiert und durchgeführt. Beteiligt waren 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft. „Das war ein Großprojekt, das mir sehr am Herzen lag. Denn mir ist es wichtig auch außerhalb der reinen Fachwissenschaft wahrgenommen zu werden.“

Der gebürtige Bottroper lebt mit seiner Frau in Hildesheim. In Hagen wird er sich eine zusätzliche Wohnung nehmen. „Ich möchte präsent sein und mehr von der Uni mitbekommen. Außerdem finde ich den Strukturwandel in Hagen sehr interessant.“ Sein Hobby wird dabei jedoch in Hildesheim bleiben. „Ich bin Kutscher. Früher auch auf Turnieren, jetzt nur noch zum Spaß spanne ich das Pferd an und fahre eine Runde.“

Carina Grewe | 25.09.2019