Neuer Professor für Angewandte Statistik

Foto: FernUniversität
Prof. Robinson Kruse-Becher (Mitte) mit Rektorin Prof. Ada Pellert und dem Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft Prof. Stephan Meyering. Das Foto ist im Rahmen der offiziellen Vereidigung zum 1. März noch vor den Corona-Kontaktbeschränkungen entstanden.

Yves Robinson Kruse-Becher. „Das ist kein Name, das ist ein Markenzeichen!“, begrüßt Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert den neuen Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Statistik an der FernUniversität in Hagen. Die beiden verbindet die gemeinsame Heimat. Prof. Dr. Kruse-Becher ist gebürtiger Wiener, was er ohne erkennbaren Ortsdialekt jedoch mühelos verschleiern kann. Kein Kunststück, wie er versichert, weil er in Hamburg aufgewachsen ist. Inzwischen fühle er sich im Rheinland wohl und bald hoffentlich auch in Hagen, wenn er von Köln aus zur FernUni pendelt. Momentan arbeitet er wie viele andere im Homeoffice.

Energiemärkte erforschen

Der Wissenschaftler hat sich viel vorgenommen. „Die Anbindung an den Forschungsschwerpunkt für Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit interessiert mich sehr“, sagt Kruse-Becher, und hat dabei schon konkrete Forschungsvorhaben im Kopf. Ihm schwebe etwa eine Untersuchung zum Emissionshandel vor, zum komplexen Zusammenspiel aus CO2-Emissionen und CO2-Bepreisung, wie es das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vorsieht.

In seiner bisherigen Forschung nahm die Finanzmarkt-Ökonometrie eine übergeordnete Rolle ein. Kruse-Becher beschäftigte sich mit spekulativen Blasen in der Finanzkrise und untersuchte die Determinanten der Ölpreisrally Mitte der 2000er Jahre. Zusammen mit anderen Forschenden entwickelte er neue Verfahren, um Prognosen des Wirtschaftswachstums und der Inflation miteinander vergleichen zu können. Das Forschungsteam konnte zeigen, dass von Expertinnen und Experten erstellte Prognosen insbesondere in Zeiten großer Unsicherheit gegenüber maschinell erzeugten Prognosen überlegen sind.

Seminar zur Zeitreihenanalyse mit Daten zur Corona-Krise

Das könnte nun auch für die aktuelle Krise rund um das Coronavirus auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft gelten. Die Entwicklungen verfolgt der Wissenschaftler mit großer Sorge. „Wie es weitergeht, das kann derzeit niemand genau sagen. Die Prognosen zum Wirtschaftswachstum gehen stark auseinander, nur die Richtung ist klar: Es geht deutlich nach unten.“ Trotz einer drohenden schweren Rezession bemüht sich der Wirtschafts- und Finanzexperte um eine möglichst realistische Einschätzung der Lage: „Selbst von der Finanzkrise 2007/08 konnten sich die Märkte irgendwann erholen – fraglich ist nur, wie lange das alles am Ende dauert.“

Foto: FernUniversität
Jun.-Prof. Dr. Sanne Kruse-Becher begleitete ihren Mann zur offiziellen Unterzeichnung seiner Berufungsunterlagen.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema finde er sehr spannend und wichtig. Im kommenden Wintersemester wird für die Studierenden ein Seminar zur Zeitreihenanalyse mit Daten zur Corona-Krise angeboten.

Nachdem sich der diplomierte Volkswirt promoviert hatte, war er zunächst von 2008 bis 2011 als Post-Doc an der Universität Aarhus bei einem renommierten Exzellenzcluster zur ökonometrischen Zeitreihenanalyse (CREATES) beschäftigt. Danach war er bis 2015 als Juniorprofessor für Finanzstatistik an der Leibniz Universität Hannover tätig. Darauf folgte eine Station an der Universität Groningen. 2017 nahm er den Ruf als Professor für Financial Econometrics an die Universität zu Köln an. 2018 war er vertretungsweise an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er mehr als zehn Jahre zuvor sein Diplom im Studiengang Volkswirtschaftslehre erhielt.

Statistik soll multimedialer werden

Seine langjährige Lehrerfahrung möchte Kruse-Becher nun zukünftig in der Fernlehre einbringen. Das digitale Studium an der FernUni biete dazu sehr viele Möglichkeiten und Freiheiten, die es in diesem Ausmaß an Präsenzuniversitäten nicht gebe, „darauf freue ich mich besonders“.

Ein multimediales Lehr- und Lernerlebnis zu schaffen, nimmt einen hohen Stellenwert auf der Liste seiner Vorsätze im neuen Job ein. „Gerade die Statistik eröffnet mit diversen Datenanalysen enorm viele Gelegenheiten, online zu arbeiten.“ Die FernUni halte beste Bedingungen für die digitale Lehre bereit, deshalb habe er nicht gezögert und sei dem Ruf nach Hagen gefolgt.

Wollte man den neuen Lehrstuhlinhaber in einem Satz beschreiben, könnte man sagen, er ist visionärer Realist, der das Konzept des Blended Learnings bereits verinnerlicht hat und die Statistik als verbindende interdisziplinäre Disziplin verstanden wissen möchte. „Statistik ist keine einsame Insel“, sagt Robinson Kruse-Becher.

Angewandte Statistik

Prof. Dr. Robinson Kruse-Becher übernimmt den Lehrstuhl angewandte Statistik und empirische Sozialforschung von Prof. Dr. Hermann Singer, der sich am 1. März in den Ruhestand verabschiedet hat. Der neue Name des Lehrstuhls lautet seitdem: Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Angewandte Statistik.

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Sarah Müller | 02.07.2020