Endspurt Doktorarbeit

Foto: FernUniversität
In seiner Dissertation befasst sich Steffen Hoffmann mit Explorativem Benchmarking.

Das Hagener Mentoringprogramm unterstützt Doktorand:innen und Postdoktorand:innen der FernUniversität in Hagen beim Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere. In lockerer Folge stellen wir die geförderten Wissenschaftler:innen auf ihrem Weg zur Promotion oder Habilitation vor – heute Steffen Hoffmann (41) aus dem Lehrstuhl für BWL, insbes. Quantitative Methoden und Wirtschaftsmathematik.

In erster Linie sieht Steffen Hoffmann das Mentoring als eine Chance, neue Kompetenzen im Wissenschaftsbetrieb zu erwerben und Kontakte zu knüpfen. „Mir ist es wichtig, Schlüsselqualifikationen mit auf den Weg zu bekommen, die mein Profil schärfen“, sagt der Promovend. Deshalb, und weil es ihm auch auf einen fachbezogenen Austausch ankommt, hat der Wirtschaftswissenschaftler einen Mentor aus seinem eigenen Fachgebiet ausgesucht. „Ich möchte mir ein berufliches Netzwerk aufbauen und da ist es natürlich schön, dass mein Mentor viele andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derselben Richtung kennt.“

Nach seiner Promotion würde Steffen Hoffmann gerne eine Professur an einer Fachhochschule aufnehmen, weil ihn die Möglichkeit reizt, anwendungsorientiertes Wissen auf Basis von akademischer Lehre zu vermitteln und in praxisbezogenen Projekten mit den Studierenden zu vertiefen. Er selbst studierte berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik und Internationales Management und war viele Jahre unter anderem in der Medizinprodukte- und IT-Branche tätig. Schließlich wechselte er zum Studium an die FernUniversität in Hagen, wo er als Diplom-Kaufmann mit dem Schwerpunkt Operations Research, also quantitative Methoden zur Unternehmensplanung und Entscheidungsunterstützung, abschloss.

Das Hagener Mentoring

Mentoring, kollegiale Beratung und professionelles Coaching: Mit diesen drei Säulen unterstützt der Graduiertenservice Doktorand:innen und Postdoktorand:innen der FernUniversität beim Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere. Weiterer Schwerpunkt ist der Aufbau eines eigenen fachlichen und überfachlichen Netzwerks. Beim eigentlichen Mentoring begleiten erfahrene Wissenschaftler:innen die Teilnehmenden. Im Gegensatz zur fachlichen Betreuung durch die Vorgesetzten stehen dabei Kompetenzen im Mittelpunkt, die jenseits des konkreten Themas der Promotion oder Habilitation liegen.

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Anschauliche Forschung

Seit 2017 forscht Steffen Hoffmann am Lehrstuhl für BWL, insbes. Quantitative Methoden und Wirtschaftsmathematik. In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit Explorativem Benchmarking. „Das ist eine Analyse, die dafür gedacht ist, verborgene Zusammenhänge und Verbesserungspotenziale aufzudecken“, erklärt der Promovend. Dabei zerlegt er vorhandene Rohdaten und macht sie auf einer Art Landkarte sichtbar. „Das Verfahren stammt ursprünglich aus der Psychologie, aber es können auch Rohdaten von Firmen, Prozessen oder anderen Entscheidungseinheiten visualisiert werden.“ Das Bild, das dabei entsteht, zeigt Zusammenhänge die in den Daten „versteckt“ sind und beobachtbare Phänomene erklären können.

Hoffmann hat beispielsweise die Daten von Flugnavigationsdienstleistern in eine solche Karte überführt und dabei herausgefunden, dass sich europäische Flughäfen in zwei Gruppen einteilen lassen: Auf der einen Seite stehen Flughäfen mit konstanter Belastung, auf der anderen Seite Flughäfen, auf denen je nach Saison mehr oder weniger los ist. Beide Gruppen unterscheiden sich dadurch, wie sie ihre Ressourcen nutzen, um den Flugverkehr effizient zu gestalten. „Viele Flughäfen dürfen am Tag nur eine bestimmte Anzahl an Starts und Landungen abwickeln“, sagt Hoffmann.

In seiner Untersuchung konnte er zeigen, dass sich die Regulierung besonders an Flughäfen mit saisonaler Auslastung bemerkbar macht und daraus Effizienzunterschiede ableiten. „Die Ergebnisse könnten unter anderem dazu genutzt werden, die Regulierung des Flugverkehrs mit Blick auf die Nachhaltigkeit vorteilhafter zu gestalten“, fasst der Nachwuchswissenschaftler seine Ergebnisse zusammen, „mit positiven Effekten nicht nur für die Fluggäste, sondern vor allem auch die Natur und die im Einzugsbereich lebenden Menschen.“

„Am liebsten teile ich mir die Arbeit in Blöcke ein, sodass ich mich mehrere Wochen am Stück mit meiner Doktorarbeit beschäftigen kann.“

Steffen Hoffmann

Privat mit Speed unterwegs

Neben seiner Forschung hat Steffen Hoffmann immer schon viel Wert auf den Austausch mit den Studierenden der FernUni gelegt. Da ihm besonders Präsenzlehre Spaß macht, entwickelte er für das Modul, das er betreut, einen zweitägigen Klausurvorbereitungskurs. „Leider kam nach den ersten Veranstaltungen Corona dazwischen, aber der Kurs findet nun online statt.“ Wenn er keine Lehrveranstaltungen vor- oder nachbereitet, schafft sich Steffen Hoffmann immer wieder Freiräume. „Am liebsten teile ich mir die Arbeit in Blöcke ein, sodass ich mich mehrere Wochen am Stück mit meiner Doktorarbeit beschäftigen kann.“ Für den letzten Block will er sich zum Jahresende noch mal länger an den Schreibtisch setzen.

Einen Ausgleich zur Arbeit in seinem Homeoffice in Halberstadt findet der Forscher in der Natur. Mit der Familie zieht es ihn gern mal zum Wandern in den felsigen Harz, an einem langen Wochenende darf es zur Abwechslung auch mal ein Städtetrip sein. Und wenn er allein unterwegs ist, schnallt er sich seine Inliner zum Skating unter.

Auf den letzten Seiten seiner Dissertation setzt er weniger auf Tempo, dafür auf Genauigkeit. Und dennoch möchte er spätestens zum Jahreswechsel einen Haken an das Projekt Promotion machen. „Mein Professor sagt immer, mit einem Marathon soll man die Doktorarbeit nicht unbedingt vergleichen, aber einem 10.000-Meter-Lauf kommt sie schon sehr nah.“

Sarah Müller | 08.09.2021