Vom Zeitsoldaten zum Professor

Portrait von Prof. Max Krüger Foto: Michael Kienzler
Prof. Max Krüger

„Mein Lebenslauf ist etwas ungewöhnlich“, sagt Max Krüger. Nach dem Abitur war er zunächst 15 Jahre Zeitsoldat. Mittlerweile ist er Professor an der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Furtwangen. Dass er diesen Weg einschlagen konnte, lag unter anderem an einem Mathematikstudium an der FernUniversität in Hagen.

Informatikstudium an der Universität der Bundeswehr

Nach dem Abitur verpflichtete sich Max Krüger zunächst einmal für zwölf Jahre als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Dort studierte er an der Universität der Bundeswehr in München und schloss 1996 sein Informatikstudium ab. „Danach vermisste ich jedoch zwei Dinge: Praxiserfahrung und noch fundiertere Mathematikkenntnisse.“ Praxiserfahrung bekam er in den kommenden Jahren durch Tätigkeiten im IT-Systemzentrum der Marine. Seinen Wunsch nach noch tiefergehenden Mathematikkenntnissen konnte er sich mit einem Studium an der FernUniversität erfüllen. Damals war es noch ein Diplomstudiengang, in den er voller Eifer einstieg. „Mit dem berufsbegleitenden Vordiplom war ich nach zwei Jahren fertig.“

Das weitere Studium bis zum Diplom dauerte dann jedoch etwas länger. Genauer gesagt viel länger, denn Max Krüger konzentrierte sich vorerst auf eine Promotion in Informatik und seine weitere Karriere. „Um promovieren zu können, habe ich mich für drei weitere Jahre verpflichtet und bin zurück nach München an die Bundeswehr-Uni gegangen. Dabei konnte ich meine Mathematikkenntnisse aus dem Vordiplom und dem begonnenen Hauptstudium schon sehr gut gebrauchen.“

Ruf an die Hochschule Furtwangen

Nach 15 Jahren bei der Bundeswehr entschied sich Max Krüger für eine Position in der Wirtschaft bei einer Beratungsfirma im Bereich der Verteidigung und Sicherheit. Irgendwann wuchs in dem Informatiker dann der Gedanke, sich auf eine Professur zu bewerben. „Ich hatte gemerkt, wie viel Spaß mir auch die Lehre in Mathematik macht und habe mich daher gezielt auf Stellen beworben, die einen substantiellen Mathematikanteil hatten.“ Im März 2011 erhielt er dann einen Ruf an die Hochschule Furtwangen im Schwarzwald. Dort ist der 47-Jährige bis heute für die mathematische und statistische Ausbildung der angehenden Wirtschaftsingenieure zuständig. „Bei meiner Bewerbung war das berufsbegleitende Studium in Hagen schon sehr nützlich. Damit konnte ich meine ergänzende Mathematikkompetenz und -affinität zeigen.“

Sein eigenes Mathematikstudium an der FernUniversität nahm wieder mehr Fahrt auf, als im Zuge des Bologna-Prozesses alle Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt wurden. „Ich wollte gern noch meinen Diplomabschluss in Mathematik machen und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich bis Ende März 2020 mit allem fertig sein müsste.“ Am Ende wurde es noch etwas knapp: „Meine Diplomarbeit habe ich am 28. Februar 2020 abgegeben.“ Diese hatte er bei Prof. Dr. Winfried Hochstättler über eine alternative Darstellung von Überdeckungseigenschaften im Schnitt zweier Matroide geschrieben. Matroide treten in der Abstraktion vieler praktischer Optimierungsprobleme auf.

Studium gibt Impulse für die Lehre

Professor Krüger hat das Thema sehr viel Spaß gemacht. „Die Beschäftigung mit den Inhalten meiner zweiten Diplomarbeit fast 25 Jahre nach der ersten hat mich dazu motiviert, eine entsprechende Wahlpflichtveranstaltung zu Anwendungen der linearen Optimierung anzubieten.“ Von dem letzten Schritt seines FernUni-Studiums haben dadurch nicht nur er, sondern auch seine Studierenden direkt profitiert.

Stand: Mai 2020

Carina Grewe | 01.07.2020