Die Zeichen der digitalen Zeit früh erkannt

Ein Mann blickt in Richtung Kamera. Foto: FernUniversität
18 Jahre, elf Monate und einen Tag dauerte die Amtszeit von Prof. Helmut Hoyer als Rektor. Am 20. Juni feiert er seinen 70. Geburtstag.

„Heute sagen die Menschen: Wenn es die FernUni nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Ein größeres Lob kann es nicht geben. Wir alle können stolz auf unsere einzigartige Universität sein.“ Mit diesem erfreulichen Fazit zog sich Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer im März 2016 in den Ruhestand zurück. Fast 19 Jahre lang hatte er die Geschicke der mit 76.000 Studierenden größten Hochschule in Deutschland als Rektor gelenkt. Am 20. Juni wurde er 70 Jahre. Für seine vielfältigen Verdienste erhielt Hoyer das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Galt die FernUniversität nach der Aufnahme des Studienbetriebs 1975 noch als „Paradiesvogel“ in der deutschen Hochschullandschaft und als „sozialistisches Bildungsexperiment“, so konnte sie nicht zuletzt in der „Ära Hoyer“ ihren Ruf als erste Adresse für ein wissenschaftliches Studium neben Beruf und anderen Verpflichtungen weiter festigen und eine weltweite Vorreiterrolle beim digitalen Lehren und Lernen übernehmen.

Fernstudium moderner und individueller

Nach seiner Wahl zum Rektor im April 1997 forcierte Helmut Hoyer die Entwicklung ihres modernen, netzgestützten Studiensystems: Der „Lernraum Virtuelle Universität“, der auf Entwicklungen in der Hagener Elektrotechnik und der Informatik basierte, wurde fit gemacht für den Regelbetrieb und stetig weiterentwickelt. So erhielt die Digitalisierung der Fernlehre unter Hoyer und seiner Nachfolgerin Prof. Dr. Ada Pellert einen kräftigen Schub. Angesichts der Coronakrise konnte die FernUniversität im April 2020 sogar den deutschen Präsenzhochschulen anbieten, sie bei der Digitalisierung ihrer Lehre zu unterstützen.

Foto: Land NRW U. Wagner
NRW-Ministerpräsident Amin Laschet zeichnete Helmut Hoyer 2015 mit dem Verdienstorden des Landes aus.

Hoyer selbst entwickelte sich in seiner Amtszeit immer mehr zum Gestalter des universitären Fernstudiums, zum Hochschulmanager und zum Botschafter des Lebensbegleitenden Lernens (den Begriff „Lebenslanges Lernen“ lehnte er immer ab). „Die Digitalisierung hat das Fernstudium auf moderne Beine gestellt“, stellte er 2016 im Rückblick auf seine Amtszeit fest. „Unser vielfältiger Werkzeugkasten mit netzgestützten Lehrmaterialien, Foren, Chats und virtuellen Seminaren macht das Fernstudium besser studierbar. Wir bieten einen wesentlich größeren Grad an Individualisierung, als das im Präsenzstudium möglich ist.“

Ein anderes zentrales Projekt war die Umstellung des Lehrbetriebs von den Diplom- und Magisterstudiengängen auf die zukunftsfähigen Bachelor- und Masterabschlüsse. In diesem Zusammenhang musste aber auch die vom Land durch den Qualitätspakt initiierte Einstellung der Elektrotechnik realisiert werden. Das schmerzt den Elektrotechniker heute noch. Dagegen sind der Erhalt der Juristischen Fakultät und der Ausbau der Hagener Psychologie, die 2018 eine eigene Fakultät wurde, erfreuliche Erinnerungen.

Weiterhin für die Digitalisierung der Lehre aktiv

Botschafter des Fernstudiums war (und ist) Hoyer auch auf der internationalen Ebene. So war er von 1999 bis 2008 Vizepräsident / Acting President des International Council for Open and Distance Education (ICDE). Als Leiter des Wissenschaftlichen Programm-Komitees verantwortete er die fünftägige ICDE-Weltkonferenz, die – organisiert von der FernUniversität – Anfang April 2001 mit fast 1.300 Fachleuten aus aller Welt in Düsseldorf stattfand.

Foto: FernUniversität
Zur Eröffnung der ICDE-Weltkonferenz kam auch der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (neben Prof. Hoyer).

Heute ist Hoyer Vorsitzender des Board of Trustees, einer Art Aufsichtsrat des ICDE, sowie in ähnlichen Gremien der Stiftung Universitäre Fernstudien Schweiz und des Lüdenscheider Science-Centers Phänomenta. Weiterhin engagiert er sich als Themenpate der Themengruppe „Curriculum Design & Qualitätsentwicklung“ des Hochschulforums Digitalisierung für die Weiterentwicklung der Lehre. Auch Fernlehrinstitutionen steht er mit Rat und Tat zur Seite.

Eventuell noch vorhandene Zeitfenster füllt der Ruheständler als Vorsitzender der Fußballabteilung des TSV Dahl in Hagen und als heimischer Haus-und-Garten-Handwerker. Einmal jährlich steht ein Besuch in Wacken in Hoyers Terminkalender. Das kultige Heavy-Metal-Rockfestival dort hat er schon während seiner Rektorzeit auf Rat eines Sohnes für sich entdeckt: „Ich bin für viele Musikrichtungen offen.“

1979 erstmals an der FernUniversität

Hoyer, in Pottum im Westerwald geboren, kam bereits 1979 als wissenschaftlicher Assistent an das Lehrgebiet Automatisierungstechnik und Informationstechnik im damaligen FernUni-Fachbereich Elektrotechnik. Zuvor hatte er von 1975 bis 1978 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung in Karlsruhe die spannende Kinderzeit der Informationstechnologie hautnah miterlebt. 1984 wurde er in Hagen promoviert.

Foto: FernUniversität
1997 wurde Prof. Helmut Hoyer von der NRW-Landesregierung zum Rektor der FernUniversität ernannt.

Im folgenden Jahr ging er mit seinem Doktorvater Prof. Dr. Eckhard Freund von Hagen zur Universität Dortmund, wo der „Roboterpapst“ das Institut für Roboterforschung (IRF) aufbaute. Hier leitete Hoyer die Gruppe „Regelung und Mehrrobotersysteme“. 1988 kehrte er als Professor für Prozesssteuerung und Regelungstechnik zur FernUniversität zurück, wurde hier 1993 Prorektor für Planung und Finanzen und von 1997 bis zu seiner Pensionierung 2016 Rektor.

Seinen Geburtstag in der „Corona-Zeit“ feierte der dreifache Großvater mit der engsten Familie bei einem der beiden Söhne in der Nähe von Potsdam.

Herzlicher Glückwunsch der FernUniversität

Hoyer 70 RektorinFoto: Volker Wiciok

Die FernUniversität gratuliert Helmut Hoyer ganz herzlich zum Geburtstag und dankt ihm für alles, was er für die Hochschule und für Lehre und Forschung geleistet hat. Mit enormem Engagement und großem Weitblick hat er großen Anteil daran, die FernUniversität in der deutschen und internationalen Hochschullandschaft zu etablieren. Eine große Rolle bei der Flexibilisierung und Individualisierung unserer Lehre spielen forschungsbasierte Virtualisierung und Digitalisierung, die er seit dem Beginn seiner Rektorzeit als diplomatischer Botschafter vorantreibt. So können vor allem unsere berufstätigen Studierenden das Lernen noch besser in ihre sich schnell wandelnde Lebens und Arbeitswelt integrieren.

Prof. Ada Pellert, Rektorin

Gerd Dapprich | 29.06.2020